Wikileaks: Problem Westerwelle Plaudertasche Guttenberg und sein Opfer

Kabale im Kabinett: Westerwelle gegen Guttenberg. Der smarte CSU-Minister weiß sich als Nebenaußenminister zu positionieren - auch bei seinen Freunden in der US-Botschaft.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Vergangene Woche im Bundestag. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier findet in der Generaldebatte zum Bundeshaushalt ein Thema. Es geht um das unterkühlte Verhältnis zweier Minister zueinander: Karl-Theodor zu Guttenberg (Verteidigung) von der CSU kann nicht gut mit FDP-Chef Guido Westerwelle (Äußeres). Steinmeier moniert die Spannungen.

Und was macht der liberale Parteivorsitzende? Dreht sich auf seinem Sessel um und reicht dem Kabinettskollegen Guttenberg breit grinsend die Hand. Der macht widerwillig mit. Deutschlands beliebtester Politiker, stets der Erste im Charmieren, lächelt gequält zurück.

Sein Englisch ist rein, seine Manieren sind geschliffen

Dank der Online-Plattform Wikileaks weiß jetzt alle Welt, wie es in Wirklichkeit um die Rivalität der beiden und damit um das Klima im Kabinett bestellt ist: schlecht. Schwarz auf weiß steht hier, wie geringschätzig offenbar Guttenberg über den Außenminister denkt und wie offen er darüber mit US-Diplomaten plaudert. Hier offeriert sich "KT", wie er genannt wird, recht unverhohlen als Schattenaußenminister, und für den nominellen Amtsvertreter Westerwelle bleibt nur eine recht undiplomatische Einschätzung seiner Künste. Dessen Persönlichkeit sei "überschäumend" heißt es in einer der 250.000 Depeschen, die nun um die Welt gingen.

Regelmäßig trifft sich Guttenberg mit den Leuten von der amerikanischen Botschaft. Der Jurist, der einst in New York arbeitete, gilt den Diplomaten als smart. Sein Englisch ist rein, seine Manieren sind geschliffen. Und er erzählt so schön, etwa über den Rivalen Westerwelle. Guttenberg, die Plaudertasche.

Am 3. Februar beispielsweise erklärt der Verteidigungsminister dem US-Botschafter Philip Murphy, warum Deutschland die Streitkräfte in Afghanistan nicht kräftig aufstockt - das sei an Westerwelle gescheitert. Der Anfangsstandpunkt des FDP-Chefs in den Koalitionsverhandlungen sei gewesen: "Kein einziger zusätzlicher Soldat." So sei es schwer gewesen, sagte Guttenberg in dem Gespräch mit Murphy, "überhaupt eine Vereinbarung über eine Aufstockung zu bekommen". 850 weitere Soldaten wurden bewilligt.

Der aufgehende Star der CSU gegen den untergehenden der FDP

Eine FDP-Mitarbeiterin wiederum, die verteidigungspolitische Sprecherin Elke Hoff, plauderte den Wikileaks-Protokollen gemäß ebenfalls offenherzig über Westerwelle. Dessen harter Kurs gegen eine Truppenaufstockung sei "zum Teil davon motiviert gewesen, Guttenberg eine Lektion zu erteilen", notierte Botschafter Murphy.

Die Rivalität der beiden Männer erzeugt viele Kapriolen. Was schiefgeht, geht schief, zeigen die Aufzeichnungen des Botschafters: In Berlin gilt Murphy's Law.

Dass Guttenberg, der aufgehende Star der CSU, und Westerwelle, der untergehende Star der FDP, sich nicht leiden können, ist allgemein bekannt. Die Anhänger des Liberalen beobachten jeden Schritt des smarten, beängstigend erfolgreichen Verteidigungsministers.

Guttenberg ist so beliebt im Land, wie es der Außenminister eigentlich sein sollte. Guttenberg gilt auch als der bessere Außenminister. Nicht nur unter den hiesigen Kommentatoren - sondern offenbar auch unter den US-Diplomaten.

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