Tschechiens Wahlsieger Zeman Mann der groben Sprüche zieht in die Burg

Milos Zeman bei einer Pressekonferenz nach dem Sieg

(Foto: AFP)

Die Präsidentenwahl in Tschechien ist nach zwei Wochen leidenschaftlicher Auseinandersetzungen überraschend eindeutig entschieden worden. Milos Zeman heißt das neue Staatsoberhaupt. Nun zieht ein Mann in die Prager Burg, der sicher noch für manche Überraschung sorgen wird.

Von Klaus Brill, Prag

Der Wahlgang hatte für Karel Schwarzenberg schon schlecht angefangen. Als der tschechische Außenminister am Freitagnachmittag an seinem Wohnort Sykorice in Mittelböhmen seine Stimme abgab, da stürzte ihn der Andrang der Reporter offenbar in eine gewisse Unruhe und Nervosität. Aus Versehen steckte er den Stimmzettel in die Urne, ohne ihn zuvor in einen Umschlag zu tun, wie vorgeschrieben. Die Blitzlichter zuckten, und hinterher war allen klar: die Stimme ist ungültig. "Es wäre schlimmer, wenn ich mir ein Bein gebrochen hätte", scherzte Schwarzenberg, um sich über die Situation hinwegzuretten. Und setzte hinzu, "es wäre blöd", wenn er die Präsidentschaftswahl gegen seinen Konkurrenten Milos Zeman um nur eine Stimme verlieren würde.

24 Stunden später, nachdem die Wahl am Samstagmittag um 14 Uhr beendet war, zeigte sich: an dieser einen Stimme ist er nicht gescheitert. Vielmehr lag der liberal-konservative Adlige um etwa 500.000 Stimmen hinter dem Linkspopulisten und früheren Ministerpräsidenten Zeman zurück. Die Präsidentenwahl in Tschechien ist damit nach zwei Wochen leidenschaftlicher und stark persönlich gefärbter Auseinandersetzungen überraschend eindeutig entschieden worden.

Schon zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale war klar: als Präsident wird auf der Prager Burg in den nächsten fünf Jahren ein Mann residieren, der sicher noch für manche Überraschung sorgen wird. Ein Rentner, der neben Vaclav Havel und Vaclav Klaus gewiss zu den drei Schwergewichten der postkommunistischen Übergangsperiode in Tschechien zählt, ist nach zehn Jahren Pause aus der Provinz in die große Politik zurückgekehrt.

Grobe Sprüche und unberechenbare Manöver

Milos Zeman ist berüchtigt für grobe Sprüche und unberechenbare Manöver. 2002 zum Beispiel, als sozialdemokratischer Ministerpräsident, bezeichnete er die Sudetendeutschen als "fünfte Kolonne Adolf Hitlers" und verärgerte damit den damaligen deutschen Kanzler Gerhard Schröder so sehr, dass dieser eine geplante Reise nach Prag absagte. Vor zwei Jahren fiel Zeman auf einer Konferenz in Prag durch wüste Tiraden gegen den Islam auf. "Der Feind ist die Anti-Zivilisation, die sich ausbreitet von Nordafrika bis Indonesien", sagte er.

Mit seinem Namen verbinden die Tschechen auch die Zeit des so genannten Oppositionsvertrages von 1998 bis 2002. Zeman führte damals eine sozialdemokratische Minderheitsregierung, die durch einen Tolerierungspakt mit der in Opposition stehenden Demokratischen Bürgerpartei (ODS) vier Jahre relativ ungestört regierte.