Werner Mauss "Ich kämpfe gegen Tod und Teufel"

Als die SZ Mauss im März dieses Jahres Dutzende Fragen schickt, geschieht etwas Bemerkenswertes: Der Schattenmann, von dem es bis in die 80er-Jahre nicht einmal ein Foto gab und der Journalisten scheut wie Fledermäuse das Licht, bittet um ein Treffen. In der Kanzlei seines Stuttgarter Anwalts plaudert Mauss über vergangene Zeiten, zeigt Fotos, die ihn und seine Frau mit bewaffneten Guerilleros zeigen, erzählt, wie er Ganovenbanden unterwandert und Halunken reingelegt, den Friedensprozess in Kolumbien vorangebracht und mit der Hisbollah verhandelt habe. "Ich kämpfe gegen Tod und Teufel", sagt er. Was das konkret heißt, wolle er aber nicht sagen. Aus Sicherheitsgründen.

Dann übergibt er ein 44-seitiges Konvolut. Es sind seine Antworten, beziehungsweise die seines Anwalts auf die Fragen der SZ. Mauss habe niemals Polizisten bestochen, heißt es darin, keine Steuern hinterzogen und seine Firmen gegenüber den Finanzbehörden offengelegt. Zu den Tarnnamen ist in dem Dokument zu lesen, Mauss habe im Rahmen seiner Undercover-Einsätze "von den dazu befugten Behörden eine Vielzahl von Tarnausweisen zur Abwehr von Gefahren und für die Unterwanderung krimineller Vereinigungen erhalten".

Mündliche Nachfrage: Auch den Reisepass auf den Namen "Claus Möllner"?

Mauss zuckt, blickt zu seinem Anwalt, verneint.

Er besitze also keinen Reisepass auf den Namen "Claus Möllner"?

Blick zum Anwalt. Kopfschütteln.

Noch einmal: Er besitze also keinen Reisepass auf den Namen "Claus Möllner" und habe auch keinen solchen benutzt? Schließlich befinden sich in den Panama-Papers Kopien solcher Reisepässe, einer davon - zu sehen auf dem Foto unten auf dieser Seite - ist bis heute gültig. Nach ein paar Minuten Bedenkzeit gibt Mauss vage zu verstehen, die Verantwortung für diesen Pass liege nicht bei deutschen Behörden, diese hätten lediglich "maximal unterstützt". Was aber meint er damit? Die genauen Hintergründe lässt Mauss auch auf Nachfrage im Dunkeln. Die Frage, woher Werner Mauss einen aktuellen deutschen Pass auf den Namen Claus Möllner hat, ist politisch brisant. Solche echten Pässe auf falsche Namen sind neben Menschen im Zeugenschutz den Geheimdiensten und V-Leuten vorbehalten. Aber sogar diese müssen die Papiere nach Ende ihrer Tätigkeit in der Regel abgeben. Solche Pässe in den falschen Händen können die ideale Tarnung für Straftaten sein.