Von Von Arne Perras

Im Kampf gegen den weltweiten Hunger setzen die UN auf eine stärkere Nutzung der Biotechnologie. Für die Landwirtschaft der armen Länder könnten diese Techniken "enorme Vorteile" bringen. Skeptiker argumentieren, dass die Risiken kaum abzuschätzen sind.

München - Für die Landwirtschaft der armen Länder könnten diese Techniken "enorme Vorteile" bringen, heißt es im Bericht der Welternährungsorganisation (FAO).

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Die FAO geht davon aus, dass die Bevölkerung in den kommenden 30 Jahren um zwei Milliarden Menschen wachsen wird. Um die Ärmsten künftig besser versorgen zu können, müsse die gesamte Agrarforschung - auch im Bereich der Biotechnologie - erheblich verstärkt werden.

Als ein positives Beispiel hebt die Ernährungsorganisation die Erfahrungen mit dem Anbau einer gegen Insekten resistenten Baumwolle hervor, die in China auch den Kleinbauern erhebliche Vorteile gebracht habe, mit Ertragssteigerungen bis zu 20 Prozent.

Mit ihrem Bericht dürfte die FAO die Debatte über den Nutzen der Biotechnik für arme Länder neu entfachen. Manche Umweltorganisationen betrachten die Förderung der Gentechnik als den falschen Weg. Der Biotechnologie-Experte von Greenpeace in Brüssel, Eric Gall, bezweifelt, dass es "eine technische Lösung für das Hungerproblem in der Welt" geben könne.

Wer voll auf Gentechnik zur Ertragssteigerung im Süden setze, lenke nur ab von den wesentlichsten Problemen der Armut: "Hungerbekämpfung ist vor allem eine Frage des politischen Willens und der ökonomischen Reformen."

Der Einsatz genetisch veränderter Pflanzen sei die "falsche Strategie". Zudem sei es nicht möglich, die Umwelt-Risiken dieser Techniken tatsächlich abzuschätzen. Skeptiker befürchten, dass durch den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen Ökosysteme gestört und wilde Sorten verdrängt werden könnten.

Das von der FAO gelobte Baumwoll-Beispiel aus China dürfe nicht überschätzt werden, sagte Gall. Denn es sei abzusehen, dass Insekten auch gegen diese neue Baumwolle irgendwann Resistenzen entwickelten. Dies sei nur eine Frage der Zeit. Außerdem sind ärmere Länder nach Einschätzung von Greenpeace nicht in der Lage, den Anbau und die Verbreitung gentechnisch veränderter Anbauprodukte zu kontrollieren. Dafür fehlten dort die Kapazitäten.

Auch die FAO räumt in ihrem Report ein, dass sich die Forschung keineswegs einig sei über die möglichen langfristigen Gefahren der Gentechnik für die Umwelt. Dennoch plädiert die UN-Organisation dafür, diese Techniken stärker zu fördern. Die FAO beklagt, dass sich die Biotechnologie bislang viel zu wenig auf solche Pflanzen konzentriert habe, die in armen Ländern besonders häufig konsumiert werden, zum Beispiel bestimmte Hirsesorten.

Auch der Freiburger Zellbiologe Peter Beyer, der den so genannten Goldenen Reis mitentwickelt hat, will "nicht hundertprozentig ausschließen", dass die Pflanze ein Risiko für die Umwelt darstellt. "Aber ich halte die Wahrscheinlichkeit für verschwindend gering." Der gentechnisch veränderte Reis enthält besonders viel beta-Karotin, eine Vorstufe des Vitamin A. Seine Erfinder hoffen, dass er dazu beitragen kann, den weit verbreiteten und oft lebensgefährlichen Vitamin-A-Mangel bei Menschen in ärmeren Regionen zu beseitigen.

Beyer sieht in der Gentechnik ein "wertvolles Instrument", das auch in der Armutsbekämpfung hilfreich sei. "Warum sollte man auf eine Methode verzichten, die es zum Beispiel möglich macht, Pflanzen auf stark salzhaltigen Böden zu kultivieren?" Ohne die Gentechnik, sagt er, sei ein solcher Schritt nicht denkbar.

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(SZ vom 18.5.2004)