Von Nico Fried

Joschka Fischer kehrt aus dem politischen Ruhestand zurück und greift in den Wahlkampf in Hessen ein. Mit Ministerpräsident Roland Koch hat er noch einige Rechnungen offen. Er hofft, einen Beitrag zu Kochs Sturz leisten zu können.

Kein Wahlkampf mehr. Die Ansage Joschka Fischers nach seinem Abschied aus der Politik war unmissverständlich. Zuletzt bekräftigt Anfang November 2007 bei der Vorstellung seines Buches über die rot-grünen Jahre.

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Ex-Außenminister Joschka Fischer kehrt doch in die deutsche Politik zurück - zumindest für den Wahlkampf in Hessen. (© Foto (Archiv): dpa)

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Fischer war mal Atomminister, er kennt sich aus mit Zerfallszeiten - die seiner Aussage war besonders kurz. Wie am Montag bekannt wurde, wird Fischer am 21. Januar auf einer Kundgebung der hessischen Grünen auftreten. "Ich fühle mich fit und wie ein altes Schlachtross - wenn ich die Trompete höre, fange ich an, unruhig zu werden." Der Satz stammt aus der Zeit der Politik-Abstinenz von Oskar Lafontaine. Er könnte auch von Fischer sein.

Denn einem politischen Vieh wie ihm müssen die Fanfaren geradezu in den Ohren dröhnen. Die Umfragen in Hessen, seinem Heimatland, verkünden, was noch vor Wochen niemand für möglich gehalten hätte: Ministerpräsident Roland Koch (CDU) könnte stürzen. Allein das darf als Grund genug für Fischer gelten, sich doch einzumischen.

Gut möglich aber, dass ihm vor allem die Aussicht den Schlaf raubte, die Grünen könnten diese Heldentat zwar mit der SPD, aber tatsächlich ohne ihn, den selbsternannten letzten Live-Rock'n'-Roller der deutschen Politik bewerkstelligen.

Fischer hat mit Koch noch Rechnungen offen

Joschka Fischer gegen Roland Koch - das ist in Hessen ein jahrzehntealtes Duell und zugleich eine Konstellation, aus deren Gegensätzlichkeit beide immer wieder ihren Nutzen zogen. Schon als der Turnschuh-Fischer in Wiesbaden Umweltminister war, hieß sein Gegenspieler Roland Koch.

Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion zerrte Fischer vor zwei Untersuchungsausschüsse zur Atompolitik und profilierte sich so in den eigenen Reihen. Umgekehrt bot Koch, der sich in der Schule gegen die 68er-Lehrer-Generation und später durch die Junge Union nach vorne arbeitete, dem Ex-Revolutionär Fischer, der sich auf seine Erfahrungen im Straßenkampf viel einbildet, Anlass für herablassenden Spott. Einen "politischen Matrosenanzug" nannte Fischer einst den Nachwuchsmann von der CDU.

Die Unterschriftenkampagne gegen das neue Staatsbürgerschaftsrecht, mit der Koch 1999 auf Kosten von Rot-Grün Ministerpräsident wurde, hat Fischer ihm nie verziehen. Bald darauf bot die Schwarzgeld-Affäre Fischer die Gelegenheit, Koch in eine Reihe mit alten hessischen CDU-Vorleuten wie Alfred Dregger zu stellen - nicht nur für die grüne Klientel der Inbegriff national-konservativen Muffs in der CDU. Fischer gegen Koch, das ist seit jeher auch das Duell zweier begabter Politiker, die es nie hinnehmen wollten, dass so was wie der jeweils andere Erfolg haben kann.

Die Nachricht von Fischers Auftritt müsste Koch beunruhigen. Denn ein Kompliment hat der Ministerpräsident dem Grünen mal gemacht: "In der Frage, welche taktische Entscheidung man trifft, da ist er unbestritten in der obersten Klasse des Landes."

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(SZ vom 15.01.2008/maru)