Westjordanland: Gedenken an Arafat "Es droht eine neue Ära der Gewalt"
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In Ramallah wird dagegen um so festlicher getrauert, aber es wirkt so, als würde die Fatah gerade ihre Paraden in der Sackgasse abhalten - und jeder Weg, der daraus hinausführen könnte, wird störrisch versperrt. Eine Nachfolge-Debatte jedenfalls gilt fast schon als Hochverrat.
Der Jubel in Ramallah gilt auch fünf Jahre nach seinem Tod Jassir Arafat.
(Foto: Foto: Reuters)"Keiner kann Abbas nachfolgen, die Leute würden jeden mit Schuhen bewerfen", sagt Ibrahim Kharishi, Generalsekretär des palästinensischen Parlaments und Mitglied im Revolutionsrat der Fatah. In seinem Büro hängt ein Bild von Abbas neben dem von Arafat, und das soll auch noch lange so bleiben.
Abbas-Gegner werden attackiert
Wer trotzdem versucht, sich in Stellung zu bringen, wird sofort attackiert. Premierminister Salam Fajad hat das zu spüren bekommen auf einer stürmischen Sitzung des Fatah-Revolutionsrates zu Wochenbeginn. Da wurde dem im Ausland mehr als zu Hause geschätzten Wirtschaftsfachmann ein "unblutiger Staatsstreich" gegen Abbas vorgeworfen. Mit Hilfe der USA sowie einigen Europäern und arabischen Staaten wolle er die Macht übernehmen. Für Fajad dürfte sich die Nachfolge-Frage erledigt haben.
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Der 74-jährige Abbas hat keinen Kronprinzen aufgebaut hat, viele fürchten sicher zu Recht einen internen Machtkampf, der die Palästinenser nach außen noch weiter schwächen würde. Andere Aspiranten wie Machmud Dahlan halten sich deshalb zurück - und manche auch gezwungenermaßen. Denn Marwan Barguti, immer wieder als künftiger Führer genannt, sitzt seit 2002 als Drahtzieher der zweiten Intifada in einem israelischen Gefängnis, verurteilt zu fünfmal Lebenslang.
Vor seiner Verhaftung war er Generalsekretär der Fatah im Westjordanland, und er hat stets auch gute Kontakte zur Hamas gepflegt. Sein Name steht auf einer Liste von Gefangenen, deren Freilassung die Hamas im Austausch für den gefangenen israelischen Soldaten Gilad Schalit fordert.
Scheitern wird zur Heldentat
Barguti wird von den Massen verehrt, doch im Augenblick ist er selbst im Palestine Coffee Shop im Zentrum von Ramallah nur zweite Wahl. "Es gibt keinen Besseren als Abu Mazen", sagen sie da und loben ihn als großen Führer wie Arafat. Sein Scheitern wird zur Heldentat umgemünzt. Abbas ist auf dem Weg, zum lebenden Märtyrer des Friedensprozesses verklärt zu werden.
Doch wenn er nicht mehr führen will und ihm keiner folgen darf, dann kann das nur eines bedeuten: Die Palästinenser stürmen ins Chaos. Das scheint ihre ultimative Drohung an Israel und die Welt zu sein. Ibrahim Karishi macht in seinem riesigen Parlamentsbüro eine düstere Prophezeihung. "Es droht eine neue Ära der Gewalt", sagt er, "und das wird nicht nur Palästina, sondern die ganze Region erfassen."
Ein neuer Volksaufstand droht
Wie viele andere auch spricht er von einer dritten Intifada, einem neuen Volksaufstand. "Wenigstens wird die Welt dann unsere Stimme hören", sagt er. Beim Aufmarsch zum Arafat-Gedenken skandiert die Menge schon: "Mit unserem Blut werden wir uns für Abu Mazen opfern."