Wirtschaft Renault ruft 15 000 Dieselfahrzeuge zurück

Bei weiteren 700 000 Autos will der französische Konzern freiwillig die Software umrüsten, weil sie zu viel Abgas ausstoßen. Betrugsvorwürfe weist der Verkaufschef des Unternehmens zurück.

Von Thomas Fromm

Nach dem Skandal um manipulierte Abgasmessungen bei Volkswagen muss auch der französische Autobauer Renault mehr als 15 000 Dieselfahrzeuge zurück in die Werkstätten rufen. Nachdem bei den Autos zu hohe Abgaswerte gemessen wurden, sollen die Motoren der Neuwagen noch vor der Auslieferung an die Kunden geprüft und neu eingestellt werden. "Neuwagen müssen den Normen entsprechen", sagte Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal dem Radiosender RTL.

Betroffen seien Dieselfahrzeuge des Modells Captur, die zwischen Februar und September 2015 in Europa gebaut worden sind. Die Ministerin warnte, auch Autos anderer Marken hätten zulässige Grenzwerte überschritten, nannte aber keine weiteren Details. Nach einem Bericht der Zeitung Les Echos soll auch Opel unter den Herstellern sein, bei denen die Normen für CO₂ und Stickoxide nicht eingehalten werden. Royal zufolge gehe es nun darum sicherzustellen, dass die Filter der Motoren auch bei sehr niedrigen und sehr hohen Temperaturen richtig funktionierten. In diesen Extremsituationen hatten Tests überhöhte Schadstoffemissionen zutage gefördert. Neben dem Rückruf bietet der Autohersteller auch freiwillige Überprüfungen und Software-Aktualisierungen bei etwa 700 000 Dieselfahrzeugen an. Nachdem im vergangenen September bekannt geworden war, dass Volkswagen jahrelang eine verbotene Software in Dieselmotoren nutzte, um Abgasmessungen bei Tests zu beschönigen, wuchs auch in Frankreich die Sorge um manipulierte Dieselmotoren. Die französische Regierung ordnete eine Untersuchung an, bei Renault gab es Durchsuchungen in Werken und Büros. Der Unterschied zu VW ist, dass zwar auffällig hohe Abgaswerte gemessen wurden - anders als bei Volkswagen stießen die Prüfer bei Renault jedoch bislang nicht auf eine vergleichbare Motor-Software, die bei Abgastests falsche Ergebnisse vortäuschten. "Renault hat nicht betrogen", sagte Renault-Verkaufschef Thierry Koskas in diesen Tagen. Zwar gebe es unterschiedliche Messwerte bei den Emissionen im alltäglichen Straßenverkehr und den Werten vom Teststand. Allerdings sei man "nicht der einzige Hersteller, der dieses Thema" habe. Renault will Kunden und Politik in den kommenden Wochen einen Plan vorlegen, in dem das Unternehmen darlegen will, wie man die Abgase seiner Autos in Zukunft niedriger halten kann. Das Thema ist in Frankreich äußerst brisant: Der französische Staat hält knapp 20 Prozent der Anteile an Renault. Nachdem der Börsenkurs des Unternehmens im Zuge der Razzien um zeitweise mehr als 20 Prozent eingebrochen war, musste die Regierung bereits geplante Anteilsverkäufe auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Schon im November war eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) publik geworden, aus der hervorging, dass Dieselautos von Renault Grenzwerte bei Stickoxiden übersteigen. Getestet wurde ein Renault Espace, bei dem die Grenzen um das 13- bis 25-Fache überschritten wurden. Renault wies die Vorwürfe damals zurück.