Wenig Hilfe am Hindukusch Afghanistan: der Karriere schädlich

Bislang ist der zivile Aufbau in Afghanistan eher missglückt. Schuld daran sind Eifersucht, zu viel Bürokratie und schnödes Profitstreben.

Ein Kommentar von Peter Blechschmidt

Kürzlich kam Bernd Mützelburg mit einer, wie er meinte, guten Nachricht von einer Dienstreise zurück. Der Afghanistan-Beauftragte des Auswärtigen Amtes hatte sich in Istanbul mit Kollegen aus 20 Ländern getroffen, und die Botschaft war: Jetzt machen wir mal Inventur.

Bis heute hat es die EU nicht geschafft, die zugesagten 400 Polizeiausbilder an den Hindukusch zu schicken. Noch dazu gelten in Deutschland Auslandseinsätze bei der Polizei beinahe als karriereschädlich.

(Foto: Foto: AP)

Die Länder, die seit Jahren Milliarden für den Wiederaufbau ins Land am Hindukusch schaufeln, hatten beschlossen, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wer eigentlich was macht und wozu.

Das soll eine gute Nachricht sein? Sie ist es allenfalls in dem Sinne, dass die sogenannten Geberländer endlich gemerkt haben, dass bisher vieles schiefgelaufen ist in Afghanistan. Gewiss, seit langem erkennen die Nato, die Amerikaner, die Briten, die Deutschen, dass der Krieg in Afghanistan mit Waffen nicht zu gewinnen ist. (Krieg? Ja, durchaus. Zwar nicht im völkerrechtlichen Sinne, aber doch im täglichen Erleben der Soldaten.) Letztlich kommt es auf den zivilen Aufbau an.

Doch das Ergebnis der Inventur, wenn es denn irgendwann einmal vorliegen sollte, wird vor allem eine lange Liste von Versäumnissen sein. Sie fängt beim Mangel an internationaler Koordination an und hört bei unzähligen nicht eingehaltenen Versprechungen noch nicht auf.

Dazwischen liegen bürokratisches Versagen, Eifersüchteleien zwischen Regierungsstellen und nichtstaatlichen Organisationen sowie schnödes Profitstreben privater Unternehmen.

Bis heute etwa hat es die Europäische Union nicht geschafft, ihre zugesagten 400 Polizeiausbilder nach Afghanistan zu schicken. Was aber sind 400 Ausbilder in einem Land, in dem jedes Jahr 1300 einheimische Polizisten Opfer von Taliban und Drogenbaronen werden?

Bis heute gibt es keine einheitliche Strategie, nach welchen Kriterien der Aufbau der afghanischen Polizei betrieben werden soll. Dabei ist der gemeinsame Ansatz ja richtig, dass die Afghanen langfristig in die Lage versetzt werden müssen, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen.

Für das Versagen der EU gibt es viele Gründe. Einer davon: Ein Land wie Deutschland kann nicht einfach Ausbilder und Experten wie Soldaten abkommandieren. Außerdem gelten in Deutschland Auslandseinsätze bei der Polizei und in den öffentlichen Verwaltungen geradezu als karriereschädlich.

Auch private Unternehmen sind eher zurückhaltend, wenn Fachleute in einen Hilfseinsatz gehen wollen. Das ist sogar verständlich, wenn man bedenkt, wie kompliziert etwa die notwendige soziale Absicherung bei einem solchen Einsatz ist.

Nun dürfen all diese Probleme nicht den Blick darauf verstellen, dass bereits Erfolge erzielt worden sind. Auch das ernsthafte Engagement der Helfer soll nicht geschmälert werden. Trotzdem kann die Lehre aus der Inventur nur lauten: Alle Beteiligten müssen für das gemeinsame Ziel miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Und diese Kooperation muss sehr viel stringenter werden als bisher. Sonst sind die Opfer der Soldaten in Afghanistan vergebens gewesen.