Der schlimmste Teil der Krise steht erst noch bevor. Der Aktionismus der vergangenen Tage hat nichts bewirkt, das Vertrauen in die Staaten erodiert - und nun drohen die Schuldenprobleme in den USA wie in Europa zu innenpolitischen Kampfplätzen zu werden.
Als am Freitag die Börsenkurse einbrachen, Gerüchte von der bevorstehenden Herabsetzung der amerikanischen Kreditwürdigkeit die Runde machten und der EU-Währungskommissar Olli Rehn die Tölpeleien seines Kommissionspräsidenten Barroso zu entkräften versuchte, da hieß es, dass die deutsche Bundeskanzlerin und der französische Präsident ein Telefonat zu führen gedächten. Ein Telefonat.
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Ein Kapitalmarktexperte am Freitag in der Börse in Frankfurt am Main vor der Anzeigetafel für den DAX-Index: In der Schuldenkrise ignorieren die Marktkräfte die Beteuerungen aus den Regierungszentralen. (© dpa)
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Außerdem sollten die stellvertretenden Finanzminister der G-20-Staaten miteinander reden. Und die G-8-Staaten könnten sich gar treffen, oder zumindest könnten deren stellvertretende Finanzminister telefonieren.
All dieser Telefon-Aktionismus sollte den Eindruck vermitteln, die Politik stemme sich gegen den drohenden Kollaps der Weltwirtschaft - als könne eine Riege von Vize-Ministern Börsenkurse stabilisieren und den Kauf von Staatspapieren schmackhaft machen; als gäbe es eine Wunderwaffe, die etwa im Tresor der Europäischen Zentralbank auf ihren Einsatz wartete. Der Aktionismus bewirkte: nichts.
Die Politik macht inmitten der Schuldenkrise die interessante Erfahrung, dass die freie Marktwirtschaft das tut, was sie schon immer relativ gut getan hat. Sie schaltet und waltet frei. Viele Investoren sind aufmerksame und politisch denkende Menschen, die Ursache und Wirkung einer Wirtschaftskrise verstehen und am Ende egoistisch entscheiden. Sie wollen Geld retten oder möglichst mehr davon haben. Deswegen hören sie von dem Telefonat zwischen Kanzlerin und Präsident, sie hören den EU-Kommissionspräsidenten, sie hören den US-Präsidenten - und stellen fest, dass ihnen diese Politiker wenig helfen können.
Die Macht der Politik scheint erschöpft
In der dritten Woche nach dem mit großem Hurra gefeierten EU-Sondergipfel zu Griechenland scheint die Macht der Politik erschöpft zu sein. Die Entscheidungen der Politik - ob in Europa oder in den USA - haben eine sich beschleunigende Halbwertzeit. Die Marktkräfte nagen unerbittlich weiter und ignorieren die Beteuerungen aus den Regierungszentralen, wonach alles unter Kontrolle und im Zweifel durch Rettungsschirme und Sonderdarlehen abgesichert sei. Inzwischen hat jeder Sparer verstanden, dass die Schuldenlast zu hoch und die Wachstumsaussichten gemessen daran zu niedrig sind. Das scheinbar unerschöpfliche Vertrauen in den Staat als immer solventen Schuldner ist zerstört.
An dieser ernüchternden Feststellung wird sich auch absehbar wenig ändern: Unter dem Druck der Ereignisse wird die Politik nicht zu ungeahnten Kräften finden und etwa eine europäische Transferunion beschließen, in der Deutschland vielleicht seine EU-Wirtschaftsregierung bekommt (dafür aber auch einen hohen Preis entrichten muss). Ebenso wenig ist zu erwarten, dass der US-Kongress über Nacht einem umfassenden Sparpaket und Steuererhöhungen zustimmen wird - beides Voraussetzungen für einen ausgeglichenen Haushalt in den USA.
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Reiseknigge: Türkei
Billionen Euro und Dollar setzen die Politiker gegen die Wirtschaftskrise ein. Der 15. September 2008, der Tag, an dem die Lehman-Bank zusammenbrach, wird den Lauf der Geschichte mehr verändern als der 11. September 2001, als die Türme des World Trade Centers zusammenbrachen. Es fällt mir immer noch unfassbar schwer zu verstehen, wieso die Ideologen der entfesselten Marktwirtschaft, deren Vorgänger schon einmal so eine fürchterliche Katastrophe, also Armut, Elend, Arbeitslosigkeit, letztendlich auch den Weltkrieg mitverursacht haben, in den späten Siebzigern, den 80er, 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder das Sagen haben konnten. Der Mensch hat ein unglaublich kurzes Gedächtnis. Wir Historiker schreiben die Verbrechen und den Wahnsinn der Menschheit auf, wir erinnern an das, was viele Menschen vergessen wollen. Aber fast nichts wird aus der Geschichte gelernt. Das rächt sich nun. In den letzten 30, 40 Jahren wurde eine rationale Analyse des Kapitalismus systematisch verweigert. Wir haben vor allem Theologen des Marktes mit einem kindlichkindischen Glauben, dass der Markt alles von allein regeln wird. Sie verschließen die Augen vor der Wirklichkeit, das macht sie so gefährlich für die Menschheit. In den vergangenen Jahren weigerten sie sich einfach, die Krisen, die sich immer mehr aufbauten, überhaupt wahrzunehmen. Verblendete. Ignoranten. 40 Prozent der Weltbevölkerung leben von einem Dollar am Tag. Das ist doch keine Basis für eine stabile Gesellschaftsordnung. Von wegen Ende der Geschichte. Die Krisen wurden am Rand immer größer und immer dramatischer. Bei uns im Zentrum kamen sie gelegentlich als Börsenkräche an, die bald wieder repariert waren, das Spiel konnte weitergehen. Alles ist möglich. Inflation, Deflation, Hyperinflation. Wie reagieren die Menschen, wenn alle Sicherheiten verschwinden, sie aus ihrem Leben hinausgeworfen, ihre Lebensentwürfe brutal zerstört werden? Meine geschichtliche Erfahrung sagt mir, dass wir uns - ich kann das nicht ausschließen - auf eine Tragödie zubewegen. Es wird Blut fließen, mehr als das, viel Blut, das Leid der Menschen wird zunehmen, auch die Zahl der Flüchtlinge. Und noch etwas möchte ich nicht ausschließen: einen Krieg, der dann zum Weltkrieg werden würde - zwischen den USA und China.
Das Volk setzt sich zusammen aus Unternehmern, Bankern, Priviligierten, Erbmillionären usw. usw. Es handelt sich bei denen aber prozentual um wenige, vielleicht 10%. Für unsere Politiker (Volksvertreter) ist das das Volk. Für die muss man sich uneingeschränkt einsetzen. Aber was ist mit dem großen Rest? Mit den kleinen Mittelständlern, mit den "kleinen" Angestellten, mit den Rentnern, mit den Hartz4ern, mit dem abgehängten Prekariat? Ja, die sind auch wichtig. Da ist Geld zu holen. Weil es soviele davon gibt. Kleinvieh macht eben auch Mist. Die sollen löhnen, damit es dem Volk (ja genau, die ca. 10%) weiter gutgeht. Nun mal ehrlich: Das kann nicht gutgehn. Wir müssen wieder ein Volk werden.
.......rein ins größere Desaster. Wie kann man denn immer noch von DM als Retter der Nation palavern? Das hört sich fast schon so konfus an, wie: Wir wollen unsern Kaiser Wilhelm wieder haben!
Hat sich's denn noch nicht rumgesprochen, was eine eventuelle (?) starke DM bewirken würde?
Da D anscheinend so ein grosser Exporteur ist (was ich von CH noch nicht so oft gehoert habe), sollten da enorme Absatzschwierigkeiten entstehen. Wetten, dass die Industrie dann sofort wieder auf der Matte steht, der Steuerzahler muesse da helfen, es gehe schliesslich um Arbeitsplaetze (an ihre Gewinne denken sie doch immer zuletzt)?
kann es nicht mehr gut gehen, spätestens wenn man den Leuten erzählen muß, daß auch ihre Renten verzoockt oder in die EU geflossen sind hat sich das mit Europa und der ganzen Gleichmacherei, wir haben es alle gewußt nur wir haben still gehalten und hören weiter auf die neoliberalen Dummschwätzer, der Markt wird es schon richten, wer glaubt denn diese Sch…. noch
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