Wahlkampf in den USA Hillary Clinton kehrt zurück - und prangert das amerikanische Gesundheitssystem an

Die demokratische Kandidatin ist nach drei Tagen Pause zurück im Wahlkampf. Die Auszeit sei ein Geschenk gewesen, sagt sie. Sie habe Zeit gehabt nachzudenken.

Die Botschaft, die Hillary Clinton mit ihrem jüngsten Auftritt senden wollte, war schon nach wenigen Sekunden klar: Als sie in Greensboro im Bundesstaat North Carolina die Bühne betrat, schallten aus den Lautsprechern die Klänge des Klassikers "I Feel Good" von James Brown. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin hat ihre krankheitsbedingte Pause beendet und ist nach drei Tagen wieder in den Wahlkampf eingestiegen.

Ärztin attestiert: Hillary Clinton ist "gesund und fit" fürs Weiße Haus

Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten versucht, mit mehr Details die Debatte um ihre Fitness zu stoppen. Auch Donald Trump spricht über seine körperliche Verfassung - und über Fast Food. mehr ...

Es sei ein Geschenk gewesen, mal eine Auszeit zu haben, sagte die 68-Jährige. "Selbst ich musste mir eingestehen, dass ein bisschen Ruhe wahrscheinlich mal gut tut." Sie habe die Zeit genutzt, um nachzudenken. "Es hat mir geholfen, mich darauf zu besinnen, worum es bei dieser Kampagne geht."

Ziemlich schnell fand Clinton dann auch einen Weg, um die Debatte über ihre eigene Fitness in ein Wahlkampfthema zu verwandeln, von der Verteidigung in den Angriff überzugehen. Sie nutzte den Auftritt, um die Probleme des amerikanischen Gesundheitssystems anzuprangern. Millionen Amerikaner könnten es sich - anders als sie - nicht leisten, krankheitsbedingt nicht zur Arbeit zu gehen, sagte sie. Viele hätten zudem noch immer keine Krankenversicherung, weil es zu teuer sei.

Das mit dem "Dienst" liege ihr mehr als das mit der "Öffentlichkeit"

Clinton hatte am Wochenende eine 9/11-Gedenkfeier frühzeitig verlassen. Später wurde bekannt, dass bei ihr bereits am Freitag eine Lungenentzündung diagnostiziert worden war. Daraufhin musste sie sich Vorwürfe gefallen lassen, nicht transparent gehandelt zu haben. Auch darauf ging Clinton in ihrer Rede ein: Wenn es um den Dienst an der Öffentlichkeit gehe, dann liege ihr das mit dem "Dienst" wohl mehr als das mit der "Öffentlichkeit", scherzte Clinton.

Das Trump-Lager nährt schon seit Wochen Spekulationen, Clinton sei in Wirklichkeit schwer krank. Um diesen entgegenzutreten, hat die 68-Jährige schließlich ein Attest ihrer Ärztin veröffentlicht, das ihr bescheinigt, gesundheitlich fit für das Präsidentschaftsamt zu sein.

Ihr republikanischer Gegenkandidat Donald Trump gab daraufhin ebenfalls Einblick in seine Gesundheitsakte. Wenig überraschend attestierte sein langjähriger Arzt Harold Bornstein dem 70-Jährigen, in "glänzender körperlicher Verfassung" zu sein. Er rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilogramm bei 1,90 Meter Körpergröße ein bisschen zu dick, heißt es in dem Brief des Arztes, den Trump in die Show eines Fernsehdoktors mitbrachte. Insgesamt sei er aber völlig gesund.

Donald Trump geht zum Arzt - vor laufenden Kameras

Er lässt sich von Amerikas berühmtestem Fernseharzt untersuchen. Lange war über Trumps Gesundheitszustand wenig bekannt. Jetzt gibt es immerhin einen neuen Brief seines Arztes. Von Hubert Wetzel mehr ...

Er nehme ein paar Mittelchen gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt mögliche Gesundheitsprobleme in der Vergangenheit und ist nur ein Ausschnitt aus der Gesundheitsakte. Bornstein, eine schillernde Figur unter New Yorks Medizinern, hatte Trump in einem umstrittenen Brief bereits zuvor attestiert, der republikanische Kandidat wäre der "gesündeste Kandidat, der jemals in das Präsidentenamt gewählt werde". Später räumte Bornstein ein, diesen Brief in nur fünf Minuten geschrieben zu haben, während vor der Praxistür Trump-Vertraute warteten.