Wahlkampfspenden für Romney und Obama Milliardenspiel um die Macht

Barack Obama und Mitt Romney vermelden bei den Wahlkampfspenden Rekordeinnahmen, doch sie werden die Millionen in den kommenden Wochen mit vollen Händen wieder ausgeben: In der entscheidenden Phase des Wahlkampfs streiten sie um die wichtigen Wechselwähler-Staaten. Und um die Gunst weiterer wohlhabender Spender.

Die Meldung kam zum passenden Zeitpunkt: Kurz vor dem zweiten TV-Duell der beiden Präsidentschaftsanwärter kann Herausforderer Mitt Romney einen Spendenrekord verbuchen. Nach Angaben seines Wahlkampfteams hat der Republikaner im September mehr als 170 Millionen Dollar (131 Millionen Euro) gesammelt; derzeit verfügen Romney und seine Partei demnach über Barmittel in Höhe von 191 Millionen Dollar.

Das Wahlkampfteam von US-Präsident Barack Obama hatte vor wenigen Tagen erklärt, im September die Rekordsumme von 181 Millionen Dollar erhalten zu haben. Romney lag damit den zweiten Monat in Folge bei den Spendengeldern hinter dem Amtsinhaber. Zuvor hatte der Republikaner drei Monate lang finanziell die Nase vorn gehabt.

Zu den wichtigsten Spendern des Präsidenten gehören Mitarbeiter der University of California (707.000 Dollar im gesamten Wahlkampf), von Microsoft (544.000 Dollar) und Google (526.000). Mitarbeiter von Regierungsbehörden liegen mit einem Gesamtvolumen von 389.000 Dollar auf Rang fünf. Der Präsident setzt bei seiner Strategie stärker auf Kleinstspender, die weniger als 200 Dollar geben. Inzwischen soll deren Anteil aber auch bei den Romney-Geldgebern gewachsen sein, heißt es bei den Republikanern.

Finanz- und Versicherungsindustrie unterstützt Romney

Insgesamt hat der "Romney Victory Fund", in den auch über das Republican National Committee gesammelte Spenden einlaufen, seit seiner Einrichtung im April 375,6 Millionen Dollar gesammelt, alleine 235 Millionen davon in den Monaten Juli bis September. Die Hauptspender kommen allesamt aus dem Bankensegment: 1,3 Millionen Dollar spendeten offiziellen Statistiken zufolge Mitarbeiter von Goldman Sachs, etwa 990.000 Dollar kommen von Angestellten der Investmentfirma Kohlberg Kravis Roberts. JP Morgan Chase liegt mit etwa 828.000 auf Rang drei.

Beide Kandidaten konnten im wohlhabenden Kalifornien am meisten Geld sammeln. Während Obama die meisten zuordenbaren Spenden von Anwälten und Lobbyisten erhielt (etwa 19 Millionen), ist es bei Romney die Finanz- und Versicherungsindustrie, die mit etwa 40 Millionen Dollar am meisten spendete. Allerdings sind diese Zahlen nicht vollständig: Seit einer Entscheidung des Supreme Courts im Jahr 2010 spielen offiziell unabhängige Wählervereine, sogenannte Super-PACs, eine entscheidende Rolle.

Diese Organisationen schalten Anzeigen und starten Kampagnen, dürfen offiziell jedoch keinen Kontakt zu den Kandidaten halten oder Weisungen entgegennehmen. Sie werden häufig von ehemaligen Vertrauten der Kandidaten und bekannten Parteigranden geleitet. Vor allem aber können sie Spenden in beliebiger Höhe annehmen, während direkte Spenden an die Kandidaten auf 2500 Dollar pro Bürger begrenzt sind. Die New York Times hat eine Übersicht dieser Organisationen zusammengestellt, in der auch die großen Spender der beiden bekanntesten Super-PACs genannt werden.

13 Millionen für TV-Spots - in einer Woche

So unterstützten der Casion-Milliardär Sheldon Adelson und seine Frau die Romney-Kampagne indirekt mit zehn Millionen Dollar; Bob J. Perry, ein Immobilienunternehmer aus Texas, gab acht Millionen. Auf Seiten der Demokraten sind zahlreiche Spender mit zwei Millionen Dollar aufgelistet, unter anderem Dreamworks-Chef Jeffrey Katzenberg und Qualcomm-Gründer Irwin Jacobs.

Dass der amerikanische Wahlkampf ein Milliardenrennen ist, zeigen die Gesamtsummen: Demnach haben Obama, die Demokraten und die dem Kandidaten nahestehende Organisationen von Beginn des Wahlkampfs bis Ende September 947 Millionen Dollar gesammelt. Romney kommt nach dieser Berechnung auf 839 Millionen. Beide könnten bis zum Wahlabend die Milliardengrenze überschritten haben.

In den kommenden Wochen dürften die Kandidaten und die entsprechenden Super-PACs vor allem in Bundesstaaten, in denen das Rennen noch nicht entschieden ist, exzessiv Fernseh-Werbezeit kaufen. Alleine in der vergangenen Woche gaben beide Kandidaten um die 13 Millionen Euro für TV-Spots in wichtigen umkämpften Staaten wie Florida, Iowa, Colorado, Ohio und Virginia aus.

Allerdings ist das noch lange nicht alles: Insgesamt könnten die Ausgaben für die Wahlen 2012 Schätzungen zufolge 5,8 Milliarden Dollar erreichen - neben der Präsidentschaftswahl stehen am 6. November auch Wahlen zu Repräsentantenhaus und zahlreichen Senatssitzen an.