Wegen Raub und Totschlag Türkisches Gericht eröffnet neuen Prozess gegen Autor Akhanli

Schriftsteller Dogan Akhanli lebt in Köln (Archivfoto vom 07.01.2011)

(Foto: dpa)

Er sieht sich als Spielball türkischer Interessen: Eineinhalb Jahre nachdem der Kölner Autor Dogan Akhanli vom Vorwurf des Raubes und Totschlags freigesprochen wurde, muss er sich nun erneut vor Gericht verantworten. Unterstützung erhält er von der deutschen Politik.

Mehr als eineinhalb Jahre nach seinem Freispruch ist in Istanbul der Revisionsprozess gegen den türkischstämmigen Kölner Autor Dogan Akhanli eröffnet worden. Das Gericht habe einen internationalen Haftbefehl gegen ihn verhängt, sagte Akhanli in Köln. Das habe er von Freunden in der Türkei erfahren. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Der nächste Prozesstag sei am 4. Oktober.

Akhanli war im Oktober 2011 von einem Gericht in der Türkei vom Vorwurf des Raubes und Totschlags freigesprochen worden. Er lebt seit seiner Flucht aus der Türkei im Jahr 1991 in Deutschland und ist deutscher Staatsbürger. Die Wiedereröffnung des Prozesses mache ihn sprachlos, sagte Akhanli. "Ich habe gehofft, dass sie mit diesem Quatsch aufhören. Ich fühle mich wie ein Fußball, der von den Machtgruppen in der Türkei hin- und hergeschossen wird."

Welche Funktion seine neuerliche Verfolgung für einzelne Machtgruppen habe, welche Interessen dahinterstünden, könne er nicht sagen: "Das überfordert mich." Akhanli war vorgeworfen worden, er sei vor mehr als 20 Jahren an einem Raubüberfall auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen.

"Von der politisch motivierten Justiz schikaniert"

Vor Beginn des Prozesses forderte der Journalist Günter Wallraff Unterstützung der Bundesregierung für Akhanli. "Hier wäre unser Außenminister (Guido Westerwelle) gefordert, sich für ihn einzusetzen und zwar auch öffentlich", sagte Wallraff im Deutschlandradio Kultur. Immerhin sei Akhanli deutscher Staatsbürger. Die Aufhebung des Freispruchs, mit dem das erste Verfahren gegen Akhanli 2011 geendet hatte, sei "offensichtlich" politisch motiviert. Akhanli hat sich in seinen Werken unter anderem mit der Verfolgung der Armenier in der Türkei befasst.

Auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir kritisierte, Akhanli werde "durch eine offensichtlich politisch motivierte türkische Justiz schikaniert". Das Verfahren müsse umgehend eingestellt werden, forderte Özdemir. Der Prozess gegen Akhanli sei nur eines von vielen fragwürdigen und politisch motivierten Verfahren gegen Journalisten, Anwälte, Intellektuelle und Studierende in der Türkei. "Ich fordere die Bundesregierung und ihre EU-Partner auf, ein eindeutiges Signal an den EU-Beitrittskandidaten Türkei zu senden, dass das schikanöse Vorgehen der türkischen Staatsanwaltschaft international nicht toleriert wird."

2010 war der Autor an einem Flughafen in Istanbul festgenommen worden, als er in die Türkei einreisen wollte, um seinen todkranken Vater zu besuchen. Er wurde verhaftet und blieb in Untersuchungshaft, bis der Richter am ersten Verhandlungstag entschied, dass Akhanli das Gefängnis verlassen dürfe. Wenige Tage später kehrte er nach Deutschland zurück.