Weltklima Ein Preis für Emissionen

Der Südkoreaner Hoesung Lee, 69, will sich darum kümmern, was die Erkenntnisse der Klimaforschung für Gesundheit, Armut und Arbeitsplätze bedeuten.

(Foto: AP)

Ein Südkoreaner hat sich durchgesetzt: Jetzt will der neue Chef des Weltklimarats andere Anreize zum Umweltschutz setzen.

Von Christopher Schrader, Berlin

Der Weltklimarat IPCC hat den Südkoreaner Hoesung Lee zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der 69-jährige Ökonom ist auf Energiewirtschaft spezialisiert und war einer der stellvertretenden IPCC-Chefs. Er hat sich gegen fünf Gegenkandidaten durchgesetzt: drei Europäer, einen US-Amerikaner und einen Afrikaner. Im letzten Wahlgang erhielt Lee bei der IPCC-Konferenz in Dubrovnik 78 Stimmen, auf seinen Kontrahenten Jean-Pascal van Ypersele entfielen 56 Voten. Lee ist Professor an der Korea University und hat sowohl die Regierungen seines Landes und Großbritanniens als auch Industriefirmen und die asiatische Entwicklungsbank beraten.

Der Südkoreaner setzte sich damit gegen Mitbewerber durch, die eher die physische Seite der Klimaforschung vertreten. Lee hingegen betonte in seiner ersten Pressekonferenz die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte des Themas: Arbeitsplätze, Gesundheit, Zugang zu Energie und Armutsbekämpfung. Er wolle als IPCC-Chef die Aufmerksamkeit für diese Fragen verstärken. Zudem möchte er den Dialog mit Industrie und Finanzsektor fördern.

Schon vor der Tagung in Dubrovnik hatte sich Lee zudem für einen globalen Preis für Kohlenstoff-Emissionen ausgesprochen. "Das ist der Treiber, der uns auf den richtigen Pfad setzt", sagte er der Organisation Carbon Brief. Der IPCC hatte zuletzt im November 2014 betont, und Lee wiederholte dies, man wisse mit 95-prozentiger Sicherheit, dass die Menschheit mit ihren Treibhausgasen, vor allem Kohlendioxid, den Klimawandel auslöse. In der EU existiert beim Emissionshandel bereits ein Kohlenstoffpreis; er liegt aber nach Ansicht von Experten deutlich zu niedrig. Lee hat sich außerdem vorgenommen, die Mitarbeit von Wissenschaftlerinnen sowie Vertretern der Entwicklungsländer im IPCC zu fördern. Ein Zeichen setzte der Weltklimarat bei der Wahl von Lees Stellvertretern am Mittwoch. Es wurden eine Brasilianerin, eine US-Amerikanerin und ein Afrikaner aus Mali berufen. Inhaltlich soll sich der IPCC zudem stärker auf regionale Veränderungen konzentrieren. Denn bisher sind viele Aussagen zum künftigen Klima in einzelnen Regionen wie Mitteleuropa oder Westafrika ungenau, während über das globale Klima mehr bekannt ist.

Dem Weltklimarat steht eine Diskussion über seine Arbeitsweise bevor. Viele Wissenschaftler kritisieren, dass der IPCC nur etwa alle sechs Jahre seine Einschätzung zur Klimaforschung vorlege, dann aber jeweils viele Tausend Seiten. So hat auch Ottmar Edenhofer von der TU Berlin vor Kurzem mit Kollegen im Fachblatt Science vorgeschlagen, mit kürzeren Berichten schneller auf die Bedürfnisse von Politikern einzugehen. Auch er hält eine Fokussierung auf regionale Folgen des Klimawandels und die politischen Rezepte dagegen für nötig. Edenhofer warnt jedoch, viele Regierungen ließen sich ungern von einer Organisation wie dem Weltklimarat bewerten.