Von Barbara Vorsamer

Zwölf Prozentpunkte weniger hier, acht Prozentpunkte Zuwachs da. Bei der Landtagswahl in Hessen kam es zu großen Wählerwanderungen. Wer wohin wanderte und warum.

Die CDU hat bei der Landtagswahl in Hessen kräftig an Zuspruch verloren. 284.000 Hessen, die noch 2003 für die CDU gestimmt hatten, entschieden sich am Sonntag gegen Koch und die Union. Oder anders ausgedrückt: Die Union verlor ganze zwölf Prozentpunkte. Die Gründe waren vor allem Unzufriedenheit mit der hessischen Bildungs- und Sozialpolitik.

Bild vergrößern

Mit den Themen Bildung und soziale Gerechtigkeit bescherte Andrea Ypsilanti der SPD massive Stimmenzuwächse. (© Foto: dpa)

Anzeige

In Umfragen von Infratest Dimap gab eine Mehrheit von 56 Prozent an, die Wahlentscheidung anhand von Inhalten getroffen zu haben. Die Spitzenkandidaten gaben für 21 Prozent den Ausschlag.

Die meisten Wechselwähler (92.000) musste die CDU an die Sozialdemokraten abgeben, was mit dazu beitrug, dass sich die SPD in Hessen über einen Zuwachs von 7,6 Prozentpunkten freuen kann.

Ein Grund für diese Verschiebung war der Forschungsgruppe Wahlen zufolge, dass die Wähler der Arbeit von Roland Koch und der CDU ein schlechtes Zeugnis ausstellten. Nur 36 Prozent waren mit der Arbeit der Regierung zufrieden, der Ministerpräsident bekam mit 40 Prozent nur wenig mehr Zustimmung.

Mit Andrea Ypsilanti stand dem stark polarisierenden Ministerpräsidenten Koch eine überraschend starke Herausforderin gegenüber. Noch vor einigen Monaten hätte es ihr kaum jemand zugetraut, doch in den Wahltag ging Ypsilanti mit einer positiven Bewertung der Wähler von 1,1 (auf einer Skala von -5 bis +5). Roland Koch kam im Durchschnitt nur auf 0,0.

Ypsilanti sympathischer und glaubwürdiger

Direkt gefragt, wer in Hessen die Regierung leiten solle, sprachen sich 46 Prozent für Ypsilanti und nur 41 Prozent für Koch aus - ein mieses Ergebnis für einen Amtsinhaber. Jeder zweite Wähler fand die SPD-Politikerin glaubwürdiger, zwei von drei fanden sie sympathischer als den Ministerpräsidenten.

Der Erfolg der SPD lag aber vor allem an den Themen, die in diesem Wahlkampf eine Rolle spielten. Zwar bekam die CDU von mehr Befragten eine höhere Kompetenz in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen zugesprochen - aber danach haben die Wähler nicht abgestimmt. Stattdessen war Bildung (wie schon oft in Hessen) das entscheidende Thema, und hier hatte die SPD einen gewaltigen Vorsprung vor der Union. Die Hälfte der Wähler hielt die SPD in Bildungsfragen für kompetenter, nur 28 Prozent die Union, ermittelte Infratest Dimap.

Jugendkriminalität war nicht wichtig

Mit seinem umstrittenen Vorstoß für eine Verschärfung des Jugendstrafrechts konnte Roland Koch bei den Wählern nicht punkten. Zwei von drei Befragten legten ihm seine Äußerungen als reine Wahltaktik aus. 52 Prozent befürworteten seinen Vorstoß, 45 Prozent fanden ihn schlecht. Zur Wahlurne getrieben hat dieses Thema die Menschen nicht, nur 19 Prozent hielten es für ein wichtiges Problem in Hessen.

Soziale Gerechtigkeit hingegen spielte eine wichtige Rolle, 83 Prozent der hessischen Wähler beklagten, dass es in Deutschland eher ungerecht zugehe. Die Gerechtigkeitslücke zu schließen trauten die Wähler aber eher der SPD zu. 77 Prozent der Befragten unterstützten ihre Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn und hielten ihn für ein echtes Anliegen der SPD, nicht nur für ein Wahlkampfthema.

Insgesamt wurde die Hessenwahl klar von landespolitischen Themen bestimmt, für 64 Prozent der Wähler waren diese für die Stimmabgabe maßgeblich.

Lesen Sie weiter, welche Differenzen es zwischen Jungen und Alten, Männern und Frauen gab und wie die unterschiedlichen Berufsgruppen entschieden.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Es ging um Bildung
  2. Es ging um Bildung
Leser empfehlen