Von Christian Wernicke

Bill Clinton wird zum großen Verlierer im Vorwahlkampf. Er wehrt sich gegen Attacken aus dem Obama-Lager, aber es hilft nichts. Die Amerikaner haben ein negatives Bild von ihm - das auch auf den Wahlkampf von Hillary Clinton abfärbt.

Inzwischen drehen sie ihm aus allem einen Strick. Und sogar aus nichts, also aus Dingen, die er so nie gesagt hat. Oder die er so jedenfalls nicht gemeint hat. Zum Beispiel am Karfreitag, als Bill Clinton vor ein paar hundert Kriegsveteranen in Charlotte/North Carolina sein Loblied auf Amerikas Patriotismus anstimmte.

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Bill und Hillary Clinton: Der ehemalige Strahlemann wird zum Ballast. (© Foto: AP)

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Der Ex-Präsident wirkte müde, klang fast lustlos, wie er da seine Hillary anpries und auch für John McCain, den republikanischen Herausforderer, ein paar warme Worte fand: "Es wäre großartig, wenn wir ein Wahljahr hätten mit zwei Menschen, die dieses Land lieben, sich den Interessen dieses Landes hingeben", säuselte der Gatte der Kandidatin: "Dann könnten sich die Leute fragen, wer die richtigen Lösungen hat für die Probleme - statt all das andere Zeug, das immer reinspielt in unsere Politik."

Es dauerte nur ein paar Stunden, dann war es da - das "andere Zeug", mit dem der Gegner allzeit zurückschlägt. Barack Obama, Hillarys Nemesis im ewigen Vorwahlkampf der Demokraten, überließ die Attacke diesmal einem pensionierten, noch immer sehr schneidigen General.

Der Offizier unterstellte seinem ehemaligen Oberbefehlshaber prompt, er habe Obama "als Vaterlandsverräter" verunglimpft und agiere "wie einst Joseph McCarthy", also wie jener ruchlose US-Senator, der in den fünfziger Jahren eine Hexenjagd auf Kommunisten angezettelt hatte. Weil das Osterwochenende keine anderen Schlagzeilen hergab, wogte das Wortgefecht um Clintons vermeintliche Hetze drei Tage lang hin und her.

Und niemand hegt Mitleid. Schließlich eilt diesem William Jefferson Clinton der Ruf voraus, er könne selbst gehörig austeilen. "Wenn's drauf ankommt, musst du tun, was nötig ist", lautet sein Motto. Als Meister verbaler Spitzfindigkeiten hat er so manchen Widersacher erledigt. Oder sich, da etwa der Skandal um eine Praktikantin namens Monica seine Präsidentschaft bedrohte, mit Wortklaubereien aus der Affäre gezogen. Neu ist nur, dass diese Talente des Mr. Clinton nunmehr seinen eigenen Parteifreunden übel aufstoßen.

Seit Januar, als er im Wahlkampf mit allerlei Zweideutigkeiten über Obama aufwartete und den schwarzen Senator in die rein afro-amerikanische, also letztlich nicht mehrheitsfähige Ecke zu verbannen versuchte, muss sich der 61-Jährige sogar des Verdachts erwehren, er habe zum Vorteil von Hillary "die rassistische Karte" gezogen.

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