Von Arne Perras, Südafrika

Jacob Zuma hat die Weihen des Übervaters Nelson Mandela, und allein das garantiert ihm einen Vorsprung bei den Wahlen an diesem Mittwoch. Dabei gibt es einiges, was gegen ihn spricht.

Besser hätte es für Jacob Zuma nicht laufen können, so kurz vor der Wahl: Zuerst lässt die Staatsanwaltschaft Anfang April die Korruptionsvorwürfe gegen den 67-jährigen Chef des "African National Congress" (ANC) fallen. Damit deckt sie Zumas offene Flanke, die seine Gegner so gerne ausgenutzt hätten. Und dann, am vergangenen Sonntag, zaubert der Kandidat in Johannesburg auch noch seine größte Trumpfkarte hervor.

Jacob Zuma (vorne Mitte)tanzt vor seinem größten Trumpf - Nelson Mandela (hinten Mitte). (© Foto: AFP)

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Niemand hätte gedacht, dass er sie noch ausspielen könnte. Aber sie haben sich alle getäuscht: Nelson Mandela, 90-jähriger Vater der Befreiungsbewegung Südafrikas und das Gewissen der Nation, lässt sich überraschend ins Ellis-Park-Stadion fahren, wo Zuma vor Zehntausenden seine letzte Wahlkampfrede hält.

Mandela, der schon sehr gebrechlich ist, hat noch immer dieses unschlagbare Lächeln, bei dem es jedem warm ums Herz wird. Und vorne, auf seinem gelben ANC-T-Shirt, strahlt kein anderer als: Jacob Zuma.

Da ist sie plötzlich, die magische Brücke zwischen dem Übervater und dem umstrittenen Ziehsohn, die der ANC-Kandidat so dringend gebraucht hat. Mandela trägt Zuma auf der Brust. Das sind die höchsten Weihen, die am Kap für einen Politiker vorstellbar sind.

Mandela, die Ikone der Freiheit, hat ihn als Hüter seines Erbes auserkoren. Und das ist der größte Schatz, den die Südafrikaner nach dem Sieg über die Apartheid 1994 zu verteidigen haben. Gegen diese Botschaft Mandelas ist die Opposition Südafrikas so gut wie machtlos.

23 Millionen Südafrikaner sind aufgerufen, am Mittwoch ihr Stimme abzugeben. Sie wählen den Präsidenten nicht direkt, sondern das Parlament, das anschließend den Staatschef kürt. 26 Parteien treten an, doch nur zwei werden ein kleines Gegengewicht zum ANC aufbauen können.

Zum einen ist dies die Demokratische Allianz (DA), geführt von der Kapstädter Bürgermeisterin Hellen Zille, hinter der viele Weiße stehen, die aber auch Zulauf aus anderen Schichten bekommt, vor allem in ihrer Hochburg Western Cape.

Zum anderen ist es der Congress of the People (Cope), ein Sammelbecken für all diejenigen im ANC, die Zuma an den Rand gedrängt hat. Sie haben sich erst vor wenigen Monaten als neue Partei abgespalten. Doch weder DA noch Cope wirken stark genug, um den ANC ernsthaft ins Straucheln bringen zu können.

Skandale im Nacken

Das Rennen für Zuma ist also schon so gut wie gelaufen. Spannend wird lediglich sein, ob der ANC eine Zweidrittel-Mehrheit erobert oder nicht. Mit ihr könnte er die Verfassung ändern, ein Szenario, vor dem die Opposition heftig warnt.

Schafft der ANC die Zwei-Drittel-Hürde nicht, so dürfte dies unmittelbar auf den Chef zurückfallen. Es würde bedeuten, dass die Wähler mit Zuma, dem so viele Skandale im Nacken sitzen, doch nicht so glücklich sind, wie man im ANC erwartet.

Zuma musste sich 2006 einem Vergewaltigungsprozess stellen, wurde allerdings freigesprochen. Und noch immer hat kein Gericht über die Korruptionsvorwürfe entschieden, die ihn seit Jahren belasten. Zuma ist in einen Skandal um Waffengeschäfte verwickelt, aber vermutlich ist er auch nicht der Einzige, dessen Rolle genauer beleuchtet werden müsste.

Ex-Präsident Thabo Mbeki, der Zuma fallenließ, weil er ihm zu populär geworden war, hat jedenfalls eine Untersuchung des Rüstungsdeals immer blockiert - und so auch Spekulationen über seine eigene Rolle bei den Geschäften befeuert.

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