Wegen der Querelen um Parteichef Stoiber haben fast 1500 Mitglieder der CSU den Rücken gekehrt. Nun appelliert der scheidende Parteichef an alle "Verärgerten". Bayerns SPD-Chef Stiegler feixt derweil über den Mitgliederschwund.
Edmund Stoiber vernahm die Nachricht mir Sorge: Der Münchner Merkur berichtete, in diesem Jahr seien bereits 1453 Mitglieder aus der CSU ausgetreten - als Reaktion auf die Turbulenzen um Stoibers politische Zukunft zur Jahreswende. Darunter waren den Angaben zufolge sowohl verärgerte Stoiber-Anhänger als auch Stoiber-Kritiker.
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Die einen verließen die Partei, weil der Ministerpräsident und Parteichef zunächst nicht gehen wollte, die anderen, weil er zum Rückzug gezwungen wurde. Die CSU bestätigte inzwischen den Mitgliederschwund.
Edmund Stoiber, Noch-Parteichef und bayerischer Noch-Ministerpräsident, reagierte mit einem Appell: "An alle, die verärgert sind über die Umstände und das Ergebnis von Kreuth, appelliere ich, der CSU jetzt nicht den Rücken zu kehren."
Der bayerische Ministerpräsident fügte hinzu: "Meine ganz herzliche und persönliche Bitte ist: Die CSU als einmalige Gemeinschaft muss beieinander bleiben!" Dies sei "das entscheidende Thema und wichtiger als persönliche Interessen". Stoiber fügte hinzu, die Entscheidung über die künftige CSU-Führung falle erst auf dem Parteitag im September. Daran sollten "alle mitwirken".
Generalsekretär Markus Söder sagte dem Münchner Merkur zu der Causa: "Wir haben viele Briefe bekommen. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie manche in der Partei mit Edmund Stoiber umgegangen sind." Inzwischen gebe es auch in der CSU-Landtagsfraktion viele, die den Sturz Stoibers bei der Klausur in Wildbad Kreuth bedauerten.
Der bayerische SPD-Vorsitzende Ludwig Stiegler sieht in den zahlreichen Austritten aus der CSU ein Zeichen für die schwierige Lage der Partei. "In der CSU rumort es", sagte er. Viele Mitglieder verstünden nicht, warum der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber "durch zwei andere alte Männer eingetauscht" werde.
Der Vizechef der SPD-Bundestagsfraktion fügte hinzu, bei der CSU werde nun "sozusagen die Schweinslederausgabe durch zwei Taschenbuchausgaben ersetzt". Der bayerische Innenminister Günther Beckstein und Wirtschaftsminister Erwin Huber (beide CSU) böten keine neuen Perspektiven.´
Etwa ein Prozent der 166.000 Christsozialen verließen die Partei. Wie viele Menschen im betreffenden Zeitraum in die CSU eintraten, konnte der Pressesprecher auf Anfrage von sueddeutsche.de nicht sagen.
(ddp/dpa)
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Edmund Stoiber ist und war der Garant für eine hervorragende, qualifizierte und fachliche Politik in und für Bayern. Wo Bayern in Deutschland steht ist im Wesentlichen sein Verdienst.
Was bedeutet da schon der eine oder andere Versprecher.
Nun sollen Präsidiumsmitglieder die neue Parteiführung bilden und den Ministerpräsidenten stellen, deren Aussagen und Versprechen nicht einmal die Halbwertzeit einer Woche hatten.
Welch eine Qualität an Führungskraft !!!. Dazu ein Fraktionsvorsitzender der vor Schwäche alle 2 Stunden seine Meinung ändert. Eine Landtagsfraktion, die ihre Pfründe zum größten Teil dem riesigen Wahlerfolg Stoibers zu verdanken hat. Abgeordnete die während der Legislatur nicht in der Lage sind ihre Meinung ordentlich zur Geltung zu bringen. Aber dann in den Medien, da ist die Klappe groß gegen den Vorsitzenden. Vor Ort kamen sie wahrscheinlich aus dem buckeln nicht mehr raus. Welche Qualität !!! Diese neue CSU, mit diesen wiederkandidierenden Abgeordneten, ist bei der nächsten Landtagswahl für mich nicht mehr wählbar, mangels Anstand und mangels Qualität.
Erst stürzen sie ihn vom Thron, dann beklagen sie seinen Fall. Das jämmerliche Bild, das die CSU derzeit abgibt, steht in keinem Verhältnis zu der Geschlossenheit und Führungsstärke früherer Zeiten. Die unappetitliche Hatz auf Gabriele Pauli, die Unbeweglichkeit und Getriebenheit Becksteins und die nur schwer zu verbergenden Flügelkämpfe innerhalb der Stoiberschen Konkursmasse bestätigen das Bild einer zerrissenen, führungslos vor sich hinschlingernden Partei. Im Zuge der Pauli-Affäre wurde zudem das gewaltige Demokratiedefizit der Partei offenkundig. Die Appelle, Wehklagen und zerknirschten Ausflüchte einer sonst vor Selbstgewissheit strotzenden Machtriege hinterlassen bei der Wählerschaft einen denkbar üblen Nachgeschmack. War schon Stoiber kein charismatischer Politiker, wirkt die derzeitige Führungsriege wie das letzte Aufgebot einer in Auflösung befindlichen Herrscherdynastie aus monarchischen Zeiten. Ob die Opposition im Landtag überhaupt begreift, welch einmalige Chance ihr aus der notorischen Schwäche der CSU erwächst? Um sie zu nützen, müsste sie jedoch erst einmal bündnisfähig werden.
Es wäre mal an der Zeit für die SPD wirklich Opposition in Bayern zu machen, anstelle von überflüssigen Analysen des sich selbst zerfleischenden Gegners. Die bayerische SPD sollte Alternativen bieten zu dem überkommenen ein Parteiensystem CSU. Die Aussagen über die beiden älteren Nachfolger Stoibers treffen vielleicht den Punkt, mehr Stimmen werden sie der SPD aber nicht bringen. Die Chance auf einen grundlegenden Umschwung in dem "absolute- Mehrheit-für-die-CSU" Bayern wäre da, aber die braven Buben von der SPD werden die nicht nutzen.
Das ist vor allem traurig für die Demokratie, die noch nie davon Profitiert hat, dass die Macht zu lange in den Händen einiger weniger lag.
Ich als Leser rate allen Mitgliedern der CDU und der CSU:
An alle, die verärgert sind über die Umstände und das Ergebnis von Kreuth, appelliere ich, der CSU und der CDU jetzt den Rücken zu kehren.
Tuen Sie sich selbst und der Welt einen Gefallen.
"Die einen verließen die Partei, weil der Ministerpräsident und Parteichef zunächst nicht gehen wollte, die anderen, weil er zum Rückzug gezwungen wurde."
Vielleicht sind auch viele gegangen, um sich vor Bespitzlungen zu schützen.
Gruß
W.
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