Von Reymer Klüver, Washington

John McCain, US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner, lädt die potentiellen Stellvertreter auf seinen Landsitz in Arizona ein. In dieser Atmosphäre will er prüfen, mit wem er gut zurechtkommt.

Mitt Romney chauffierte seine Frau Ann im weißen Ford-Mustang mit schwarzen Rallyestreifen über die Schotterpisten. Im benachbarten Prärienest Jerome wurden John McCain und der junge Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, am vergangenen Samstag beim Lunch gesichtet.

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McCains Kandidat: Bobby Jindal, Gouverneur von Louisiana. (© Foto: Getty Images)

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Es war ein Wochenende der besonderen Art: Es eröffnete die "Veep-Stakes", die Suche des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers John McCain nach einem Kandidaten für den Vize-Präsidentenposten. Mindestens drei potentielle Anwärter hatte er - zusammen mit ihren Ehefrauen - auf seine Hidden Valley Ranch bei Sedona in Arizona gebeten: seinen einstigen Konkurrenten Romney, den alerten Bobby Jindal und Floridas beliebten Gouverneur Charlie Crist.

Alle drei haben sie besondere Eigenschaften, die McCain im Wahlkampf helfen könnten, offenkundige Schwächen auszugleichen. Da wäre vor allem sein Alter. McCain wird im Sommer 72. Er wäre bei Amtsantritt der älteste US-Präsident aller Zeiten. Ein Vize, der deutlich jünger ist, aber in Regierungsgeschäften nicht gänzlich unerfahren, dürfte manchen die Sorge nehmen, was im Falle einer schweren Krankheit oder des plötzlichen Todes des Präsidenten passieren würde.

Geheimtipp Mike Huckabee

Der 51-jährige Crist und Jindal, erst 36 Jahre alt, hätten da große Vorzüge. Jindal, ein Sohn indischer Einwanderer, ließe sich sogar als republikanische Antwort auf Barack Obama aufbauen. Mitt Romney indes brächte seine unbestrittene Kompetenz in Wirtschaftsfragen ein. Die geht McCain ab, wie er selbst eingestanden hat. Gerade in Zeiten ökonomischer Probleme wäre aber mehr wirtschaftlicher Sachverstand ein Plus bei den Wählern. McCain wollte die Kandidaten in lockerer Atmosphäre kennen lernen. Ihm sei es wichtig, so ließ er wissen, dass er menschlich gut mit seinem möglichen Vize zurechtkomme.

Die drei haben sicher gute Chancen. Doch stehen noch mehr Kandidaten auf McCains Liste. Bis zu 20 Namen soll sie umfassen. Wie es heißt, hat er Arthur Culvahouse, einen Washingtoner Rechtsanwalt, der schon Ronald Reagan diente, damit beauftragt, den Auswahlprozess zu lenken. So dürften, wenn die Liste kürzer wird, diskret Nachforschungen nötig werden, ob der Kandidat politische (oder persönliche) Altlasten mit sich herumschleppt, die zum Ballast im Wahlkampf werden könnten.

Auf der Liste dürfte auch noch der Name Joe Lieberman auftauchen, der Demokrat, der die Partei verlassen hat, weil er den Irak-Krieg unterstützt. Er soll am Wochenende ebenfalls auf der Hidden-Valley-Ranch gewesen sein. Tim Pawlenty, republikanischer Gouverneur von Minnesota, war auch geladen. Er konnte aber wegen anderer Verpflichtungen nicht kommen. Auf der Ranch dabei war indes die Milliardärin Meg Whitman, die langjährige Chefin von Ebay. Sie gilt als "dark horse", als Kandidatin, mit der keiner rechnet. Aber warum nicht? Eine Frau, noch dazu mit ausgewiesener ökonomischer Kompetenz, würde McCain im Wahlkampf sicherlich guttun.

Er war nicht auf der Ranch, aber auf der Liste noch immer ganz oben dabei dürfte Mike Huckabee sein. Ihm hat es McCain zu einem nicht geringen Teil zu verdanken, dass er überhaupt der Präsidentschaftskandidat seiner Partei geworden ist. Huckabee hat als Kandidat der christlichen Rechten in den Vorwahlen McCains bitterstem Rivalen Mitt Romney stets so viel Stimmen genommen, dass der nie an McCain vorbeiziehen konnte. Und jetzt könnte Huckabee noch ein zweites Mal entscheidend helfen.

Denn McCain hat ein gewaltiges politisches Problem: die christliche Rechte in seiner Partei. George W. Bush hat sie stets mobilisieren können. Ihre Stimmen haben ihm zweimal den Sieg gesichert. Doch den rechten Evangelikalen war McCain immer verdächtig. Bis heute trauen sie ihm nicht und wollen ihn keineswegs unterstützen.

Nicht wenige vertreten sogar die Auffassung, dass die Präsidentschaft eines - in ihren Augen - Erzliberalen wie Obama sogar so etwas wie eine Prüfung für Amerika darstellen könnte. Eine Prüfung, damit dann 2012 um so sicherer ein wahrer Christ wie Huckabee ins Weiße Haus gewählt wird. Von diesen Gedankenspielen würde sie wohl nur eines wirklich abbringen: ein Vizepräsidentschaftskandidat namens Huckabee.

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(SZ vom 30.05.2008/cag)