Es war also kein guter Start für Gregor Gysi. Was folgte, machte es ihm nicht leichter. Den müden Wortwitz der Moderatorin - "Sind wir veropelt worden durch die Regierung?" - durfte nicht er, sondern Rnenate Künast retournieren. Seine diffuse Forderung nach einem Supergremium, das er "Zukunftsfonds" nannte, blieb ohne Resonanz.
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Eine solche Expertenkommission soll statt der Regierung entscheiden, welche Firmen welche Unterstützungsgelder erhalten. Niemand hielt den Vorschlag für diskussionswürdig. Ebenso erging es Gysis rückwärtsgewandter Prophetie, bei Nokia hätte "Belegschaftseigentum" die Abwanderung der Arbeitsplätze nach Rumänien verhindern können.
Und dann griff er zwei Mal zu dem alten rhetorischen Trick, eine Antwort mit dem Satz zu verweigern, "im Kern geht es um eine ganz andere Frage..." Einmal fuhr er fort, "ich komme gerne auf die Schulden zurück", tat es aber dann lieber nicht.
Natürlich ergaben sich spontane Bündnisse. Diese aber werden in der Pubertät immer nur auf Zeit geschlossen. Letztlich geht es um Terraingewinne auf Kosten der anderen.
Nicht zu Unrecht erregten sich die drei gemeinsam, dass sie ausgeschlossen sind vom Duell zwischen Kanzlerin und Kanzlerkandidat am kommenden Sonntag. Eine schnarchlangweilige Versammlung, hieß es unisono, könne das nur werden, ohne sie, ohne die Opposition.
Erfrischend, wenn auch nicht besonders gehaltvoll war der Dreiergipfel allemal. Es gab eine fortgesetzte Liaison zwischen FDP und Grünen in der Sozialpolitik - Ulla Schmidts Gesundheitsfonds sei ein "bürokratisches Monstrum" (Westerwelle), ein "Kropf" (Künast).
Das Steuersystem sei ungerecht, besonders für den Mittelstand und die Angestellten, denn "die Erzieherin ist die wahre Leistungsträgerin" (Künast), "da haben Sie recht" (Westerwelle).
Es gab auch unvermutete poetische Aufschwünge. Die Moderatorin sah "alle Sozialkassen über die rote Uhr laufen". Westerwelle kleidete die Ermahnung zu mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen in ein feuchtes Bild, "gibt's keine Hechte mehr, werden die Karpfen fett und faul".
Am schönsten aber sprach Gysi, und er bezahlte dafür teuer. Nur eine gesamtgesellschaftliche Umverteilung, dichtete er plötzlich, könne für "mehr Gerechtigkeit in unserer Seele" sorgen.
Fingertrommeln und Fingerfuchteln
Ob er fortan über seine Poesie nachsann, ob er sich ärgerte, mit seinem Fingertrommeln und Fingerfuchteln nicht mehr durchzudringen? Auf jeden Fall vollzog sich in den restlichen 18 Minuten der traurige Übergang von der Verwegenheit in den Weltschmerz.
Gysi wollte "nur einen Grundsatz erklären" zum Bundeshaushalt im Unterschied zum Privathaushalt, wurde aber nicht verstanden. Westerwelle scherzte, Künast lachte, Gysi schloss die Augen beim Reden und blickte bitter gen Boden.
Kein Glück war mehr da, kein Gespür, kein Geist. So blieb es bis zum von Maybrit Illner pünktlich angekündigten "Ende der Sendung mitten in der Arbeit".
Es ist nicht leicht, erwachsen zu werden.
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(sueddeutsche.de/odg)
Die Ärzte in München
@eierchen (nachdem Sie meinen Namen auch verhunzen)
Wie gehen Sie dann also ganz konkret gegen Dumpinglöhne in den betreffenden Branchen vor? Kein Geschwurbel von mehr netto, sondern bitte etwas konkreter.
Nein, wir wissen nicht alle, dass die meisten Branchen nicht unter Niedriglöhnen leiden. Das ist nämlich schon wieder falsch.
"Fehlen Ihnen die Argumente?"
Keineswegs, Ihr Tonfall allerdings ließ den Schluss zu, dass Sie sich für etwas besseres hielten. Ich schaue aber jetzt nicht nochmal nach.
Über die 50% des Mittelstandes weiß ich nichts, weder ob es stimmt noch in welchem Zusammenhang dies geäußert wurde. Wir alle wissen im Prinzip, dass die meisten Branchen nicht unter zu niedrigen Löhnen leiden, es muss da angesetzt werden, wo konkret Dumpinglöhne gezahlt werden.
Und wie gesagt, ich halte es für konstruktiver, am netto der Betroffenen. bzw. allen Lohnempfängern zu arbeiten als mit Parolen um sich zu schmeißen, die übers Ziel hinausschießen.
"Und bitte, nennt dieses Schreckens-Troika nicht Jamaika. Die Insel ist zu schön für einen solchen Vergleich."
So? Der Vergleich ist trotzdem richtig.
Schon einmal gefragt wer an solchen Verhaelnissen schuld ist?
Nicht Jamaika.
Vieleicht NY oder Berlin?
Liebster eggs,
ich habe beim Mindestlohn nicht pauschalisiert, sondern darauf hingewiesen, dass auch dieser umstritten ist. Nach Abwägung aller Faktoren ist aber meine bescheidene Meinung, dass ein Mindestlohn nur die Jobs vernichten würde, die in einer funktionierenden VW keinen Platz haben. Exakt nämlich die Jobs, die nur mit staatlicher Hilfe bestehen bleiben.
Sie wollen doch sicher auch, dass Ihre viel zitierten Handwerksbetriebe auch morgen noch Kunden haben? Der Mittelstand leidet übrigens nur zweitrangig unter zu hohen Löhnen. Bürokratisierung und die Förderung von Großkonzernen unter Rot Grün ist dem Mittelstand ein viel größerer Dorn im Auge.
Wie erklären Sie sich, dass mehr als 50 Prozent des Mittelstandes für die Einführung des Mindestlohns sind? Ah, alles verkappte Kommunisten?
Ich habe Sie in meinem Beitrag weder beleidigt, noch auf Ihren IQ verwiesen. Warum haben Sie es nötig, sich auf das Niveau von el poste zu begeben?
Fehlen Ihnen die Argumente?
Und das funktioniert dann an einem Beispiel so:
Westerwelles erster Beitrag:" Hallo, hier spricht Euer lieber Märchenonkel Guido....(Guido nennt seine These, daß die Bekämpfung des Terrors in Anghanistan unsere Sicherheit in Europa garantiert und begründet dies in einer kognitiven Meisterleistung mit den Terroranschlägen von Madrid und London in Europa. Er spricht auch von Afghanistan von einem "staatlichen Ausbildungslager für Terroristen". Der Bürger wird hier offenbar für dumm verkauft. Da wird der Zweck des Krieges mit seinen Folgen begründet und davon abgelenkt, daß die Attentäter des 9/11 in Deutschland agierten, nicht in Afghanistan.)
Jetzt wird die bestellte junge Frau ihre auswendig gelernte Frage die genau auf Guidos wirre These gemünzt ist von Illner zu Wort gebeten. Die Stimme hat also eine angeblich angehende Medizinstudentin (soll wohl das neue Bürgertum von der die Künast halluzinierte repräsentieren) und die darf ihren Märchenonkel von der FDP fragen: "Herr Westerwelle, wenn wir jetzt unsere Truppen aus dem (hihihi, unsere Abiturienten) Afghanistan abziehen würden, würde das unsere Sicherheit in Europa stark gefährden, sagen Sie. Aber welche Bedingungen müssten konkret erfüllt sein, damit unsere Soldaten nach hause könnten?
Einwurf Illner: "Das is ne schlaue Frage" (Ja klar, war ja auch so abgesprochen, gell Frau Illner)
Westerwelle schleimt sich erstmal mit Glückwunsch zum beginnenden Studium ein und fährt fort:"Das ist ja die entscheidende Frage die Sie stellen, was muß in Afghanistan da sein, daß wir - daß ohne daß das Chaos ausbricht, ohne daß die Terroristen wieder das sagen haben, und das wichtigste ist dort, daß wir dort eine sebsttragende Sicherheitsstruktur haben."
Guido darf dann noch auf die Versäumnisse der Regierung hinweisen, das alte Spielchen von Guido.
So funktioniert Manipulation, denn es wird ausgeblendet, daß bereits ja dieses ausgebildete Sicherheitspersonal entweder erschossen, weggebomt wird oder gar zu den Taliban überläuft.
Paging