Der neue hessische SPD-Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel hätte sich bei Kerner profilieren können. Doch da steht noch jemand neben ihm.
Viel zu melden hat der neue Spitzenkandidat der Hessen-SPD offenbar nicht. Fast zehn Minuten musste die Verlegenheitslösung der Sozialdemokraten neben der gescheiterten Andrea Ypsilanti sitzen, bis sich Johannes B. Kerner an ihn erinnerte. Bis dahin interessierte sich der Moderator viel mehr für die Gemütslage der Politikerin.
Bild vergrößern
Wer ist hier die Nummer eins? Andrea Ypsilanti, Partei- sowie Fraktionsvorsitzende der hessischen SPD und Thorsten Schäfer-Gümbel, neuer SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, im Studio von Johannes B. Kerner. (© Foto: dpa)
Anzeige
Wie geht es Andrea Ypsilanti nach der vergangenen Woche, in der sie hessische Ministerpräsidentin werden wollte und kurz vor dem Ziel von vier Abweichlern aus den eigenen Reihen daran gehindert wurde? "Da ist viel Enttäuschung, da ist auch viel Trauer. In so einer Situation zu sein, das ist auch schmerzhaft," fasste Ypsilanti ihre Gefühle zusammen.
Und sagte ansonsten Dinge, die sie schon in zahlreichen anderen Interviews von sich gegeben hatte: dass es doppelter Wortbruch gegenüber den Wählern gewesen wäre, eine Koalition mit der CDU einzugehen. Dass es ein Fehler war, im Wahlkampf die Zusammenarbeit mit der Linkspartei auszuschließen und sich nach der Wahl nicht daran zu halten.
Ein Fehler, den sie in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder gegenüber der Presse eingestanden hatte. "Sie wollen es immer wieder hören, ich kann es auch immer wieder sagen," bot Ypsilanti routiniert ein erneutes "mea culpa" an. Und fragte im nächsten Atemzug, wie man denn sonst politische Prozesse organisieren solle. Thorsten Schäfer-Gümbel schwieg und lauschte seiner Mentorin mit zur Seite geneigtem Kopf.
Außerdem versuchte sie verständlich zu machen, warum sie sich weder erneut zur Wahl stellt ("weil ich den Wahlkampf nicht belasten wollte"), noch konsequent von allen Ämtern zurücktritt ("ich gehör nicht zu denen, die alles wegschmeißen").
"Herr Schäfer-Gümbel ist die Nummer eins"
Die SPD werde erhobenen Hauptes in den Wahlkampf gehen und mit ihren Inhalten punkten. Sie sei weiter mit an Bord, erklärte Ypsilanti und stellte vorsichtshalber klar: "Ich bin nicht die Nummer eins, Herr Schäfer-Gümbel ist die Nummer eins."
Dann durfte auch die eben noch gepriesene Nummer eins etwas sagen - zunächst mal zu seiner Krawatte. Warum ist die rot-rot gestreift, wo Schäfer-Gümbel doch ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf gehe, stichelte Kerner. Also doch eine Aussage?
Nein, nein, er sei Fan des FC Bayern und trage neben der roten Krawatte doch auch ein hellblaues Hemd, rechtfertigte Schäfer-Gümbel die Farbwahl. Damit dürfte er bei den hessischen Wählern nicht allzu sehr punkten.
Auch wenn man den Hessen bisher noch nicht kennt - zumindest die Politrhetorik hat er schon drauf. Er sprach von Doppelnamen als Markenzeichen, von politischen Inhalten und Werten und dem Scherbenhaufen, den es jetzt aufzuräumen gilt - und wirkte dabei stets ein wenig zu laut, zu kämpferisch. Auf Kerners Frage, ob die beiden Politiker nach der Wahl um den SPD-Fraktionsvorsitz streiten werden, antwortete Thorsten Schäfer-Gümbel selbstbewusst: "Nein, ich werde ja Ministerpräsident." Da musste sogar Andrea Ypsilanti laut lachen.
(sueddeutsche.de/bica/lala)
Reiseknigge: Türkei
""""" Das sind Vorträge. Wenn Scheer bei der Allianz Versicherung oder bei einer Sparkasse einen Vortrag über die Vorteile der Sonnenenergie hält, sehe ich keine Lobbyistentätigkeit.
Was anderes wäre es, wenn er Einkünfte von einer Solarfima hätte und das in deren Aufträge täte. Er ist - soweit ersichtlich - lediglich in Stiftungen und wissenschaftlichen Einrichtungen tätig. """""
Was aber steht noch dabei?
Reine Solarfirmen, die ihn bezahlt habe sind:
""""""Veröff.-pfl. Angaben
2. Entgeltl. Tätigkeiten neben dem Mandat
Deutsche Essent GmbH, Düsseldorf,
Vortrag, November 2007, bis 7.000 Euro
Grahm GmbH, Kürnbach,
Buchpräsentation, Februar 2007, 1.000 bis 3.500 Euro
Heizomat GmbH, Gunzenhausen,
Vortrag Mai 2007, 1.000 bis 3.500 Euro
Iliotec Solar GmbH, Regensburg,
Buchpräsentation, März 2007, 1.000 bis 3.500 Euro
Renergy AG, Oberkirchen (Schweiz),
Buchpräsentation, Oktober 2006, 1.000 bis 3.500 Euro
Solarstromer
Energie- und Umwelttechnik, Alpirsbach,
Buchpräsentation, März 2007, 1.000 bis 3.500 Euro""""""
Und weiter:
"""""5. Funktionen in Vereinen, Verbänden und Stiftungen
Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien EUROSOLAR e.V., Bonn,
Präsident, ehrenamtlich
Stiftung energiewerk, München,
Mitglied des Kuratoriums, ehrenamtlich
World Council for Renewable Energy (WCRE), Bonn,
General Chairman, ehrenamtlich
(Einkünfte sind nur anzugeben, wenn diese im Monat den Betrag von 1000
oder im Jahr den Betrag von 10.000 für eine einzelne Tätigkeit
übersteigen.)""""""
Das ist klarer Lobbyismus.
Was ist eine Tätigkeit im Aufsichtsrat denn? Wenn Sie das auch Lobbyismus nennen, es ist aber nur eine Aufsichtstätigkeit, wofür Aufwandsentschädigung gezahlt wurde an Clement.
selbstaendig
Danke übrigens für die Info!
Habe bei abgeordnetenwatch nachgelesen. Das sind Vorträge. Wenn Scheer bei der Allianz Versicherung oder bei einer Sparkasse einen Vortrag über die Vorteile der Sonnenenergie hält, sehe ich keine Lobbyistentätigkeit.
Was anderes wäre es, wenn er Einkünfte von einer Solarfima hätte und das in deren Aufträge täte. Er ist - soweit ersichtlich - lediglich in Stiftungen und wissenschaftlichen Einrichtungen tätig.
Wenn ich im Vogelschutzverein Mitglied bin, einen Vortrag über Vögel halte und dafür Geld bekomme, bin ich dann ein Vogellobbyist? Meinetwegen...
""""Ich bin leider nicht wirklich informiert über Herrn Scheer und seine Lobbyistentätigkeit. Wikipedia listet einen Haufen Umweltpreise auf und den Vorsitz einer gemeinnützigen Vereinigung.
Sind Sie so gut und klären mich auf?"""
Suchen Sie Hermann Scheer auf abgeordnetenwatch.de und sehen sich seine dort angezeigten Einnahmen neben den Diäten an als MdB. Und das ist nur das selbst Angezeigte innerhalb der Grenzen.
Auch unentgeltliche Tätigkeiten von ihm fallen unter Solar-Lobbyismus.
Da sind mehr Einnahmen aus seiner Lobbyisten-Tätigkeit aufgelistet neben anderen als die Aufwandsentschädigungen von Clement bei RWE
"""""Wenn es bekannt war, dass soviele SPD-Leute Bauchschmerzen wegen der Linken haben, wie kommen dann 98%-Ergebnisse bei Parteitagen zustande?""""
Ja, das ist wirklich nicht demokratisch mehr zu nennen und das nennt man dann Gruppendruck.
selbstaendig
Warum sollte es keine Lobby-isten geben? Waum sollte das ehrenrührig sein - oder korrupt? Es ginge eigentlich doch nur um Transparenz. Also auch der Hermann Scheer darf "Lobby" sein, haben, benutzen, einsetzen.
Man sollte nur (Pardon piquedame) so offen sein, und sagen "wohin man gehört". Selbstaendig wirft zurecht die Frage auf, ob Lobby und Amt zusammengehen ? Ich meine, nein.
ABER: In meinem Heimatland der Schweiz, da hat jeder Rat zwei erkennbar als solche ausgewiesene Lobbyisten. Die wiederum sind dem Rat als "Werber" zugeordnet. Damit ist die Sache schon transparent und klar. Und, warum sollte H Scheer nicht für die Seinen werben? Interessant wird es am Ende dann wieder bei der Verantwortung.
Paging