Gerade durch sein Zögern, durch seine Scham, durch sein "schreiendes Verlangen nach Normalität" ist Ken für Professor Dannecker ein klarer Fall. Letztlich war es auch ein sexualwissenschaftliches Gutachten, das ihm zum Bleiben verhalf. Amnesty International hatte ihm das bezahlt, genau wie den Anwalt und alle Prozesskosten.
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Für die Menschenrechtsorganisation ist Ken kein Einzelfall. Menschenrechtsverletzungen an Schwulen und, deutlich seltener, an Lesben, sind weltweit verbreitet. In Iran wurden laut Amnesty seit 1979 mehr als 4000 Homosexuelle getötet, meistens durch Steinigung.
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf
In Simbabwe erklärte Diktator Robert Mugabe schon 1995: "Ich denke nicht, dass Schwule Rechte haben." In Uganda drucken Zeitungen bis heute Listen mit Adressen von Schwulen. Und als Brasilien 2003 eine Resolution zum Schutz Homosexueller in die UN-Menschenrechtskommission einbrachte, sperrten sich die Länder der Islamischen Konferenz - gestützt vom Vatikan. Eine simple Logik: Homosexualität darf nicht geschützt werden. Denn sie darf nicht sein.
Das mag vielleicht für die Religionen gelten - für den Katholizismus oder für den Islam, der in der Lot-Geschichte erzählt, wie ein Volk vernichtet wird, weil die Männer "sich in Sinneslust mit Männern abgeben". Es gilt aber nicht für die Betroffenen selbst. "Die Gesetze des Körpers kann man nicht unterdrücken", sagt Professor Dannecker. Wer das dauerhaft tut, werde depressiv oder suizidgefährdet. Vor allem, wenn er gelernt habe, dass das Leben eines Schwulen wertlos sei.
Das mit dem Rattengift kann man sich kaum noch vorstellen, wenn man Sanjay heute sieht. Er sieht nicht nur gut aus, er ist schön. Über seine mandelförmigen Augen biegen sich lange Wimpern. Die Brauen sind gezupft, die Krawatte ist rosa.
So balanciert der 32-Jährige auf dem Barhocker in einem Stuttgarter Schwulencafé und denkt laut über die Sache mit dem Selbstmord nach: "Es ist verrückt. Geben wir nicht zu, dass wir schwul sind, töten wir uns selbst. Geben wir es zu, werden wir getötet."
Sanjay hat beides erfahren in seiner Heimat, einem so kleinen Land, dass er es kaum nennen kann, ohne erkannt zu werden. "Erfahren, nicht erlebt", betont er, denn als man seinen Freund eines Morgens fand, war der ja schon halbtot - vergewaltigt mit einer Glasflasche. Und seinen eigenen Suizidversuch überlebte Sanjay nur knapp, mit einer kaputten Leber - eine Folge des Rattengifts, mit dem er eine Depression beenden wollte und sein Leben gleich mit. "Es ist unvorstellbar, wie das brennt", sagt er. Aber er sagt nicht: "Ich würde es nicht wieder tun." Nur, dass er sich nächstes Mal besser verstecken will.
Asyl nur für die Irreversiblen
Auch Sanjay ist für Professor Dannecker ein Eindeutiger, und tatsächlich könnte wohl selbst der beste Schauspieler kaum so überzeugend einen Homosexuellen mimen. Nicht einmal bei der Behörde stellten sie seine Geschichte in Frage: Sanjay ist erst vor drei Monaten nach Deutschland gekommen, aber sein Asylverfahren steht schon kurz vor dem positiven Abschluss - üblich ist dafür mindestens ein Jahr.
Vielleicht ging es bei ihm so schnell, weil er bei der Ankunft gleich alles offenbart hat: alle Geheimnisse, alle Papiere. Vielleicht aber auch, weil Menschen Klischees so mögen und er eben aussieht wie das Klischee. Ein Irreversibler.
Eine Wolke hat sich vor Martin Danneckers Fenster geschoben, es ist dunkler geworden, und wenn er seine Sätze mit der Zigarettenhand unterstreicht, sieht das aus, als würden sich silberne Fäden eines Spinnennetzes um ihn ziehen. Gerade unterstreicht Dannecker jeden seiner Sätze, das Netz wird immer enger - als wollte er das, was er sagt, länger im Raum halten.
Er sagt, dass die Geschichten der homosexuellen Flüchtlinge nicht nur besonders kompliziert sind, weil sie Schreckliches und Traumatisches erzählen. Sondern weil sie Geschichten von Unaussprechlichem sind.Geschichten davon, dass eine Eigenschaft, die einem vorher fast das Leben gekostet hat, plötzlich das Leben retten kann.
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- Homosexualität Bunter Widerstand 20.12.2008
- UN Homosexuelle besser schützen 19.12.2008
- Oppositionsführer in Malaysia Wegen Homosexualität vor den Kadi 07.08.2008
- Neonazis in Tschechien Mobilmachung gegen alles, was stört 06.08.2008
- Homosexuelle in Afrika Schwulsein als Verbrechen 08.01.2009
(SZ vom 16. Januar 2009/bavo)
"Undercover" bei Paketzusteller GLS
PS: Und nur zur Klarstellung: Ich habe keineswegs vor, Schwule mit Vergewaltigern und/oder Pädophilen zu vergleichen... sondern negative *Meinungen* über Homosexualität mit anderen Meinungen. Schwulenskeptiker oder -hasser halten nun einmal Schwulsein oft für unmoralisch, pervers, nicht natürlich, gesellschaftsschädlich usw. - und um sich klarzumachen, was das für diese Menschen bedeutet, ist's eben hilfreich, sich einmal klarzumachen, wie (kompromißlos!) man selbst über Unmoralisches, Perverses usw. denkt.
Fazit: Wer sich nicht in den Gegner hineindenkt, hat's schwer, ihn zu verstehen... und umzustimmen. Wer den Gegner (aus dessen Sicht!) beleidigt, hat eigentlich schon verloren... und wollte vielleicht von vornherein nur sein Ego kitzeln...
@ Lao-C (und Co.?): Keine Ahnung, woher Du Deine simplistische "Psychologie" à la "Wer etwas nicht mag, muß es wohl selbst haben" hast... aber sie läßt sich weder wissenschaftlich noch bei einem offenen Blick in die Welt halten. Wenn sie Dir dabei hilft, Homosexualität zu akzeptieren, prima. Aber diese ewigen Unterstellungen, Schwulenhasser seien doch eigentlich selbst unterdrückte Schwule usw., sind nicht nur Unfug, sie sind auch absolut kontraproduktiv.
Beispiel (Achtung, provokant - bitte zu Ende lesen, bevor Du urteilst!): Vergewaltigst Du gern Kinder? Nein? Wenn Dir nun jemand erklärt, Du vergewaltigtest Kinder "in bestimmten Situationen auch besonders" (oder wünschst es Dir) oder aber Du unterdrücktest Deine eigenen Kinder-Vergewaltigungs-Wünsche "selbst massiv"... wirst Du jetzt Deine Meinung ändern? Immer noch nicht? Und Du hast recht.
Denn jemand, der ein bestimmtes Verhalten abscheulich und unethisch findet, wird bestimmt nicht seine Meinung ändern, wenn man ihm unterstellt, es selbst zu tun oder heimlich zu wollen (sprich: abscheulich oder unethisch zu sein oder sein zu wollen!!). Deswegen sind diese "sind's doch selbst"-Argumente ebenso plump wie die Sandkastenkinder, deren Argumente sich in "selber! selber!" erschöpfen.
Nein. Schwulenhasser (oder auch Schwulenskeptiker) kann man nur überzeugen, wenn man ihnen die Gelegenheit bietet *zu verstehen*: Zu verstehen, daß Schwule völlig normale Menschen sind, weder "eklig" noch "komisch" und schon gar nicht "unmoralisch". Zu verstehen, daß Schwulsein natürlich, z.T. sogar biologisch bedint ist. Zu verstehen, daß ein Umdenken vielleicht ungewohnt und schwierig ist, aber eben keine Bedrohung für sie oder die Gesellschaft.
Wichtig ist dafür zu verstehen... und verstanden zu werden. Wer nur mit dem Finger auf andere zeigt und "selber" ruft, tut der Toleranz einen Bärendienst.
Bei anderen Menschen kann man es oft leichter erkennen:
Wenn sich jemand an besonders lauten Mitmenschen stört, dann ist er entweder jemand, der in bestimmten Situationen auch besonders laut ist - oder jemand, der sein eigenes Lautsein in sich selbst massiv unterdrückt.
Wenn sich jemand an arroganten Mitmenschen stört, ist er jemand, der entweder auf bestimmten Gebieten selbst arrogant auftritt - oder jemand, der seine eigene Arroganz (oder die positive Form von Arroganz, das Selbstbewusstsein) in sich selbst massiv unterdrückt.
Wenn sich jemand besonders an se.xuell anders orientierten Menschen stört, ...
Ich plädiere dafür in den eigenen Spiegel zu schauen und die ganze Fülle des Lebens in sich selbst anzunehmen.
Insbesondere der Beitrag von grxlwpf (heute um 15:28) zeigt doch, wie wichtig es ist, andere auf ihre Art leben und lieben zu lassen - ganz so, wie es ihnen entspricht - und sie vor Verfolgung zu schützen.
Gut, je nach Interpretation haben wir beide auf eine Art recht. Was ich nun mit höherer Toleranz z.B. in buddhistischen Ländern meinte, ist - soweit ich das übersehe - natürlich nicht gleich dem, was ich in vorhergehenden Posts mit einer modernen, konsequenten Gleichberechtigung meinte.
Jenseits der weniger schönen Boulevardschlagzeilen (die lasse man mal außen vor hier) sind buddhistische Länder wie Thailand, Südorea oder Japan schon sehr viel 'grundtoleranter' als die hier besprochenen. In Indonesien gibt es, je nach dem, ganz unterschiedliche Situationen (was man so liest).
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