Zahl der Deutschtürken Wundersamer Zuwachs

Überraschung im jüngsten Migrationsbericht: In Deutschland leben eine halbe Million mehr Menschen mit türkischen Wurzeln als bislang bekannt. Gleichzeitig sank aber die Zahl der Türken hierzulande. Der Grund dafür ist relativ banal, bisherige Annahmen über Deutschtürken erscheinen allerdings jetzt in einem neuen Licht.

Von Roland Preuß

Der jährliche Migrationsbericht ist eine Art Wikipedia für Politiker und Migrationsforscher. Auf 300 Seiten und zig Tabellen erläutert die Bundesregierung da, wie viele Migranten und Flüchtlinge aus welchen Ländern kommen, bleiben - oder wieder gehen müssen. Der jüngste Migrationsbericht zu 2011, der diese Woche vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, hält jenseits endloser Tabellen aber sogar eine Überraschung bereit: In Deutschland leben eine halbe Million mehr Menschen mit türkischen Wurzeln als bislang bekannt.

2010 zählten die Statistiker lediglich 2,48 Millionen Türkischstämmige, 2011 waren es bereits 2,95 Millionen. Das ist schon deshalb eigenartig, weil eine Einwanderungswelle von einer halben Million Türken binnen zwölf Monaten vermutlich aufgefallen wäre. Dies kann auch nicht der Grund sein: Die Zahl der Türken in Deutschland, also der Menschen mit türkischem Pass, ist zwischen 2010 und 2011 sogar um knapp 22.000 gesunken. Türkischstämmige haben jedoch nur ausländische Wurzeln - oft aber einen deutschen Pass. Und hier liegt die Erklärung.

Etwa die Hälfte der Deutschtürken ist in Deutschland geboren

Nach Angaben des Berliner "Mediendienstes Integration" hat eine neue Methode der statistischen Erfassung die Zahl ans Licht gebracht. "Es handelt sich hierbei um 471.000 Kinder, die in Deutschland als Deutsche auf die Welt gekommen sind", sagte ein zuständiger Mitarbeiter des Statistischen Bundesamt dem Mediendienst Integration.

Bislang waren demnach türkischstämmige Kinder in der Statistik unsichtbar, wenn beide Eltern ausländische Wurzeln hatten. Sie wurden lediglich in der Gruppe "Menschen mit Migrationshintergrund ohne Angabe zum Herkunftsland" erfasst. Das habe sich nun geändert. Inzwischen erfassen die Statistiker auch die Herkunftsländer - allerdings nur, wenn beide Eltern aus dem selben Land stammen. Bei Kindern chinesisch-russischer oder polnisch-rumänischer Eltern wird es den Statistikern dann doch zu kompliziert.

Die neue Zahl verändert einige wichtige Annahmen über Deutschtürken: Sie zeigt, dass inzwischen etwa die Hälfte der Deutschtürken in Deutschland geboren ist. Auch die Bildungserfolge dürften in künftigen Vergleichstests deutlich besser ausfallen, weil die Gruppe der Türkischstämmigen mit deutschem Pass an den Schulen im Schnitt erfolgreicher ist als die Generation zuvor.