Ein Kommentar von Michael Frank

Das Charisma des toten Landeshauptmanns wirkt weiter: Dass fast die Hälfte der Kärntner einer Partei am rechten Rand ihre Stimme gibt, lässt Befürchtungen keimen.

Jörg Haider hat noch einmal triumphiert. Seine Diadochen in Kärnten hatten ihren toten Tribunen und Landeshauptmann in den Wahlkampf geschickt wie einstens die Spanier El Cid gegen die Mauren. Seine Partei, das BZÖ, ist als "Liste Jörg Haider" angetreten, weil sie selbst über keine respektablen oder gar strahlende Figuren verfügt. Das monumentale Ansehen des toten Helden scheint seinen Landsleuten Garantie genug, daran weiter Zukunftsperspektiven für das abgewirtschaftete Land im Süden Österreichs wärmen zu lassen.

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Landeshauptmann Gerhard Dörfler und Jörg Haiders Witwe Claudia mit einem Foto des verstorbenen Landeshauptmanns. (© Foto: Reuters)

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Haiders Charisma hat die Kärntner ertragen lassen, dass seine Kraftmeierei der Ökonomie und dem Ansehen des Landes mehr geschadet als genutzt hat. Dass beinahe die Hälfte der Kärntner Wahlbürger einer ausgewiesen rechtsradikalen Gruppe die Stimme gibt, macht sie alle noch nicht selbst zu Rechtsradikalen.

Es lässt aber Befürchtungen keimen, was in Situationen mit hoher emotionaler Aufladung alles möglich ist - auch im angeblich so aufgeklärten Mitteleuropa. Sehnsüchte und Mythen beherrschen das Feld. Verehrung und Anbetung setzen die Regeln parlamentarischer Kontrollregeln außer Kraft. Immerhin steht das übrige Österreich der Kärntner Gefühlswelt ähnlich verwundert gegenüber wie der Rest der Welt.

Die Sozialdemokraten haben in Kärnten wieder heftig verloren, haben in Salzburg nur knapp die Nase vorne behalten können. Es ist offensichtlich, dass Österreichs Parteiengefüge noch lange nicht wieder zu sich selbst gefunden hat. Die Rechte gewinnt noch immer jedes Gefecht. Wohl auch deshalb, weil die anderen sie als allfällige Verbündete nicht verprellen wollen, statt sie als handfeste Gefahr wahr- und ernst zu nehmen.

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(SZ vom 02.03.2009/dmo)