Die Abgeordneten sticheln gegen die mögliche Koalition Rot-Grün-Rot und versuchen, die Linke zu diskreditieren.
Man schreibt das Jahr 2008 und der hessische Landtag befasst sich mit einer verabscheuungswürdigen Tat aus dem Jahr 1919. Am Rednerpult steht Janine Wissler, stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende. Sie redet über die Ermordung Rosa Luxemburgs sowie Karl Liebknechts. Der Tagesordnungspunkt heißt: Aktuelle Stunde.
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Roland Koch (rechts) und die CDU machen im hessischen Landtag mächtig Lärm gegen die SPD und die Linke . (© Foto: dpa)
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Wissler hat sich das teilweise selbst eingebrockt, sie hat in einem Interview gesagt, dass ihre Partei schon mehrfach erklärt habe, wie sie zum Grundgesetz stehe sowie zur DDR, und dass man ja auch einmal von der SPD fordern könne, ihre Fehler aufzuarbeiten. Die SPD sei ja für die Ermordung Luxemburgs und Liebknechts verantwortlich.
Darüber wollte nun die CDU an diesem Donnerstag debattieren, ihr Parlamentarischer Geschäftsführer hat gesagt, dass dies ein Angriff auf alle Demokraten sei; dann hat der SPD-Abgeordnete Gerhard Merz die Sache recht hübsch auf den Punkt gebracht: "Es geht Ihnen nicht um zwei tote Kommunisten", hat er seinem Vorredner geantwortet, "sondern um sechs lebendige" - oder jedenfalls jene sechs Leute, welche die CDU für Kommunisten halte: die Landtagsfraktion der Linkspartei. Der geschäftsführende Ministerpräsident hört sich das alles in Ruhe an.
Es geht der CDU ums Provozieren
Es ist eine besondere Plenarsitzung in Wiesbaden, es könnte die letzte sein, in der Roland Koch auf dem Sessel des Regierungschefs sitzt und dort auch sitzen bleibt. Erst Mitte November ist der Termin für die nächste reguläre Sitzung, und wenn bei SPD, Grünen und Linken alles läuft, wie es laufen soll, könnte sich Andrea Ypsilanti schon vorher in einer Sondersitzung zur Ministerpräsidentin wählen lassen.
Koch hat mehrmals geredet in den vergangenen Tagen, an diesem Morgen bleibt er erst einmal sitzen. Seine CDU macht das schon: Sie macht Lärm. Es ist die vorerst letzte Gelegenheit, bevor die rot-grün-rote Mehrheit sich auf den entscheidenden Abschnitt ihres recht langen Weges zur Macht begibt.
Es geht der CDU, aber auch der FDP ums Provozieren, darum, kleine Eklats zu produzieren wie am Tag zuvor, als der Linken-Fraktionschef Willi van Ooyen sich dazu hinreißen ließ, im Zusammenhang mit dem Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan die Worte "schießwütig" und "Schreibtischtäter" zu sagen. Es geht darum, Rot-Grün-Rot zu spalten wie am Dienstagabend bei der Beamtenbesoldung, als CDU und Grüne sich gemeinsam gegen SPD und Linke durchsetzten, während die FDP sich enthielt.
Und es geht darum, die Linkspartei zu diskreditieren, welche dazu immer wieder fleißig ihr Scherflein beiträgt. Im Grunde genommen führt vor allem die CDU wieder vor, was sie in Hessen bis zu Kochs Wahlsieg von 1999 bereits mustergültig inszeniert hat: Oppositionsarbeit der härteren Gangart - bevor es überhaupt einen Regierungswechsel gegeben hat.
Wettern gegen "illegal errichtete" Bürohütte
Dazu gehört die Erwähnung der Tatsache, dass sich Ypsilanti am Abend zuvor mit Gregor Gysi getroffen hat, und dazu gehört jener dringliche Entschließungsantrag von CDU und FDP, der nach der Mittagspause vorliegt. Es geht darum, dass die Linke meinte, sie müsse ein Fraktionsbüro im Kelsterbacher Wald eröffnen. Es handelt sich dabei um eine Hütte, die zu einem Hüttendorf von Widerständlern gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens gehört.
Der Magistrat der Stadt Kelsterbach hat die Linke aufgefordert, die Hütte sofort wieder abzubauen, da sie "illegal errichtet wurde". Nun wollen CDU und FDP den Landtag nochmals beschließen lassen, dass die Linke ihre Bürohütte bis zu diesem Freitag abzubauen habe. Der Haken daran ist, dass der Landtag bereits tags zuvor mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP den Bau verurteilt und die Linke aufgefordert hatte, "diesen rechtswidrigen Zustand unverzüglich zu beenden".
Die Dringlichkeit wird daher abgelehnt, SPD, Grüne und Linke setzen sich durch. Roland Koch geht zurück zur Regierungsbank. Er schüttelt nur den Kopf.
(SZ vom 26.09.2008/pir)
"Undercover" bei Paketzusteller GLS
Ich kann es nur immer wieder wiederholen, Andrea, lass Dich endlich zur Ministerpräsidentin wählen. Aus der Opposition heraus können der Koch und seine Konservativen viel weniger Schaden anrichten.
Ach Gott! Charakterstärke und Anständigkeit erwarte ich nun wirklich nicht von Herrn Koch un seiner Hessen-CDU. Was aber rwarte ich von den anderen Herrschaften? Ich weiß es nicht!
Naja, man erwartet ja wirklich selten Neues bei Ihnen, aber die Überschrift
"Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem der Anstreicher kroch.. "
in Bezug auf Roland Kochs Spendenskandal, seine Lü.gen bezüglich der jüd.ischen Vermächtnisse und Law-and-Order-Forderungen zu setzen, diese also mit den unfassbaren Verbrechen jenes "Anstreichers" zu vergleichen, das ist weder pointiert noch intelligent. Das ist nicht einmal mehr du.mm - es ist schlicht grotesk!
Endgültig sicherte sich Koch den Respekt der Betonköpfe in der CDU, als er nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten den Spendenskandal der hessischen CDU eisern durchstand. Während sich in der Bundes-CDU wegen eines vergleichbaren Skandals die Rücktritte häuften, verharrte Koch unbeirrt im Amt. Die hessische CDU hatte Millionenbeträge am Parteiengesetz vorbeigeschleust, dies dreist mit angeblichen "jüdischen Vermächtnissen" bemäntelt und Koch selbst hatte die Öffentlichkeit schamlos belogen. Rückblickend betrachtet er das als Bagatelle. "Den Vorhalt, zu spät informiert zu haben, müssen sich viele Politiker in ihrem Leben irgendwann mal machen", kommentiert er sein Verhalten im Gespräch mit Müller-Vogg.
Die Unverfrorenheit, mit der Koch eigene Gesetzesverstöße verniedlicht, während er gleichzeitig drakonische Strafen für Kleinkriminelle verlangt und der Jugend "Autorität, Disziplin und Leistung" predigt, erinnert an die republikanische Rechte in den USA und an den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.
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.. und auch im Bereich Volksverhetzung die Übung hat, die in diesen Kreisen anscheinend zum guten Ton gehört...
...neben seiner Mitgliedschaft in der CDU ist Casimir Prinz Wittgenstein stellvertretender Ehrenpräsident des rechtsgerichteten Vereins Die Deutschen Konservativen, der von dem wegen Volksverhetzung vorbestraften Journalisten Joachim Siegerist geleitet wird. Wittgenstein ist nach eigener Aussage mit Joachim Siegerist bereits seit 40 Jahren bekannt. ... wiki
eine schöne Gesellschaft von Demokraten..
Paging