Zwei Tage nach dem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan mit drei Verletzten hat es erneut einen Angriff auf deutsche Soldaten gegeben. Vier Raketen trafen das Feldlager in Kundus - explodierten jedoch zum Glück nicht.

Wenige Tage vor der Bundestagsabstimmung über die Verlängerung des Isaf-Mandats der Bundeswehr werden die deutschen Soldaten verstärkt zum Ziel von Anschlägen in Afghanistan.

Wieder verstärkt Ziel von Anschlägen: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. (© Foto: AP)

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Am Sonntagabend schlugen nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums vier Raketen in das Feldlager der Bundeswehr im nordafghanischen Kundus ein.

Schusswechsel mit den Angreifern

Eines der Geschosse durchschlug das Küchengebäude, ohne jedoch zu explodieren. Im Gegensatz zum Anschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille am vergangenen Freitag wurde aber niemand verletzt, wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, am Montag sagte.

Anschließend kam es zu einem Schusswechsel mit den Angreifern. Bundeswehrsoldaten und afghanische Sicherheitskräfte verfolgten die Täter, konnten jedoch niemanden festnehmen.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, offensichtlich versuchten "radikale Kräfte", Einfluss auf die am Freitag anstehende Entscheidung des Bundestags über eine Verlängerung des Mandats in Afghanistan zu nehmen. Über die Identität der Angreifer wurden keine Angaben gemacht.

Erst vergangenen Freitag waren in Afghanistan drei deutsche Soldaten bei einem Selbstmordanschlag verletzt worden. Bei dem Anschlag in Kundus waren ein Soldat schwer und zwei weitere mittelschwer verletzt worden.

Ein Attentäter hatte sich gegen ihr Fahrzeug geworfen. Die Soldaten werden am Montagabend auf dem Flughafen Köln-Bonn erwartet. Sie sollen in Deutschland weiterbehandelt werden. Einer von ihnen war schwer verletzt worden und musste noch im Feldlazarett Masar-i-Scharif operiert werden.

Parlamentsentscheidung am Freitag

Verteidigungsminister Jung wertete die Attacke als Versuch, den Bundestag bei seiner Entscheidung über den Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan zu beeinflussen. Die Bundesregierung werde sich aber nicht von ihrem Ziel abhalten lassen, das zentralasiatische Land auf dem Weg zum Frieden zu unterstützen.

Das Parlament entscheidet am Freitag über die Verlängerung des Mandats für den Einsatz der Eingreiftruppe Isaf und der Bundeswehr-Tornados in Afghanistan. Jungs Sprecher betonte, das Ministerium gehe davon aus, dass die notwendigen Mehrheiten erreicht würden.

Die bisher getrennten Mandate für die deutsche Beteiligung an der internationalen Schutztruppe Isaf und für den Einsatz von Tornado- Aufklärungsflugzeugen sollen mit der Abstimmung zusammengelegt werden.

Union, SPD und FDP haben bereits Zustimmung signalisiert. Die Grünen werden sich voraussichtlich mehrheitlich enthalten oder dagegen stimmen. Die Partei Die Linke wird nach Angaben ihres Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi geschlossen gegen den Einsatz votieren. Über das Mandat zur Beteiligung an dem US-geführten Antiterroreinsatz Enduring Freedom soll erst im November entschieden werden.

"Verurteilt, den Weg zu Ende zu gehen"

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Oberst Bernhard Gertz, sprach sich eindringlich für eine Verlängerung um ein weiteres Jahr aus. Mit Blick auf das Votum sagte er: "Wir sind verurteilt, den Weg, den wir begonnen haben, zu Ende zu gehen." Trotz hoher Sicherheitsrisiken für die Soldaten und massiver Defizite beim Aufbau der afghanischen Polizei müsse Deutschland an seinem Engagement festhalten.

Im Süden Afghanistans wurden am Montag drei Kinder bei einem Selbstmordanschlag verletzt, der einem ausländischen Truppenkonvoi gegolten hatte. Ebenfalls im Süden tötete eine am Straßenrand deponierte Bombe einen Nato-Soldaten.

Der Anschlag vom Montag, bei dem die Kinder verletzt wurden, ereignete sich Augenzeugen zufolge in der Nähe eines Regierungsgebäudes in Laschkar Gah, der Hauptstadt der Provinz Helmand. Der Selbstmordattentäter sprengte sich in der Nähe des Militärkonvois mit ausländischen Soldaten in die Luft, unter denen es aber keine Opfer gab. Zu dem Anschlag bekannte sich niemand.

Weitere Anschläge kosten vier Menschenleben

Helmand gilt aber seit langem als die Hochburg der radikal-islamischen Taliban, die in ihrem Kampf gegen die afghanische Regierung und die ausländischen Truppen häufig auf Selbstmordanschläge sowie auf Bombenanschläge auf Verkehrswege zurückgreifen.

Die Bombe, die den Nato-Soldaten tötete, detonierte in einem Gebiet der südlichen Nachbarprovinz Urusgan. Dort sind vor allem niederländische und australische Soldaten für die Nato im Einsatz. Die Nato äußerte sich nicht zur Nationalität des Todesopfers. Bei dem Anschlag wurde ein weiterer Soldat verletzt.

Kind kommt auf Isaf-Gelände um

In Khost im Osten des Landes kam ein afghanisches Kind auf einem Trainingsgelände der Isaf-Schutztruppe ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Die näheren Umstände des Zwischenfalls waren zunächst nicht bekannt, wie die Nato erklärte.

Angriffe der US-Truppen in der ostafghanischen Provinz Paktika am Sonntag richteten sich gegen Milizionäre des usbekischen Kriegsherrn Tahir Juldasch, der auf der Liste der meistgesuchten Personen in Afghanistan steht. Auf ihn ist ein Kopfgeld von 200.000 Dollar (140.000 Euro) ausgesetzt. Juldasch führt die Islamische Bewegung Usbekistans und ist Kommandeur des Terrornetzwerks al-Qaida.

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(Reuters/dpa/AP)