Wegen Beschneidungsgedichts Grüner zieht Kandidatur zurück

Grünen-Landtagskandidat Dunkel reagiert auf die scharfe Kritik an seinem Beschneidungs-Gedicht, in dem er Juden und Muslime als "blinde Fanatiker" beschimpfte. Laut einem Parteikollegen wolle Dunkel bei der Wahl nicht antreten.

Der niedersächsische Grünen-Landtagskandidat Ulf Dunkel zieht Konsequenzen aus der scharfen Kritik an seinem im Internet veröffentlichten Gedicht zur Beschneidung von Jungen. Er wolle im Fall eines Wahlsiegs auf sein Mandat verzichten, sagte Michael Jäger vom Grünen-Kreisverband Cloppenburg der Nachrichtenagentur dpa. Dunkel reagiere damit auf Forderungen des Zentralrats der Juden und des Landesvorstands der Grünen. "Formal ist nichts anderes mehr zu tun", erläuterte Jäger. Da die Wahlzettel schon gedruckt seien und die Briefwahl begonnen habe, könne Dunkel nicht mehr auf seine Kandidatur verzichten. Dunkel selbst war bisher für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Drei Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen war der Kandidat der Grünen wegen abfälliger Bemerkungen über die Beschneidungspraxis bei Juden und Muslimen in Kritik geraten. Der Direktkandidat im Wahlkreis Cloppenburg hatte Juden und Muslime, die an der Beschneidung Neugeborener festhalten, als "Arschlöcher" und "blinde Fanatiker" bezeichnet. Dies sei in einem Gedicht geschehen, das er im Internet verbreitetet habe. In einem anderen Gedicht schrieb er: "Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied."

Zentralrat der Juden reagiert empört

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, reagierte daraufhin empört. "Das Machwerk von Herrn Dunkel strotzt nur so vor hasserfülltem Hochmut gegenüber Juden und Muslimen", sagte er der Süddeutschen Zeitung. "Die Grünen sollten ihren Kandidaten jetzt ganz schnell zurückziehen und scharf zurechtweisen. Mit seiner arroganten und aggressiven Intoleranz ist er so jedenfalls in keiner demokratischen Partei tragbar."