Wissenschaftler als "Sicherheitsrisiko" Moskau verweigert deutschem Russland-Experten die Einreise

Bei der Passkontrolle erwischte es Hans-Henning Schröder: Kaum am Moskauer Flughafen gelandet, wurde der renommierte deutsche Wissenschaftler zunächst auf eine Wache, dann in die Abschiebezelle gebracht - trotz gültigen Visums. Russische Behörden hatten ihn offenbar als "Sicherheitsrisiko" eingestuft. Die Angelegenheit bleibt rätselhaft, Auswärtiges Amt und Kanzleramt haben sich eingeschaltet.

Von Frank Nienhuysen, Moskau

Der deutsche Wissenschaftler Hans-Henning Schröder ist am Mittwochabend trotz eines gültigen Visums an der Einreise nach Russland gehindert worden. Schröder wurde bei der Passkontrolle am Moskauer Flughafen Domodedowo nach eigenen Angaben auf eine Wache und dann in eine Abschiebezelle gebracht. Noch an diesem Donnerstag sollte er mit der ersten Maschine zurück nach Berlin fliegen.

In einem Telefonat mit der Süddeutschen Zeitung sagte Schröder: "Ich hoffe, die deutsche und die russische Seite einigen sich darauf, dass das Ganze ein Missverständnis war."

Eine Begründung für die Einreiseverweigerung sei ihm zunächst nicht genannt worden, sagte Schröder, der seit 2007 Leiter der Sektion Russland/Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin ist. "Ich kann mir das alles nicht erklären", sagte Schröder, "aber das ist ein eigenartiges Signal angesichts der guten deutsch-russischen Beziehungen."

Schröder sollte auf einer zweitägigen Wissenschaftskonferenz zum Thema "Gesellschaftsgeschichte Russlands und Deutschlands seit dem 19. Jahrhundert" auftreten, die vom Deutschen Historischen Institut, der Friedrich-Ebert-Stiftung in Moskau und der Higher School of Economics veranstaltet wird. Letztere ist zugleich die einladende Institution. "Mir ist das völlig unverständlich", sagte Reinhard Krumm, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Moskau, der SZ.

Schröder war in diesem Jahr bereits viermal nach Russland gereist, ohne dass es Probleme gegeben hatte, wie er selber sagte. "Ich habe seitdem nichts anderes geschrieben, gesagt oder getan." Das Visum für seinen jetzt geplanten Moskau- Besuch sei ihm in der vergangenen Woche von der russischen Botschaft in Berlin ausgestellt worden.

Sowohl das Auswärtige Amt wie auch das Bundeskanzleramt wurden eingeschaltet. Eine Sprecherin des Außenamts sagte: "Wir sind auf allen Ebenen bemüht, Herrn Schröder zu unterstützen." Reinhard Krumm von der Friedrich-Ebert-Stiftung sagte, die russische Seite habe angedeutet, Schröder sei unter Hinweis auf ein Sicherheitsrisiko von der Einreise abgehalten worden. Näher erläutern konnte er dies nicht.

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