Weltweite Investitionen in die Streitkräfte Finanzkrise stoppt Anstieg der Militärausgaben

Ein elf Jahre andauernder Trend ist gebrochen: Die weltweiten Militärausgaben sind 2011 nur geringfügig gewachsen. Nach Angaben des Stockholmer Forschungsinstituts Sipri haben die USA ihre Rüstungsausgaben gesenkt, auch die Regierungen in Berlin, Paris und London gaben weniger Geld fürs Militär aus. Doch es gibt auch Ausnahmen: China und Russland haben ihre Investitionen in die Streitkräfte im vergangenen Jahr massiv in die Höhe getrieben.

Die Finanzkrise hat im vergangenen Jahr den stetigen Anstieg der weltweiten Militärausgaben gestoppt. Das Stockholmer Institut für Internationale Friedensforschung (Sipri) erklärte am Dienstag, die Militärausgaben hätten im Jahr 2011 um nur 0,3 Prozent zugelegt. Damit sei ein seit elf Jahren anhaltender Trend gestoppt (hier die PDF-Datei).

Mitglieder der Ehrengarde des chinesischen Militärs während einer Begrüßungszeremonie im Jahr 2011 für den damaligen US-amerikanischen Verteidigungsminister Robert Gates.

(Foto: AFP)

Von 2001 bis 2009 hatten die weltweiten Militärausgaben noch jedes Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent zugelegt. 2011 lagen sie nach Sipri-Schätzungen bei rund 1,74 Billionen US-Dollar (1,33 Billionen Euro) weltweit.

"Es ist zu früh, um zu sagen, ob die abflachenden Militärausgaben von 2011 eine langfristige Trendwende darstellen", sagte Sam Perlo-Freeman, Experte für Militärausgaben bei Sipri. Unter dem Druck ihrer Haushaltsdefizite hätten die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und viele andere Länder ihre Ausgaben für das Militär gekürzt. China und Russland haben dagegen die Ausgaben im vergangenen Jahr in die Höhe getrieben.

Russland überholte Großbritannien und Frankreich und rückte mit etwa 72 Milliarden Dollar auf Platz drei der Liste der Länder mit den höchsten Militärausgaben vor. Das entsprach einem Anstieg von 9,3 Prozent im Vergleich zu 2010.

Auch China steigerte seine Militärausgaben um 6,7 Prozent auf rund 143 Milliarden Dollar. Das Land steht damit weiterhin auf Platz zwei. Mit dem Geld seien die Arbeitsbedingungen und Einkommen der Soldaten verbessert, sowie ihre Ausrüstung modernisiert worden. Chinas Technologie bleibe dennoch ein bis zwei Generationen hinter der amerikanischen, hieß es.

Langwierige US-Haushaltsverhandlungen

Die USA stehen mit einem Militärbudget von 711 Milliarden Dollar weiter unangefochten an der Spitze - haben aber erstmals seit 1998 die Ausgaben gesenkt. Sie fielen preisbereinigt um 1,2 Prozent. Als Gründe nannte Sipri sowohl den Truppenabzug aus Irak und den geplanten Abzug aus Afghanistan als auch amerikanische Bemühungen, das Haushaltsloch zu stopfen.

Die USA halten nach diesem Bericht einen Anteil von 41 Prozent an den weltweiten Militärausgaben. Sipri erwartet, dass die US-Ausgaben für die Streitkräfte mit der Truppenreduzierung in Afghanistan und einem im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetz zur Haushaltskontrolle weiter zurückgehen werden.

Deutschland fiel auf der Länderliste auf Platz neun, gehörte aber hinter Großbritannien und Frankreich weiter zur Spitze in Westeuropa. Insgesamt sei der Militärhaushalt Deutschlands um 3,5 Prozent auf geschätzte 46,7 Milliarden Dollar geschrumpft. Auch die von der europäischen Schuldenkrise besonders gezeichneten Länder Griechenland, Spanien, Italien und Irland senkten demnach ihre Ausgaben für das Militär im vergangenen Jahr.

Insgesamt kürzten sechs der Länder mit den höchsten Militärausgaben ihren Militärhaushalt: Deutschland, Frankreich, Brasilien, Indien, Großbritannien und die USA.

Im Nahen Osten seien die Ausgaben insgesamt um geschätzte 4,6 Prozent gestiegen, berichtete Sipri. Aus zahlreichen Ländern, darunter Iran, fehlten aber die Daten.

Auch auf dem afrikanischen Kontinent stiegen die Militärausgaben. Das Plus von 8,6 Prozent sei allerdings den wachsenden Ausgaben in Algerien zuzuschreiben, wo die Regierung aus Angst vor einem Überschwappen der Proteste aus dem benachbarten Libyen das Militärbudget erhöht hatte. Rechnet man Algerien raus, blieben die Militärausgaben in Afrika im Vorjahresvergleich nahezu unverändert.

Bewertet wurden für den Bericht die Regierungsausgaben für das Militär - darunter Gehälter der Truppen, Kosten für Einsätze und ihre Verwaltung, sowie für Waffen und Entwicklung. Im Februar hatten die Stockholmer Forscher bereits Daten über die Geschäfte der 100 führenden Waffenkonzerne veröffentlicht, im März folgte ein Bericht über weltweite Rüstungsexporte.