Wahl in Pakistan Ex-Premier Sharif steht vor Rückkehr als Premier

Wahl in Pakistan: Ex-Regierungschef Nawaz Sharif vor seinen Anhängern

(Foto: AFP)

Bei den Parlamentswahlen in Pakistan zeichnet sich ein deutlicher Sieg der Partei Muslimliga des früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif ab. Nach vorläufigen inoffiziellen Ergebnissen gewinnt sie haushoch. Cricket-Legende Imran Khan hat ein Direktmandat gewonnen - seine Partei könnte zweitstärkste Kraft werden.

Zweimal war Nawaz Sharif bereits Regierungschef Pakistans, bald könnte er die Atommacht zum dritten Mal regieren: Bei der Parlamentswahl in Pakistan hat die Mitte-Rechts-Partei von Sharif Medienberichten zufolge in fast allen Wahlkreisen ein Erdrutschsieg erzielt. Eine absolute Mehrheit dürfte die konservative Partei aber verfehlt haben. Die Ergebnisse wurden von Fernsehsendern erhoben und sind nicht offiziell.

Die Pakistanische Muslimliga (PML-N) erhielt nach den Berichten der TV-Sender 125 der insgesamt 272 direkt zu vergebenden Sitze. Für eine absolute Mehrheit benötigt die Muslimliga mindestens 137 Mandate.

Sharif hatte sich nach Schließung der Wahllokale zum Sieger der Abstimmung ausgerufen und an die anderen Parteien appelliert, "die Probleme des Landes gemeinsam zu lösen". Die Pakistanische Gerechtigkeitsbewegung (PTI) des ehemaligen Cricketstars Imran Khan kam den Vorhersagen zufolge mit 32 gewonnenen Mandaten auf den zweiten Platz, gefolgt von der bislang regierenden Volkspartei (PPP), die mit 31 Sitzen angesichts ihrer mäßigen Regierungsbilanz eine Niederlage einstecken musste.

Der Stahlunternehmer Sharif stammt aus der wohlhabenden und bevölkerungsreichen Provinz Punjab und gilt als religiös-konservativ. Wirtschaftspolitisch verfolgt er einen marktwirtschaftlichen Kurs. Es wird erwartet, dass er versuchen wird, mit Privatisierungen und Deregulierungen für neue Wachstumsimpulse zu sorgen. Sharif verlangt ein Ende des Einsatzes von US-Drohnen im Kampf gegen Extremisten und dürfte den Dialog mit den pakistanischen Taliban suchen.

Hohe Wahlbeteiligung trotz Anschlägen

In diesem Jahr wird zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit 1947 eine Regierung nach dem Ende ihrer Amtszeit durch eine gewählte Nachfolgerin abgelöst. Rund 86 Millionen Menschen waren am Samstag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Abstimmung wurde wie bereits der Wahlkampf von Gewalt überschattet. Am Wahltag wurden mindestens 29 Menschen bei Anschlägen und Angriffen getötet, mehr als 90 wurden verletzt. Über 620.000 Polizisten, Paramilitärs und Soldaten waren zum Schutz der Abstimmung eingesetzt.

Trotz Terrordrohungen der Taliban lag die Wahlbeteiligung am Samstag nach Angaben der Wahlkommission bei etwa 60 Prozent, was zu den besten Werten in der Geschichte Pakistans gehört. 2008 hatte sie bei 43,7 Prozent gelegen.

Nach Angaben des EU-Chefwahlbeobachters vor Ort verlief die Abstimmung zumindest in der Hauptstadt Islamabad ruhig. Eine genauere Bewertung folge am Montagnachmittag, bislang könne sein 120-köpfiges Beobachterteam aber nur "kleinere organisatorische Defizite" melden, sagte der CDU-Europaabgeordnete Michael Gahler in einem Telefonat aus Islamabad der Nachrichtenagentur AFP. Der starke Andrang an den Wahlurnen zeige, dass "die Drohungen der Extremisten" keine Wirkung entfaltet hätten.