Weltkulturerbe Aleppo Feuer in einer der ältesten Städte der Welt

Ein Brand verwüstet den größten Basar der islamischen Welt. Der Souk von Aleppo zählt als Herzstück der 5000 Jahre alten syrischen Stadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Er ist Zeugnis der reichen arabischen Vergangenheit - zerstört in Folge der jüngsten Gefechte.

Von Matthias Huber

Es war schon fast zu spät, als die Unesco 1986 die Altstadt von Aleppo in die Liste des Weltkulturerbes aufnahm. Die historische Stadt war den Anforderungen des modernen Straßenverkehrs nicht gewachsen. Der französische Architekt André Gutton zog breite Straßen mitten hindurch. Damit begann die Verslumung der Altstadt von Aleppo. Es hat fast 20 Jahre der Sanierung und Restaurierung benötigt, um all die Wunden, die diese Entwicklung hinterlassen hat, zu heilen. Jetzt ist die Altstadt durch den Bürgerkrieg in Syrien erneut bedroht.

Es seien die schwersten Gefechte seit Wochen, die die Rebellen und die Truppen des Assad-Regimes an diesem Wochenende in Syriens größter Stadt austragen, heißt es. Im mittelalterlichen Stadtschloss Saif al-Daulah, der Zitadelle im Mittelpunkt der Altstadt, haben sich Scharfschützen der Regierungstruppen verschanzt. Das Herzstück Aleppos ist der Markt: der zwölf Kilometer lange und 350 Hektar umfassende überdachte Souk Al-Madina, mit über tausend Geschäften. Auf dem größten Basar der islamischen Welt wurden seit Jahrhunderten Lebensmittel, Stoffe und Gewürze verkauft. Ein Großbrand hat ihn am Wochenende verwüstet.

Aleppo gilt zusammen mit Damaskus als die älteste Stadt der Welt mit kontinuierlicher Besiedlung. Am Ufer des Euphrat, keine 100 Kilometer von Aleppo entfernt, ließen sich vor 9000 Jahren die ersten Nomaden nieder, bauten Häuser, betrieben Landwirtschaft. Sie errichteten die ersten Ortschaften. Es heißt, dass der biblische Abraham selbst hier seine Kuh asch-Schahba gemolken und die Milch an die Armen verteilt haben soll. Halab, der arabische Name der Stadt, entspricht der Vergangenheitsform von "melken" und weist auf diesen Ursprung hin. Seit 5000 Jahren taucht die Stadt unter diesem Namen in den Chroniken auf.

Die Ursprünge Aleppos reichen also weit vor die Ursprünge des Islam, dessen Angehörige heute das Stadtbild beherrschen, zurück. Zeus wurde hier ebenso verehrt wie der altsyrische Gott Baal und sein mesopotamischer Vorgänger Adad. Viele Juden lebten in der Stadt, dann kamen Christen dazu, dann Muslime. In Aleppo liefen die Karawanenstraßen zusammen, die Europa mit Asien verbanden, die Stadt wurde so zur unverzichtbaren Handelsmetropole.

Es sind auch die Spuren dieser reichen historischen Vergangenheit, die jetzt vom Bürgerkrieg bedroht sind. Zahlreiche Marktstände des Souks Al-Madina seien bereits durch Brände zerstört worden, berichten Reporter vor Ort.

Fast 20 Jahre hat die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ/ehemals GTZ) am Projekt "Sanierung und Entwicklung der Altstadt von Aleppo" gearbeitet. Im Rahmen des deutsch-syrischen Schuldenerlasses flossen mehr als zehn Millionen Euro nach Aleppo, mit denen das Trink- und Abwassernetz sowie viele hundert Häuser in Stand gesetzt wurden.

Diese Arbeit wird neu beginnen müssen, wenn der Bürgerkrieg in Syrien einmal ein Ende hat. Vom arabischen Frühling hat man sich erhofft, dass er der Region zu neuer Blüte verhilft. Im Moment aber wirkt er eher wie ein arabischer Herbst, der die Spuren der kulturellen Vergangenheit der arabischen Welt zu vernichten droht.