Westjordanland Isis soll sich zur Entführung von Talmudschülern bekannt haben

Nach dem Verschwinden dreier junger Talmudschüler aus Israel und den USA im Westjordanland befürchtet die israelische Armee eine Entführung durch militante Palästinenser. Im Internet tauchte jetzt ein Bekennerschreiben der überregionalen Terrororganisation Isis auf.

Drei seit Donnerstag vermisste israelische Jugendliche sind nach Angaben der israelischen Armee von Palästinensern entführt worden. "Wir glauben, dass sie tatsächlich entführt wurden", sagte ein israelischer Militärvertreter am Samstag. Ohne Nennung von Quellen berichtete das Militärradio, es gebe einen "gewissen Fortschritt" bei der Suche nach den Jungen im Westjordanland.

Nach Angaben der Armee wurden die Jugendlichen am Donnerstagabend zuletzt nahe einer Bushaltestelle in der Gegend von Gusch Ezion gesehen. Die jüdische Siedlung liegt südwestlich von Bethlehem im südlichen Teil des Westjordanlands. Laut Medienberichten gehen die drei Jungen auf eine jüdische Talmudschule, einer von ihnen ist demnach US-Bürger. Die drei jüdischen Religionsstudenten im Alter von 17 bis 19 Jahren hatten sich nach Medienberichten am späten Donnerstagabend aus ihrer Jeschiva-Schule im Westjordanland südlich von Jerusalem auf den Heimweg begeben. Sie waren offenbar per Anhalter unterwegs. Die jungen Israelis seien jedoch nie zuhause angekommen. In der Nähe sei später ein ausgebranntes Autowrack gefunden worden.

Soldaten durchsuchten das Gebiet auf der Suche nach den Vermissten. Nach Medienberichten wurden vor allem im Bereich der geteilten Stadt Hebron im südlichen Westjordanland zahlreiche Straßensperren errichtet. In der Stadt seien Häuser durchsucht worden. Die Situation wird durch die jüngsten Spannungen zwischen Israel und der Palästinenserbehörde verschärft. Israel boykottiert die zu Monatsbeginn vereidigte Einheitsregierung von Fatah und Hamas.

Das israelische Militär suchte am Samstag weiter mit einem Großaufgebot nach den Jugendlichen. Der Armeevertreter sagte, auch palästinensische Sicherheitskräfte seien an der Suche beteiligt. "Dutzende Palästinenser" seien festgenommen worden.

Den Angaben zufolge rückten zahlreiche zusätzliche israelische Sicherheitskräfte ins Westjordanland ein, darunter Spezialkräfte und eine Luftlandeeinheit. Auf die Frage, ob die Jungen entführt worden sein könnten, um palästinensische Gefangene freizupressen, sagte der Militärvertreter, die Armee prüfe alle Szenarien. Ein Sprecher der palästinensischen Sicherheitskräfte hatte Berichte über eine Entführung der israelischen Teenager durch Palästinenser am Freitag noch als "verrückt" bezeichnet.

Im Internet tauchte am Samstag ein Bekennerschreiben auf, dessen Echtheit aber zunächst nicht bestätigt werden konnte. Darin bekannte sich ein angeblich im Westjordanland ansässiger palästinensischer Zweig der radikalislamischen Gruppierung Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) (Anmerkung der Redaktion: Teilweise nennt diese Organisation sich auch Islamischer Staat im Irak und in der Levante (Isil)) zu der Entführung. Die überregionale Organisation kämpft derzeit im Irak gegen die Regierung und hat in den vergangenen Tagen mehrere Städte im Norden des Landes erobert.

Zwischen Israel und dem Gazastreifen gab es am Samstag indes neuen Raketenbeschuss. Zunächst traf nach israelischen Armeeangaben eine Rakete aus dem von der radikalen Palästinenserbewegung Hamas kontrollierten Gazastreifen den Süden Israels, ohne Schäden anzurichten. Israel beschoss daraufhin nach Angaben beider Seiten Ziele im Süden des Gazastreifens. Auch hierbei sei niemand verletzt worden.