Mindestens 3.000 Menschen sind in Frankreich der zweiwöchigen Gluthitze zum Opfer gefallen. Die französische Regierung setzte einen Notfallplan für die überfüllten Krankenhäuser in Kraft. In Deutschland brachte Tief Manolito die heiß ersehnte Abkühlung.
Frankreichs Gesundheitsminister Jean-François Mattei sprach von einer Epidemie und einem "menschlichen Drama". Die Kliniken im Großraum Paris können nun Personal zwangsverpflichten und sich auf die Behandlung der Hitzeopfer konzentrieren. Ärzteverbände forderten eine Ausdehnung des Plans auf andere Regionen Frankreichs.
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Das Gesundheitsministerium erklärte, seit gut einer Woche seien in ganz Frankreich schätzungsweise 3.000 Menschen direkt oder indirekt an der Hitze gestorben. Genaue Zahlen sollen nächste Woche vorliegen. Der Präsident des Verbands der Krankenhausnotärzte, Patrick Pelloux, sagte, die Zahl der Hitzetoten werde zwischen 3.000 und 5.000 liegen. "Wir haben es mit einer bislang einmaligen nationalen Katastrophe zu tun", sagte er dem Radio Europe-1.
Premier bricht Urlaub ab
Premierminister Jean-Pierre Raffarin brach am Donnerstag seinen Urlaub ab und setzte einen Notfallplan für die überfüllten Krankenhäuser in Kraft. Die Kliniken können nun Personal zwangsverpflichten und sich auf die Behandlung der Hitzeopfer konzentrieren. Damit erfüllte er eine Forderung von Ärzteverbänden, die der Regierung seit Tagen Tatenlosigkeit vorwarfen.
Die Zeitung Le Parisien berichtete nach einer Umfrage in Kliniken, Sozialstationen und Altenheimen von fast 2.000 Opfern allein in der Hauptstadtregion Ile-de-France. Mattei sagte im staatlichen Rundfunk, die Krise sei nur mit der Situation in Chicago 1995 zu vergleichen, als es in drei Tagen 700 Tote gegeben habe. "Das Massensterben", titelte die Zeitung Libération.
Der seit Mittwochabend für Paris geltende Notfallplan ist eigentlich für Katastrophen mit vielen Verletzten wie Attentaten oder schweren Unfällen gedacht. In der Hauptstadt hilft mittlerweile das Rote Kreuz bei der Versorgung der Kranken, Militärkliniken nehmen Zivilisten auf.
Kühlzelte für Leichen
Die Leichenhallen im Großraum Paris sind seit Tagen überfüllt, das landesweit größte Bestattungsunternehmen PFG errichtete vier Kühlzelte in den Vororten und rief seine Angestellten aus den Ferien zurück. Gerichtsmedizinische Institute stellten ihre Plätze zur Verfügung. Einige Tote liegen mehr als zwei Tage in den Wohnungen, bis sie abgeholt werden, wie der Sprecher der Polizeigewerkschaft SO, Mohammed Douhane, im Radio France-Info berichtete.
Ein Pariser Bestattungsunternehmer sagte Libération, man sei derart überfordert, dass die Beerdigungen kaum noch in der gebotenen Würde ablaufen könnten. Es gebe zahlreiche Ersuche um Sondergenehmigungen, die Verstorbenen mehr als sechs Tage nach ihrem Tod beisetzen zu dürfen. Die Stadtverwaltung erlaubte ausnahmsweise Bestattungen am Feiertag Maria Himmelfahrt.
Waldbrände halten an
In der Schweiz zerstörte der größte Waldbrand seit drei Jahrzehnten in der Nacht zum Donnerstag im Oberwallis eine Fläche von 450 Hektar. Mehr als 250 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Das Feuer wurde vermutlich von einer brennenden Zigarette ausgelöst.
In Portugal stieg die Zahl der Waldbrand-Opfer auf 16. Ein Feuerwehrmann erlag am Mittwochabend schweren Verbrennungen, die er in der vergangenen Woche erlitten hatte. Unterdessen konnte die Feuerwehr dank kühlerer Temperaturen in der Nacht zu Donnerstag die meisten Brände im Hinterland der Algarve unter Kontrolle bringen.
In Deutschland sanken dagegen am Donnerstag fast überall die Temperaturen, lediglich im Südwesten sollte sich die Hitze noch bis Freitag halten. Trotz einem bereits nahenden weiteren Hoch ist aber laut Deutschem Wetterdienst nicht mehr mit Rekordtemperaturen um 40 Grad zu rechnen, aber auch nicht mit ergiebigem Regen. Für Felder, Wälder, Gewässer und Tiere gibt es noch keine Entwarnung.
Im Bodensee erreichte die Wassertemperatur einen neuen Spitzenwert. Laut Seenforschungsinstitut in Langenargen wurden in einem Meter Tiefe in der Mitte des Sees 26,1 Grad gemessen. Das langjährige Mittel der Oberflächentemperatur zwischen 1981 und 2001 war 20,5 Grad.
(sueddeutsche.de/AP)
UN-Tourismusorganisation