Hausbesuche, Anrufe, "Microtargeting" - mit welchen Methoden die Demokraten im traditionell konservativen Bundesstaat Indiana gezielt auf jeden einzelnen Wähler zugehen.
Am 4.November wählt Amerika einen neuen Präsidenten. Gewonnen wird die Wahl in einigen wenigen Bundesstaaten, den besonders umkämpften Battleground States. Unsere Korrespondenten bereisen vier von ihnen - Indiana, Virginia, Ohio und Colorado - und suchen jeweils nach den wahlentscheidenden Faktoren.
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Sie hoffen auf einen Präsidenten Obama - und sie kämpfen für ihn. Demokratische Wahlkämpfer in Indiana. (© Foto: Reuters)
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Diesmal wird alles anders. Sagt jedenfalls Judy Goldblatt, eine zierliche Frau mit kurzen rotblonden Haaren, die vor dem Double-8-Foods-Supermarkt allein schon deshalb auffällt, weil ihre Hautfarbe weiß ist.
"Die Wahl wird hier gewonnen", sagt sie und weist mit vage ausholender Geste auf die Umgebung, den vergitterten Supermarkt, die schlaglöchrige vierspurige Straße davor und auf die heruntergekommene Siedlung dahinter mit altersschwachen Holzhäusern, in deren Vorgärten zerlumpte Polstermöbel herumstehen. Die Leute nennen diese fast ausschließlich von Schwarzen bewohnte Gegend von Indianapolis, der Hauptstadt des Bundesstaates Indiana, the hood - das Ghetto.
Obama könnte Indiana zum "swing state" machen Indiana, im Mittleren Westen südöstlich von Chicago gelegen, ist ein konservativer Staat, Teil des rust belt, des sogenannten Rostgürtels zwischen Chicago und New York, den einst die metallverarbeitende Industrie dominierte. Von der ist nur wenig übrig. Indiana ist bei den Präsidentschaftswahlen in den USA stets der Bundesstaat, in dem die Wahllokale landesweit als erste schließen.
Traditionell können hier die Republikaner ihren ersten Wahlsieg des Abends feiern - als gutes Omen für den Wahlausgang in den restlichen 49 Bundesstaaten. Doch diesmal kann es anders kommen: Barack Obamas Demokraten könnten Indiana zum swing state machen, zum Bundesstaat, der die Lager wechselt.
Das liegt an Leuten wie Judy. Die pensionierte 63-jährige Psychologin hat vor dem Double-8-Supermarkt einen Stand aufgebaut. Drei Klappstühle, Sonnenschirm und ein Laptop. Sie ist eine von Tausenden Freiwilligen, die in ganz Indiana Wahlkampf für Obama machen.
Wahlkampf ist ansteckend Hunderte neue Wähler hat sie schon für Obama registriert, 287 waren es am vorigen Wochenende. Mehr als 300 Kirchengemeinden in der Stadt hat sie angeschrieben, Tausende neue Wähler ließen sich daraufhin registrieren. "Wir sind eine Graswurzelorganisation", sagt Obamas Sprecher in Indiana, Jonathan Swain. Obama hätte keine Chance ohne den Enthusiasmus der Helfer wie Judy.
Der ist ansteckend. In Obamas Wahlkampfbüros wie dem an der Broad Ripple Avenue im Norden von Indianapolis geht es zu wie im Taubenschlag: Ständig klingelt das Telefon, fragen Leute, wie sie helfen können, verlangen nach Wahlpostern, die sie in ihren Vorgärten aufstellen wollen. An der Theke des ehemaligen Ladens stehen sie Schlange, die meisten sind Frauen. Lassen sich Telefonlisten mit Namen möglicher Wähler geben, die sie mit ihrem privaten Handy von einem der Hinterzimmer im Wahlkampfbüro aus anrufen.
Es gibt Wein und Snacks, dann telefoniert man die Wählerlisten ab Phonebanking nennen sie das. An den Wänden hängen handgemalte Poster mit Parolen wie "Barack braucht dich!" oder "Großeltern für Obama". Sogar Phonebanking-Partys machen sie: Es gibt Wein und ein paar Snacks, und dann arbeiten die Gäste Telefonlisten ab. Zu so einer Party am Dienstagabend in Plainfield, einem Vorort von Indianapolis, hat ein Konditor aus der Nachbarschaft eine Torte vorbeigebracht, einfach so: Die Glasur obendrauf war dem blau-weiß-roten Emblem der Obama-Kampagne nachempfunden.
Lesen Sie auf Seite 2, wie minuziös der Wahlkampf der Demokraten geplamt wird und um welche Wählergruppen man besonders wirbt.
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