Wahlkampf in Frankreich Merkel kritisiert Sarkozys Sprunghaftigkeit

Erst soll sie ihn im Wahlkampf unterstützen, dann sagt Frankreichs Präsident der deutschen Kanzlerin wieder ab - und das per Radiointerview. Angela Merkel ist verärgert.

Bundeskanzlerin Merkel ist verärgert über das Wahlkampfverhalten des französischen Staatspräsidenten Sarkozy. Nach Informationen des Spiegel hat Sarkozy Merkel in einem Radiointerview von der Kampagne um seine Wiederwahl ausgeladen. "Der Wahlkampf ist Sache der Franzosen", sagte das konservative Staatsoberhaupt dem Sender Europe 1.

Einst ein eingeschworenes Team, nun kriselt es zwischen Kanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Sarkozy.

(Foto: dpa)

Dabei war man sich Anfang des Jahres noch einig: Der französische Präsident bekam Wahlkampfunterstützung durch die deutsche Kanzlerin - "aus historischer Verantwortung und persönlicher Zuneigung", wie die beiden in einem Fernsehinterview kundtaten. Aber Sarkozys Taktik schien nicht aufzugehen. Wie der Spiegel weiter berichtet, habe der Präsident die Richtung geändert, als er seine Umfragewerte trotz des engen Bündnisses mit Merkel nicht anstiegen. Als Merkel davon erfuhr, soll sie vor Vertrauten über die Sprunghaftigkeit des Franzosen geschimpft haben. Am Rande des EU-Gipfels in Brüssel stellte sie Sarkozy schließlich zur Rede und man einigte sich auf zumindest einen gemeinsamen Auftritt, heißt es in dem Bericht weiter.

Gabriel trifft Sarkozys Herausforderer Hollande

Inzwischen soll Merkel dem Vernehmen nach jedoch gar nicht unglücklich sein, wenn sie vor der Wahl nicht mehr nach Frankreich reisen müsste. Sie wolle damit vermeiden, mit Sarkozys jüngsten rechtspopulistischen Äußerungen in Verbindung gebracht zu werden, heißt es im Spiegel. Der Präsident hatte in einer Rede den "Zustrom" von Ausländern kritisiert und gedroht, aus dem Schengen-Abkommen auszutreten.

Mit dieser Anti-Europa-Haltung rief er auch bei anderen EU-Partnern zunehmend Kritik hervor. "Sarkozy hat damit eine rote Linie überschritten", sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. Die Idee, das Schengen-Bündnis aufzukündigen, sei populistisch und antieuropäisch. Es handele sich um "Säbelrasseln in höchster Potenz", so Asselborn.

Nicht nur die Kanzlerin, auch die deutschen Sozialdemokraten sind in den französischen Wahlkampf involviert - und erhoffen sich viel. "Die Wahl von François Hollande wird ein Zeichen der Hoffnung in Europa sein", sagt SPD-Chef Sigmar Gabriel beim Strategietreffen europäischer Sozialdemokraten und Sozialisten in Paris. Eine "andere Dynamik" erwartet sich Gabriel von einem Machtwechsel im Nachbarland. "Was sich verändern wird, ist die Stimmungslage". Zugleich warf Gabriel Präsident Sarkozy und der Bundeskanzlerin eine aufs Sparen fixierte Politik vor, welche die Finanz- und Schuldenkrise zusätzlich verschärfe. Für den Fall eines Sieges hatte Hollande angekündigt, den kürzlich beschlossenen europäischen Fiskalpakt korrigieren zu wollen.

So bekommt François Hollande doch noch Unterstützung aus Deutschland. Merkel hatte ihm Anfang des Jahres noch zugunsten seines Herausforderers Sarkozy einen Empfang verwehrt.