Wahlkampf in den USA Obama rekrutiert Wahrheitskämpfer

Der Wahlkampf in den USA wird lang und schmutzig - der US-Präsident rüstet auf. Mit neuen Web-Plattformen wirbt Barack Obama um Freiwillige, die ihr Umfeld gegen die Argumente der Republikaner impfen. Die Konservativen geben sich empört über Obamas "Truth Teams". Sie sprechen von "Propaganda" und demokratischen "Zombies".

Von Sebastian Gierke

Eine Elitetruppe soll es werden, perfekt ausgebildet zum (Wahl-)Kampf: das "Truth Team". Schnell soll es zuschlagen, immer auf der Suche nach Schwachstellen beim Gegner. Eine Einheit, die dort hingeht, wo es weh tut.

Barack Obama rüstet im Wahlkampf auf.

(Foto: AP)

Es ist Barack Obamas Truppe. Mit einer Graswurzelbewegung will der US-Präsident in das Rennen ums Weiße Haus ziehen. Seit wenigen Stunden läuft die Anwerbung dafür in den USA - und gleichzeitig die Ausbildung zum Kämpfer für die Demokraten. Auf freiwilliger Basis, ohne dafür bezahlt zu werden, sollen sich die Menschen für Obama einsetzen, ihn und seine Politik verteidigen und seine Gegner desavouieren.

"Truth Team" steht für Wahrheits-Mannschaft. Die Wahrheit, wie Obama sie sieht. Zu Beginn werden Truth Teams offenbar in 13 sogenannten "swing states" eingesetzt. Also US-Bundestaaten wie Iowa, Ohio, Florida oder Arizona, in denen die Mehrheitsverhältnisse zwischen Demokraten und Republikanern vor den Präsidentschaftswahlen im November nicht eindeutig sind - und in denen deshalb um jede Stimme gerungen wird.

Die Munition, um diese Staaten zu erobern, will die Obama-Kampagne den Freiwilligen auf drei Webseiten bereitstellen, von denen zwei gerade der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Dort sollen sich die Wahlkämpfer mit Informationen und Argumenten versorgen, die sie an der Basis einsetzen können. Im persönlichen Gespräch mit dem Nachbarn genauso wie über soziale Netzwerke im Internet.

Auf KeepingHisWord.org geht es um die Bilanz Obamas, die dort - natürlich - als beinahe makellos dargestellt wird; KeepingGOPHonest.com wirft Schlaglichter auf die politischen Positionen der Republikaner und auf AttackWatch.com, eine Seite, die bereits seit einigen Monaten existiert, geht es vor allem darum, Aussagen der politischen Gegner Obamas auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Hat Mitt Romney zum Beispiel gelogen, als er über Obamas Gesundheitsreform gesprochen hat? Und haben die Öl-Bosse Recht, wenn sie über saubere Energie sprechen?

Nur eine der drei Seiten, KeepingHisWord.org, schlägt positive Töne an, auf den beiden anderen werden Negativ-Kampagnen lanciert, sprich: es wird mit Dreck geworfen. "Wenn die andere Seite eine Kampagne lanciert, basierend auf Falschaussagen, was die Bilanz des Präsidenten betrifft - und ihre eigene Bilanz -, haben wir zwei Möglichkeiten: wir können uns zurücklehnen und diese Lügen unbestritten lassen, oder wir schlagen mit der Wahrheit zurück", sagte eine Wahlkampfmanagerin Obamas zum Start der Kampagne. "Wir schlagen zurück."

Bereits 2008 waren über eine Million Menschen Teil von Obamas "Fight the Smears"-Initiative (bekämpft die Verleumder), die damals einen ähnlichen Ansatz verfolgte. Sie war ein entscheidender Grund für Obamas Wahlsieg. Vor allem durch den Einsatz Sozialer Medien konnte er viele junge Menschen für sich gewinnen. Auf einen ähnlichen Effekt hofft der Präsident auch jetzt - mit der doppelten Anzahl an Unterstützern. Bis zur Democratic National Convention, der Wahlversammlung der Demokraten im Herbst, sollen zwei Millionen Helfer angeworben werden.