Jeder achte Deutsche lebt nach der Statistik unter der Armutsgrenze, die Wohlfahrtsverbände gehen davon aus, dass es noch schlimmer kommt. Schon jetzt könnten sich viele Menschen nicht einmal Arztbesuche leisten.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fürchtet nach der Armutsstudie "Leben in Europa", dass sich die Armut in Deutschland weiter ausbreiten wird. Die Zahlen seien alarmierend und sehr hoch, sagte Geschäftsführer Werner Hesse der Berliner Zeitung.

Zehn Millionen Deutsche stehen am Rande der Armut. (© Foto: ddp)

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Es handele sich aber um Zahlen aus dem Jahr 2004: "Das hat sich weiterentwickelt: Es gab die Einführung des Arbeitslosengeldes II, wieder keine Rentenerhöhung, die finanziellen Kürzungen bei den Ländern", sagte Hesse.

Keine Pausenbrote für Kinder

"Wir erwarten deshalb steigende Zahlen für die kommenden Jahre." Schon jetzt zeige sich eine Besorgnis erregende Entwicklung: "Man geht nicht mehr zum Arzt, man ist nicht mehr in der Lage, seine Kinder mit Schulmaterialien oder Pausenbroten zu versorgen", so Hesse wieter. Den Dortmunder Ruhr Nachrichten sagte der Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Das Arbeitslosengeld II müsse um 20 Prozent auf 415 Euro aufgestockt werden.

Der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, sagte der Berliner Zeitung zu der in der Studie definierten Armutsgrenze von 856 Euro, darunter fielen "Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Rentnern". Allein mehr als zwei Millionen Rentnerinnen müssten monatlich mit 650 Euro auskommen, sagte er der Chemnitzer Freien Presse.

Wenn die Renten bis 2009 weiter nicht angehoben würden, "dann müssen zentrale Dinge neu verhandelt werden." Hirrlinger forderte, bei der Gesundheitsreform Einkommen bis 800 Euro von der Zusatzprämie zu befreien.

Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wilhelm Schmidt, forderte mehr gezielte Investitionen in Bildung und Betreuung. "Wir müssen den Teufelskreis von Armut und Bildungsnachteilen aufbrechen", sagte Schmidt der Braunschweiger Zeitung.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind in Deutschland 13 Prozent der Bürger von Armut bedroht oder arm. Im Jahr 2004 seien 10,6 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Kinder unter 16 Jahren, betroffen gewesen. Als armutsgefährdet gelten Menschen, die pro Monat weniger als 856 Euro hatten, das sind 60 Prozent des mittleren Einkommens von 1427 Euro. Eine Familie mit zwei Kindern ist demnach armutsgefährdet, wenn ihr weniger als 1798 Euro zur Verfügung stehen.

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(dpa/AP)