Ein Hundertdollarschein, eine bestimmte Armbanduhr, ein Job als Honigverkäufer - Wikileaks-Dokumente enthüllen, woran die USA in Guantanamo Terroristen erkennen wollten. Dass der Deutsche Murat Kurnaz da als höchstgefährlich eingestuft wurde, wundert nicht mehr.
Murat Kurnaz war nur einer von 779 Muslimen aus aller Welt, die die US-Regierung im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba interniert hat. Doch der Fall des Deutsch-Türken ist so absonderlich, dass er inzwischen ganze Aktenschränke füllt und zwei Bundestagsuntersuchungsausschüsse beschäftigt hat.
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Murat Kurnaz (l.) wurde im Gefangenenlager Guantanamo als gefährlicher Terrorist festgehalten - zu Unrecht. Sein Fall beschäftigte in Deutschland zwei Untersuchungsausschüsse. (© Reuters)
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Nun taucht der Name Kurnaz auch in den jüngsten Wikileaks-Enthüllungen auf - und sorgt schon wieder für eine Überraschung.
Noch kurz vor seiner Entlassung aus dem Lager wurde der gebürtige Bremer den nun veröffentlichten Dokumenten zufolge vom US-Militär in die Gruppe der gefährlichsten Gefangenen eingestuft.
Diese Information dürfte vor allem Frank-Walter Steinmeier interessieren. Der frühere Außenminister musste sich vor dem Untersuchungsausschuss gegen den Vorwurf wehren, die Rückkehr von Kurnaz nach Deutschland verhindert zu haben, obwohl dessen Ungefährlichkeit längst erwiesen sei.
Doch beim genaueren Hinsehen entlasten diese Erkenntnisse weniger Steinmeier als dass sie die Methoden des US-Militärs diskreditieren.
Die USA standen in Guantanamo vor der schwierigen Aufgabe, Terroristen zu erkennen. Das gelang ihnen allem Anschein nach allerdings nicht besonders gut. Gerade einmal 220 der 779 Guantanamo-Insassen wurden als gefährlich eingestuft - der Al-Qaida-Topterrorist Khalid Scheich Mohammed genauso wie der verirrte Muslim Murat Kurnaz, und Handlungsreisende des internationalen Terrors genauso wie einfache Straßenhändler, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Bei mindestens 150 Häftlingen handelte es sich um unschuldige Afghanen und Pakistaner: Bauern, Händler und Fahrer etwa, von denen manche nichtsdestotrotz jahrelang in Guantanamo festgehalten wurden.
Umgekehrt nutzten als harmlos eingeschätzte und deshalb entlassene Männer ihre wiedergewonnene Freiheit dazu, Terroranschläge zu organisieren.
Wie waren solch massive Fehleinschätzungen möglich?
Eine Erklärung findet sich in einem Dokument der für den Betrieb des Internierungslagers zuständigen Joint Task Force Guantanamo, das den Titel "Matrix of threat indicators for enemy combatants" (Matrix der Bedrohungsindikatoren für feindliche Kämpfer) trägt.
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Die Ärzte in München
Den heimlich-bösen Trend hatten wir doch schon immer:
Lauter ganz nette Präsidenten
oder die "School of the Americas"
der Schandfleck der USA im Schatten der Freiheitsstatue.
("Unterricht in Terror")
"Die "School of the Americas" und die Militarisierung Lateinamerikas. Von Stefan Fuchs. SWR2 Wissen vom 15.04.2011. Mehr als 60.000 Militärs aus Süd- und Mittelamerika wurden an der "United States Army School of the Americas" in den USA ausgebildet. Ihre Absolventen bildeten ein grenzübergreifendes militärisches Netzwerk, das die Gesellschaften südlich des Rio Grande mit Terror, Folter, Entführungen und Massenhinrichtungen überzog."
http://mp3-download.swr.de/swr2/wissen/sendungen/2011/04/swr2wissen_20110415_unterricht_in_terror.12844s.mp3
http://de.wikipedia.org/wiki/School_of_the_Americas
Es gibt einen Gerichtshof der UNO in Den Hag, es gibt einen Menschenrechtsrat der UNO, es gibt Kirchen und Glaubensgemeinschaften - aber kein Aufschrei gegen die systematischen Menschenrechtsverletzungen durch die USA. Wann endlich distanzieren sich Staaten und Regierungen von solchen "Freunden"?
Ich bin auch gegen eine Untergrabung der deutschen Sprache, aber wenn das angeboten Essen nunmal "Happy Meal" heißt, dann bringt es auch nix, wenn man "Glückliche Mahlzeit" schreibt.
Ihre alberne Deutschtümelei "ist an impertinenter Borniertheit und Ignoranz nicht zu übertreffen". Bei einem Thema, das von Folter und groben Verstössen gegen die Menschenrechte handelt, eine Diskussion über einzelne Begriffe vom Zaun zu brechen, ist schlicht geschmacklos. (Von welchem deutschen Wortstamm leiten Sie übrigens "Borniertheit" und "Ignoranz" ab?).
@dieschweigendemehrheit: Ich habe nicht etwa die beiden Formen des Massenmordes gegeneinander aufgerechnet oder einen mit dem anderen entschuldigt, sondern vielmehr das Verschweigen des einen kritisiert. Alles andere ist Ihre Interpretation. Im Übrigen waren die KhmerRouge eine Folge des Überfalls der USA auf das neutrale Königreich Kampuchea.
@franklin01 Diese beiden Großmächte stellen sich selbst allerdings weder als die Bewahrer des Freidens noch als "lupenreine" Demokratien dar. Ich glaube sehr wohl, dass man von den Verbrechen des einen reden kann, ohne die der anderen immer zu erwähnen.
Ich empfinde es als dreiste Zumutung, wenn ein SZ-Artikel mit "Happy Meal"
überschrieben steht. Ich erwarte von einer renomierten deutschen Tageszeitung,
daß sie die deutsche Sprache verwendet und einen Leser nicht erst vor das
Rätsel eines fremdsprachlichen Ausdruck stellt. Nicht jeder hat ein Fremdsprachen-
lexikon zur Hand; und Englischkenntnisse vorauszusetzen, wenn man die deutsche
SZ liest, ist an impertinenter Borniertheit und Ignoranz nicht zu übertreffen.
Sie folgen damit einem sehr üblen Zeitgeist, der sich von der eigenen Sprache und
Kultur abwendet, ja sie verkommen läßt und sich einer völlig falsch verstandenen
Art von Globalisierung unterwirft. Unterwerfung ist der richtige Ausdruck. Die
Bildungs- und Erkentnisfunktion der Sprache gerät durch solche journalistischen
Gedankenlosigkeiten in Vergessenheit. "Das Reinigungswerk des Geistes muß
bei der eigenen Sprache beginnen" (Hugo v. Hofmannsthal). Bitte schreiben Sie
mit mehr Verantwortung. Gruß Gisbert v. Heyden
Paging