30 Tage vor der Präsidentenswahl geht das McCain-Lager dazu über, Barack Obama zu diffamieren - Obamas Team spricht von Gossenpolitik.

Vor wenigen Tagen hat ein Berater des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers John McCain einen "sehr aggressiven" Wahlkampf angekündigt. Nun folgte die erste verbale Salve, abgeschossen von Sarah Palin.

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Sarah Palin bei ihrem Auftritt in Carson, Kalifornien. (© Foto: AFP)

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Die republikanische Vizepräsidenten-Kandidatin Sarah Palin warf ihm vor, mit Terroristen in Kontakt gestanden zu haben. Obama "sieht Amerika scheinbar als derart mangelhaft an, dass er sich mit Terroristen abgegeben hat, die es auf ihr eigenes Land absehen würden", sagte Palin nach Medienberichten bei einer Wahlkampfveranstaltung am Samstag in Englewood, das im Bundesstaat Colorado liegt. Später äußerte sich Alaskas Gouverneurin ähnlich bei einem Auftritt in im kalifornischen Carson.

Damit greift Palin erstmals indirekt im Internet zirkulierende Emails auf, die behaupten, Obama sei insgeheim ein radikaler Muslim, der den USA feindlich gesinnt sei.

Dabei bezog sie sich auf einen Artikel der New York Times, in dem über die Bekanntschaft Obamas mit Bill Ayers, dem Mitbegründer der Weathermen - einer linken Terrorgruppe, die in den 60er Jahren Anschläge auf US-Regierungsgebäude verübt haben soll - berichtet worden war.

Obama-Lager: Republikaner wollen von Finanzkrise ablenken

In Anspielung auf Vorwürfe hinsichtlich ihrer eigenen Zeitungslektüre sagte Palin: "Ich glaube, es gibt ein großes Interesse daran, was ich lese".

In der Samstagsausgabe der New York Times habe sie nun mit Interesse über "Baracks Freunde aus Chicago" gelesen und dass "einer der frühesten Unterstützer" des schwarzen Präsidentschaftskandidaten ein "einheimischer Terrorist" war. "Das sind dieselben Leute, die glauben, dass Patriotismus das Zahlen höherer Steuern bedeutet", sagte Palin weiter.

Obamas Wahlkampfteam bezeichnete die Äußerungen Palins als "beleidigend" und Gossenpolitik. Dennoch kämen sie nicht überraschend, da Palin und der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain damit offensichtlich von der Finanzkrise ablenken wollten, durch die sie in der Wählergunst deutliche Einbußen erlitten hätten.

"Es ist klar, dass John McCain und Sarah Palin lieber ihre Zeit damit verbringen, Barack Obama abzureißen, als einen Plan zum Aufbau unserer Wirtschaft vorzulegen", sagte Obamas Wahlkampf-Sprecher Hari Sevugan.

Kontakt wegen örtlichen Bildungsprojekten

Zuvor hatte bereits die Washington Post berichtet, dass der Wahlkampfstab McCains aufgrund der negativen Umfragewerte infolge der Finanzkrise dazu übergehen wolle, den Konkurrenten stärker hinsichtlich seines Charakters, seiner Entscheidungen und seiner persönlichen Verbindungen anzugreifen.

Laut New York Times sind Obama und Ayers, die in Chicago im selben Stadtteil gewohnt haben, zwar mehrfach zusammengetroffen. Dabei sei es vor allem um städtische Bildungsprojekte gegangen. Mitte der 90er Jahre organisierte Ayers für den aufstrebenden Politiker Obama Spendenveranstaltungen.

Offensichtlich habe es aber keine engere Beziehung zwischen den beiden gegeben, auch wenn Recherchen darauf hindeuteten, dass der Präsidentschaftskandidat seine Treffen mit dem heute 63-Jährigen "heruntergespielt" habe.

Der schwarze Senator habe auch nie Sympathie für die radikalen Ansichten oder Aktionen Ayers geäußert. Vielmehr habe Obama über ihn gesagt, dass er jemand sei, "der vor 40 Jahren mit abscheulichen Taten zu tun hatte, als ich acht (Jahre alt war)".

Ayers lehrt heute als Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität von Chicago. 1974 waren Vorwürfe wegen Aufruhrs und Verschwörung gegen ihn fallengelassen worden.

Die Distanzierung Obamas wird die Republikaner nicht stören. Sie werden weiter versuchen Obama zu diffamieren, was aus ihrer Sicht auch bitter nötig ist. Denn falls die aktuellen Umfragewerte so bleiben wird es beim Urnengang am 4. November wird John McCain knapp verloren haben.

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(sueddeutsche.de/dpa/Reuters/AP/odg)