Schnee brauchte man auch in Ruhpolding, wo der Biathlon-Weltcup ausgetragen wurde. Zum ersten Mal wurde der Ort vor über 800 Jahren als Gut Rupoltingin schriftlich erwähnt. Ru stand im Althochdeutschen für berühmt, pold war stark, kräftig oder kühn. Ein Recke namens Leopold (ursprünglich Liutbald) bezeichnete einen Kühnen aus dem Volke (liut - aus dem sich unsere Leute entwickelten.) Auch in Ruhpolding mussten bemerkenswerte Leute gelebt haben: Wörtlich übersetzt heißt der Name "da wo die berühmten Starken wohnen".

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Läppische 1500 Jahre älter als der Bayern-Ort ist Neapel, das wochenlang im Müll versank. Die Stadt wurde 500 vor Christus von griechischen Kolonisten gegründet, denen ihre Siedlung Parthenope zu eng geworden war. Diese Stadt lag im Bereich des Pizzofalcone-Hügels des modernen Neapel. Für ihre Stadterweiterung freilich fiel den Griechen kein rechter Name ein. Sie nannten sie einfach nea polis - die Neustadt. Eigentlich eher enttäuschend für eine derart faszinierende Stadt.

Der Name der Meerenge

Enttäuscht sind auch Touristen, welche die westfinnische Kleinstadt Nokia besuchen. Denn Hinweise auf die Handy-Firma, welcher der Ort seinen Namen gegeben hat, finden sie dort kaum. Einst machten die Einwohner von Nokia ihr Geld mit teuren Zobelpelzen: nokia ist der Plural des finnischen nois = der Zobel, der bis heute im Stadtwappen abgebildet ist. 1865 begründete Fredrik Idestam hier eine Papiermühle, die ein Jahrhundert später mit einer Gummifabrik und einem Kabelwerk zum Unternehmen Nokia verschmolz. Es wurde zu einem Vorreiter der Handy-Technologie, was kein Trost für die Mitarbeiter im Werk Bochum ist, die Nokia jetzt im Stich lassen will.

Kränkeln tut auch die amerikanische Automobilindustrie, deren Hauptstadt Detroit zurzeit den jährlichen Autosalon ausrichtet. In den USA hat sie den Spitznamen Motown - was deutlich englischer klingt als der eigentliche Name. Den erhielt die Siedlung 1701 von ihrem Gründer, Kapitän Antoine de la Mothe Cadillac. Dieser französische Abenteurer und Entdecker hätte sich nie träumen lassen, dass sein eigener Name einmal ein teures Beförderungsmittel zieren würde, als er die Stadt Ville Detroit taufte.

Viel Phantasie bewies er dabei nicht: détroit ist auf Französisch eine Meerenge beziehungsweise eine Engstelle in einem See, und Letztere bildet der Eriesee an dieser Stelle. Amerikas Autobauer bewiesen übrigens ein anhaltendes Faible für französische Namen: Louis Chevrolet war ein Rennfahrer aus der französischen Schweiz und später Mitbegründer der Chevrolet Motor Company. Das wäre so, als ob man eine Automarke einen Schumacher oder einen Hamilton nennen würde. Bei der Suche nach einem Logo für den Chevy wurde William Durant, später Gründer von General Motors, ebenfalls in Frankreich fündig. Das verschobene Kreuz fand er als Muster auf der Tapete seines Pariser Hotelzimmers.

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(sueddeutsche.de/gba)