ZDF-Sommerinterview Schulz: "Ich werde Kanzler"

„Ich rechne damit, dass ich eine gute Chance habe, die nächste Bundesregierung anzuführen“, sagte Martin Schulz am Sonntag im Sommerinterview.

(Foto: Jule Roehr /ZDF/dpa)

In der SPD-Führung wächst Medienberichten zufolge der Unmut, doch der Kandidat gibt sich zuversichtlich. Auch die große Koalition sei eine Option.

Von Nico Fried, Berlin

Der Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, hat sich zum Beginn der heißen Phase des Wahlkampfs um Zuversicht bemüht: "Ich rechne damit, dass ich eine gute Chance habe, die nächste Bundesregierung anzuführen", sagte der SPD-Chef am Sonntag im Sommerinterview der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Schulz ergänzte: "Ich werde Kanzler." Bis zum Wahltag am 24. September blieben noch sechs Wochen. Unter seiner Führung sei er auch zu einer großen Koalition bereit. Wenn die CDU als Juniorpartner eintreten wolle, "sollen sie sich das überlegen", sagte Schulz.

Andere prominente SPD-Politiker kündigten für den Rest des Wahlkampfs eine verschärfte Gangart an oder zeigten sich sogar kritisch gegenüber dem Erfolg der bisherigen Kampagne. So forderte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, ihre Partei müsse vor allem in der Kommunikation "noch eine Schippe oben drauflegen". Im Südwestrundfunk sagte Nahles, vieles von dem, was die SPD gemacht habe und vorhabe, sei "noch nicht in den Köpfen der Leute".

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Der Spiegel hatte zuvor bereits über Unmut in der SPD-Führung unter anderem wegen eines Interviews von Außenminister und Ex-Parteichef Sigmar Gabriel berichtet, in dem er sich zu Koalitionsfragen geäußert hatte. Auch in diesem Zusammenhang habe Nahles in einer internen Schaltkonferenz gefordert, man möge sich auf die Themen konzentrieren.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann kündigte eine härtere Auseinandersetzung mit Kanzlerin Angela Merkel an, die derzeit in den Umfragen bei den persönlichen Werten ähnlich deutlich vor Schulz liegt wie CDU/CSU vor der SPD. "Die Schonzeit für Frau Merkel ist vorbei", sagte Oppermann dem Tagesspiegel.

Merkel konfrontieren - "mit den Chancen, die sie verspielt hat"

Bis zum Wahltag am 24. September werde die SPD die CDU-Vorsitzende "Tag für Tag mit den Herausforderungen und Problemen unseres Landes konfrontieren, aber auch mit den Chancen, die sie verspielt hat". Merkel ruhe sich seit Jahren auf den wirtschaftlichen Erfolgen aus, die auf den Reformen ihres SPD-Amtsvorgängers Gerhard Schröder beruhten, kritisierte Oppermann.

Merkel war am Samstag mit einem Auftritt bei einer CDU-Veranstaltung in Dortmund in die heiße Phase des Wahlkampfs eingestiegen. Dabei rief Merkel ihre Partei zu einer lebhaften Kampagne auf. "Wir müssen werben, wir müssen kämpfen, wir müssen eintreten für unsere Anliegen", sagte sie und sprach von einem "speziellen Gefühl im Augenblick". Einerseits stehe Deutschland gut da, andererseits verspürten viele Unsicherheit.

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