Er ist Regierungschef und möchte es auch bleiben: Seit 2010 regiert in Ungarn Viktor Orbán von der nationalkonservativen Fidesz-Partei. Trotz zahlreicher Korruptionsvorwürfe und einer hohen Armutsquote ist der 54-Jährige bei der Bevölkerung beliebt. Zuletzt gab es einige Rückschläge für den Machtpolitiker. Ende Februar gewann ein Oppositionsbündnis sensationell in einer Fidesz-Hochburg in Südungarn. Linke und Grüne hatten sich dort sogar mit der ehemals rechtsextremen Jobbik-Partei zusammen getan, um Orbáns Partei zu schlagen.

Landesweit liegt Fidesz in Umfragen bei knapp 50 Prozent; Meinungsforscher schätzen die Zahl der Parlamentssitze zwischen 112 und 123 (von 199). Orbán, der bereits zwischen 1998 und 2002 das Land regierte, versteht es, bei seinen Unterstützern inneren Zusammenhalt über vermeintliche äußere Bedrohungen zu erzeugen. "Die Flüchtlinge" und "die Spekulanten" (damit ist Investor George Soros gemeint), stellt der Premier als Feindbilder des ungarischen Volks dar - und sich selbst als Verteidiger des "christlichen Europas" und von "konservativen Werten".

Politische Inhalte spielten dagegen eine geringere Rolle. Dass der Ministerpräsident auf eine vierte Amtszeit hoffen kann, liegt auch am Wahlrecht, das große Parteien bevorzugt - und das Fidesz zum eigenen Vorteil umgebaut hat. Für Milan Nič von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik steht fest: "Dass die Opposition so schwach und zersplittert zeige, wie sehr Orbán den Staat zum Machterhalt umgebaut hat." Der Analyst geht aber davon aus, dass sich am Sonntag erste Risse im Orbán-System zeigen werden.

Bild: REUTERS 6. April 2018, 17:312018-04-06 17:31:43 © SZ.de/liv