Von Daniel Brössler

500 Euro Hartz IV und zehn Euro Mindestlohn: Nach interner Kritik hat die Linkspartei den Entwurf für ihr Wahlprogramm deutlich verschärft.

Nach massiver Kritik hat die Führung der Linkspartei ihren Programmentwurf für die Bundestagswahl deutlich radikalisiert. In dem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Text wird nun eine Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes auf 500 Euro sowie ein flächendeckender Stundenmindestlohn von zehn Euro gefordert.

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Fraktionsvorsitzender der Linkspartei: Gregor Gysi. (© Foto: ddp)

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In bisherigen Entwürfen war als erster Schritt eine Erhöhung von Hartz IV auf 435 Euro verlangt worden. Beim Mindestlohn lag die Forderung ursprünglich bei mehr als acht Euro mit einer Steigerung "in schnellen Schritten" auf zehn Euro.

"Ein Bundeswahlprogramm ist auf vier Jahre angelegt. Da gehören 500 Euro rein, und auch ein Mindestlohn von zehn Euro", sagte der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, der Zeitung Neues Deutschland. Die zunächst vorsichtigeren Forderungen hatten Unmut in Teilen der Partei ausgelöst.

Nach der massiven Überarbeitung hat der Text, der am Sonntag als Leitantrag vom Vorstand verabschiedet werden soll, vor allem an sprachlicher Schärfe gewonnen. "Dieser Kapitalismus hat eine Kaste von Gemeingefährlichen hervorgebracht. In dieser Gesellschaft gelten Gier, Geiz, Egoismus und Verantwortungslosigkeit als Tugenden", heißt es nun in der Präambel.

In der ursprünglichen Fassung war noch zurückhaltend formuliert worden, der "gegenwärtige Kapitalismus" sei sozial ungerecht. Die Einschränkung auf den "gegenwärtigen" Kapitalismus habe er auch nicht verstanden, stellte Gysi nun klar. Der Text sei jetzt "pointierter". Die Grundlinie sei aber erhalten geblieben, hieß es aus der Parteiführung.

Der Ursprungstext war vom linken Flügel der Partei scharf kritisiert worden. "Der Entwurf leistet keine grundsätzliche Kritik des kapitalistischen Systems, die in diesen Zeiten der schwersten Krise seit 80 Jahren notwendiger denn je ist", heißt es in einer Erklärung von Vertretern mehrerer innerparteilicher Zusammenschlüsse.

Die Überwindung der Krise erfordere "eine andere, demokratische, sozialistische Wirtschaftsordnung, die nicht mehr vom Streben nach maximalem Profit beherrscht wird". Aus der "Antikapitalistischen Linken" in der Partei kam der Vorwurf, der Entwurf enthalte "weichgespülte, dem Mainstream eingepasste" Forderungen. Über das Wahlprogramm entscheidet die Linkspartei endgültig auf einem Parteitag vom 19. bis 21. Juni.

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(SZ vom 09.05.2009/liv)