Wie leicht es ist, dem nominellen Außenminister Westerwelle auf dessen home turf die Schau zu stehlen, bewies Guttenberg Anfang des Jahres auf der Münchener Sicherheitskonferenz. Als der FDP-Mann eine uninspirierte Grundsatzrede gehalten hat, verlässt Guttenberg den Saal. Er hat ein Pressestatement zum Thema Iran abzugeben.

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Iran ist ein klassisches Feld der Außenpolitik. Und doch droht Guttenberg, der Verteidigungsminister, mit Sanktionen, sollten die Iraner nicht in der Atomfrage endlich einlenken. Das Wort des erfahrenen Sicherheitspolitikers hat Gewicht. Westerwelle klingt belanglos.

Depeschen, die den Zwist befeuern

Die US-Skeptiker dürfte der unglückliche Außenminister mit seiner Forderung nach Abzug der restlichen US-Atomwaffen aus Deutschland bestätigt haben. Nukleare Abrüstung ist eines der wenigen Kernthemen Westerwelles. Auch da hat ihm Transatlantiker Guttenberg offen widersprochen: "Wir halten vorerst noch an einem Mix aus konventionellen und nuklearen Mitteln zur Abschreckung fest."

Die Depeschen aus der US-Botschaft dürften regierungsintern den Zwist zwischen Westerwelle und Guttenberg wieder befeuern. Wenn jetzt noch herauskommt, wer der junge und aufstrebende FDP-Mann war, der angeblich Vertrauliches aus den Koalitionsverhandlungen von Union und FDP den Amerikanern berichtet hat, könnten sich die Wikileaks-Veröffentlichungen zu einer veritablen Regierungskrise ausweiten.

Auf der Pressekonferenz äußerte sich Westerwelle rasch zu Wikileaks: "Wir wollen nicht so tun, als wäre das Verbreiten illegaler Daten ein altruistischer Akt für die Meinungsvielfalt." Die Enthüllungen über Regierungsmitglieder spielte er herunter: "Das ist nicht wichtig. Die Aussagen entsprechen dem Wissensstand nach der Lektüre von einigen Zeitungskommentaren."

Von einem Maulwurf in der Protokollabteilung der FDP wollte Westerwelle nichts wissen: "Ich glaube diese Geschichte so nicht." Mit dem Verteidigungsminister Guttenberg arbeite er ebenso gut zusammen wie mit dem Kanzleramt - daran ändere auch die Wikileaks-Veröffentlichung nichts.

"Das ist nicht wichtig", erklärte Westerwelle mehrfach. Alles irgendwie sehr überschäumend.

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(sueddeutsche.de/jja)