Mit dem Ruf nach einer langfristigen weltweiten Strategie gegen Aids, neuen Medikamenten und entschiedenerem Handeln hat im kanadischen Toronto die bislang größte Weltaidskonferenz begonnen.
Mit dem Ruf nach einer langfristigen weltweiten Strategie gegen Aids, neuen Medikamenten und entschiedenerem Handeln hat im kanadischen Toronto die bislang größte Weltaidskonferenz begonnen. "Tragischerweise ist das Ende von Aids nirgendwo in Sicht", sagte Peter Piot, Direktor des Aidsbekämpfungsprogramms UNAIDS der Vereinten Nationen, zum Konferenzauftakt am Sonntagabend.
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Im 25. Jahr der globalen Krise gelte es vor allem, die grundlegenden Probleme im Kampf gegen die Krankheit zu beseitigen: Armut, Ausgrenzung, Angst vor Homosexuellen und die Unterdrückung der Frauen. "Es wird Zeit, dass wir ernst damit machen, Menschenrechte zu schützen und zu fördern - und das auch in unseren Budgets berücksichtigen", forderte Piot.
"Aids bedroht die wirtschaftliche und soziale Entwicklung"
Zu dem Treffen sind rund 24.000 Teilnehmer von Hilfs- und Jugendorganisationen, Universitäten, Forschungseinrichtungen, Kirchen und den Vereinten Nationen gekommen. Die Konferenz steht unter dem Motto "Time to deliver" ("Zeit, Versprechen einzulösen"). Unter anderem geht es darum, die seit langer Zeit bekannten Medikamente und Vorbeugungsprogramme in großem Maßstab zu allen Bedürftigen zu bringen, die zu rund 90 Prozent in den armen Ländern leben. Nur jeder Fünfte Bedürftigen in den armen Ländern bekommt etwa die nötigen Pillen.
"Es gibt nichts wichtigeres, als die Mittel und die Aufmerksamkeit auf diese Pandemie zu konzentrieren", sagte Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) dem RBB-Inforadio. "Denn sie bedroht in einer Reihe von Kontinenten nicht nur die menschliche Situation, sondern vor allem auch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung."
Chemische Kondome zum Schutz gegen AIDS
Die Ministerin hatte zu Konferenzauftakt angekündigt, die Bundesregierung wolle ihre Zahlungen im Kampf gegen Aids in den kommenden beiden Jahren um 100 auf jeweils 400 Millionen Euro aufstocken. Der Plan stehe allerdings unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundestages.
Piot forderte die internationale Gemeinschaft unter anderem auf, die Forschungsgelder für unsichtbare chemische Kondome, so genannte Mikrobizide, sofort zu verdoppeln. Mit diesen Wirkstoffen, die etwa als unsichtbares Gel in die Scheide eingeführt werden, sollen Frauen ein Mittel zum Schutz vor dem Aidsvirus bekommen, das sie, wenn nötig, auch unbemerkt anwenden können - etwa, wenn sie einen Mann nicht zum Kondomgebrauch zwingen können.
Beifall für Ehepaar Gates
"Eine Frau sollte niemals die Erlaubnis ihres Partners benötigen, um ihr eigene Leben zu retten", betonte Bill Gates, dessen private Stiftung vor wenigen Tagen 500 Millionen Dollar für den Kampf gegen HIV/Aids zugesagt hatte.
Viele Besucher der Eröffnungsfeier standen applaudierend von ihren Sitzen auf, als Bill und Melinda Gates in die Halle kamen, auch Piot dankte dem Ehepaar ausdrücklich für sein Engagement gegen die Immunschwächekrankheit. Nach Ansicht von Bill Gates wäre ein Mikrobizid "der nächste große Durchbruch im Kampf gegen Aids.
UNAIDS und zahlreiche Demonstranten beklagen, dass die reichen Länder nicht genügend Geld spenden: "Wir haben noch viel zu liefern", sagte Piot. Es reiche nicht, von einem Steuerjahr zum nächsten zu denken. Finanzielle Zusagen müssten über einen Zeitraum von zehn Jahren gemacht werden, damit die Helfer planen könnten: "Das Leben von hunderten Millionen Menschen hängt von der vollen Finanzierung der HIV-Vorbeugung ab", mahnte Piot.
Kanadischer Premier fehlt
40 Millionen Menschen tragen derzeit bereits das Virus im Blut. 4,1 Millionen haben sich allein 2005 neu infiziert, rund 2,8 Millionen sind im vergangenen Jahr gestorben. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Versprechen auch erfüllt werden", sagte Helene Gayle, die Vorsitzende der International Aids Society, dem Organisator der Konferenz. Aids bleibe eine Bedrohung der ganzen Menschheit.
Zahlreiche Gäste der Eröffnungsfeier kritisierten den kanadischen Ministerpräsidenten Stephen Harper, der nicht zu der Feier kam - "Wo ist Harper?"-Rufe klangen durch die Halle.
(dpa)
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