Wikileaks: Geheime Irak-Dokumente Bush-Krieger ermöglichten "Blutbad"

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat fast 400.000 Geheimdokumente zum Irak-Krieg veröffentlicht. Sie belegen unter anderem: Die USA haben von Folter in irakischen Gefängnissen gewusst. US-Außenministerin Clinton reagierte erbost: Die Enthüllungen gefährdeten Menschenleben.

Trotz vehementen Protests der US-Regierung hat die Internetplattform Wikileaks am Samstag fast 400.000 Geheimdokumente zum Irak-Krieg veröffentlicht. Die Dokumente belegen unter anderem Folterungen in irakischen Gefängnissen und die hohe Zahl ziviler Opfer. Die USA forderten Wikileaks auf, die Dokumente umgehend aus dem Netz zu nehmen.

Die New York Times, der Spiegel, der britische Guardian und die französische Le Monde hatten die aus "einer Datenbank des Pentagon" stammenden Unterlagen aus der Zeit vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2009 im Vorhinein ausgewertet. Die Unterlagen dokumentieren den blutigen Alltag des Kriegs und illustrieren die Hilflosigkeit der US-Truppen angesichts des zunehmenden Chaos im Irak.

Wikileaks-Gründer Julian Assange sagte dem US-Nachrichtensender CNN, die Dokumente belegten ein "Blutbad" in bisher nicht gekanntem Ausmaß. Wikileaks erläuterte die Unterlagen am Samstagmorgen bei einer Pressekonferenz in London.

Aus den Dokumenten geht unter anderem hervor, dass die US-Armee von der brutalen Folterung von Gefangenen durch irakische Sicherheitskräfte wusste, oftmals aber nicht einschritt. Die Unterlagen dokumentieren auch, dass an Straßensperren mit US-Soldaten hunderte irakische Zivilisten getötet wurden. Einer internen Aufstellung der Armee zufolge wurden zwischen der Invasion 2003 und Ende 2009 insgesamt etwa 109.000 Iraker getötet, 63 Prozent von ihnen waren Zivilisten.

Wikileaks hatte bereits im Juli 77.000 geheime US-Dokumente zur Lage in Afghanistan veröffentlicht und sich damit den Zorn der US-Regierung zugezogen. Laut Guardian stammen die Irak-Dokumente aus derselben Quelle. US-Außenministerin Hillary Clinton kritisierte solche Enthüllungen scharf. Es sei strengstens zu verurteilen, wenn durch solche Veröffentlichungen das Leben von Soldaten und Zivilisten aus den USA und seinen Partnerländern gefährdet werde, sagte Clinton in Washington.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) forderte die USA auf, die Übergriffe in irakischen Gefängnissen zu untersuchen. Washington müsse aufklären, "was US-Verantwortliche über Folter und Misshandlung von Gefangenen in irakischen Haftanstalten wussten", erklärte die Generalsekretärin von ai in Deutschland, Monika Lüke, in Berlin.

Ihre Organisation habe die jetzt veröffentlichten Dokumente noch nicht prüfen können, "auf den ersten Blick" bestätigten sie aber, dass die USA bei der Übergabe tausender Gefangener an die irakischen Behörden gegen internationales Recht verstoßen hätten. Die Dokumente lieferten "weitere Beweise dafür, dass den US-Behörden die über Jahre andauernden systematischen Menschenrechtsverletzungen" bekannt gewesen seien.

Laut Spiegel Online erklärte die US-Regierung auf Anfrage, die knapp 400.000 Dokumente seien "im Prinzip Momentaufnahmen, die mal tragisch und mal belanglos sein können, aber kein Gesamtbild ergeben". Sie lieferten "kein neues Verständnis der Geschehnisse im Irak". Zudem kritisierte die US-Regierung, dass Wikileaks Menschen zur illegalen Weitergabe von Geheimdokumenten gebracht habe, die nun "leichtfertig mit der ganzen Welt" geteilt würden.

Damit gefährde Wikileaks das Leben von US-Soldaten, Alliierten und Irakern. Die US-Regierung forderte Wikileaks auf, die Irak-Protokolle sofort von seiner Webseite zu entfernen.

Die Protokolle selbst waren auf der Wikileaks-Plattform am frühen Samstag zeitweise nicht zu erreichen. "Tut uns leid", hieß es auf der Webseite. Wegen routinemäßiger Wartungsarbeiten sei der Zugang nicht möglich. "Wir werden so schnell wie möglich wieder online sein." In Twitter-Mitteilungen hieß es dazu, die Server seien wohl angesichts des Ansturms einfach überlastet. Man soll es einfach immer wieder versuchen.