In der SPD wächst die Kritik an Andrea Ypsilantis neuem Versuch, in Hessen eine rot-rot-grüne Koalition auf die Beine zu stellen.

Das geplante Gespräch der hessischen Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti mit der Linken-Landtagsfraktion hat erneut Diskussionen in der SPD ausgelöst. Der niedersächsische SPD-Vorsitzende Garrelt Duin warnte Ypsilanti davor, sich mit Hilfe der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. "Ich weiß gar nicht, was ich mir weniger wünschen soll: Dass Frau Ypsilanti abermals mit ihrem Regierungsversuch scheitert oder dass sie Erfolg hat", sagte Duin der Frankfurter Rundschau.

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Andrea Ypsilanti will in Hessen mit der Linken zusammengehen - und erntet dafür Kritik aus der Bundes-SPD. (© Foto: AP)

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Beide Fälle wären ein fatales Signal für die Bundesebene. Niemand würde die Versprechen der SPD mehr glauben, sich im Bund nicht mit den Linken einzulassen. Duin sprach sich für einen erneuten Abgrenzungsbeschluss zur Linkspartei auf Bundesebene aus. Er hatte im Frühjahr als einziges SPD-Vorstandsmitglied gegen den Beschluss gestimmt, der es den Landesverbänden freistellt, über ihre Regierungsoptionen zu entscheiden.

Der frühere SPD-Vorsitzende Rudolf Scharping forderte, die SPD-Führung dürfe Alleingänge von Landesverbänden in national entscheidenden Frage nicht dulden. Scharping analysierte, die SPD stecke mit die Parteiausschlussverfahren gegen den früheren Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und dem Kurs Ypsilantis in einer bedrohlichen Situation. "Die Menschen wollen eine handlungsfähige und zukunftsfähige Sozialdemokratie in Deutschland, nicht einen lockeren Club von Landesverbänden", mahnte er in der Bild-Zeitung.

Die Partei müsse als eine Partei wahrgenommen werden, statt sich in gegensätzlichen Konzepten zu "zerfleddern". "Sie darf schon gar nicht einer Partei von Linkspopulisten hinterher rennen", so Scharping.

Linker Flügel rät zu mehr Gelassenheit

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, der SPD-Linke Michael Müller, sagte dagegen der Berliner Zeitung, man könne Ypsilanti ein solches Gespräch nicht verbieten. Gleichzeitig plädierte er für mehr Gelassenheit. Ypsilanti könne selbstverständlich wie angekündigt ein Gespräch mit der Linkspartei führen. "Man kann Frau Ypsilanti doch nicht unter Quarantäne stellen", sagte er. So lange es sich dabei um keine konkreten Bündnisgespräche handele, sei das in Ordnung. "Wir haben in der SPD vereinbart, dass eine Entscheidung darüber mit allen Parteigremien besprochen werden müsste", sagte Müller.

Kritik an Ypsilantis Vorhaben wurde auch seitens der CDU laut. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) warnte Ypsilanti in der Bild-Zeitung davor, sich mit den Stimmen der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. "Wenn Frau Ypsilanti bei klarem politischen Verstand wäre, würde sie ihren Plan fallen lassen", sagte Jung, der auch hessischer CDU-Vize ist. Er gehe jedoch fest davon aus, dass Ypsilanti sich erneut in dieses "politische Abenteuer" stürzen werde. "Ich bin sicher: Es wird ihr Untergang", sagte er.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla forderte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf, eine Regierung aus SPD, Grünen und Linkspartei in Hessen zu verhindern. Steinmeier solle das "Trauerspiel" in Hessen unverzüglich beenden, sagte Pofalla der Passauer Neuen Presse. Andernfalls werde er als möglicher Kanzlerkandidat nicht für einen glaubwürdigen Neustart stehen. Hier gehe es um die Reputation Steinmeiers als stellvertretender SPD-Vorsitzender.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die hessische SPD wegen der aktuellen Debatte um einen neuen Anlauf zur Bildung einer von der Linkspartei geduldeten rot-grünen Minderheitsregierung ihren Parteitag auf die Zeit nach der bayerischen Landtagswahl verschiebt. Wie die Süddeutsche Zeitung aus der hessischen Parteispitze erfuhr, wollen Landeschefin Andrea Ypsilanti und maßgebliche Mitglieder des SPD-Landesvorstands diesen Schritt in der Vorstandssitzung am nächsten Mittwoch beschließen. Bisher ist der Termin für den Parteitag der 13. September, in Bayern wird am 28. September gewählt.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/bosw)