Ein Kommentar von Christian Wernicke

Zwölf Monate dauert es noch, bis die Welt erfährt, wer sie von George W. Bush erlösen wird. Bis dahin erträgt Amerika den teuersten und intensivsten Wahlkampf der Geschichte.

Bis zum Wahltag muss Amerika ertragen, was längst über das große Land gekommen ist: den teuersten, ja intensivsten Wahlkampf in der Geschichte.

Senator Hillary Clinton und Senator Barack Obama unterhalten sich während einer Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten an der Drexel University in Philadelphia, Pennsylvania. (© Foto: Reuters)

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Am 4. November 2008, in exakt 368 Tagen, wird mit der Kür des nächsten Präsidenten Geschichte geschrieben. Das verheißen nicht nur jene Aspiranten, die jetzt um die Bürde des mächtigsten weltlichen Postens buhlen.

Das sagt, indirekt zumindest, auch der 43. Amtsinhaber: George W. Bush orakelt, im "Krieg gegen den Terror", im globalen Kampf gegen islamische Fundamentalisten und - sehr konkret - im Ringen gegen Irans Griff nach der Bombe, stehe nicht weniger auf dem Spiel als "der Dritte Weltkrieg".

Der nächste Präsident würde diesen Krieg erklären. Oder verhindern. Oder ihn, schlimmstenfalls, erben.

Es wird ein langes Jahr, das längste Wahljahr der ältesten Demokratie der Welt. Kaum ein Superlativ und keine Übertreibung bleiben der Nation erspart beim Aufmarsch zu diesem Urnengang.

Das Getriebe in Washington ist längst derart überhitzt, dass Politik in der Hauptstadt nicht mehr als Kunst des Kompromisses, sondern nur noch als Kabale und Kampagne inszeniert wird.

Das Volk scheint eher angewidert von all dem Getöse: Nie mussten Präsident wie Parlament, Weißes Haus wie Kongress mit miserableren Sympathiewerten auskommen als in diesen Tagen.

Das Vertrauen der Amerikaner in ihre Parteien ist erschüttert - ausgerechnet jetzt, da Demokraten und Republikaner sich anschicken, über das Land herzufallen und ihre Schlachten um die Macht zu schlagen.

Den Kandidaten fällt es schwer, dieses Unbehagen zu überwinden. Hillary Clinton und Rudy Giuliani, den beiden bisherigen Partei-Favoriten, fehlt das Charisma. Sie sind Taktiker, keine Titanen.

Auch die schillernden Anwärter, der schwarze Senator Barack Obama auf der Linken oder der konservative Südstaatler Fred Thompson auf der Rechten, reißen nicht mit - nicht mehr oder noch nicht. Alle versprechen "den Wandel", doch wirkliche Botschaften, die mehr als nur einen Personalwechsel verheißen, bieten sie nicht.

Und so scheinen sich unterm Strich all die Beschwörungen von Amerikas angeblichem Neuanfang merkwürdig einzuebnen. Schwarz und Weiß mischt sich zu Grau.

Ein Superlativ neutralisiert den anderen. Etwa so: Nie war das Rennen so offen - und doch scheint alles früher denn je ausgemacht. Acht Jahrzehnte ist es her, dass weder ein amtierender Präsident noch dessen Stellvertreter zur Wahl antraten.

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