Wahl in Österreich Hofers Anhänger - jung, männlich, ängstlich

  • Die Wahlanalyse gibt einen klaren Überblick über die Wähler des FPÖ-Kandidaten Hofer und des Unabhängigen Van der Bellen.
  • Van der Bellen wählten offenbar vor allem junge Frauen. Viele seiner Unterstützer verfügen mindestens über ein Abitur.
  • Bei der Wahl ging es vielen Menschen vor allem darum, ein politisches Signal zu setzen.
Von Katharina Brunner und Antonie Rietzschel

Noch ist die Bundespräsidentenwahl in Österreich nicht entschieden. Gleichzeitig lässt sich über die Wähler der jeweiligen Kandidaten bereits einiges sagen. Das Institut für Strategieanalysen (ISA) und das Institute for Social Research and Consulting (SORA) haben 1222 Wahlberechtigte zu ihrem Abstimmverhalten befragt.

Männer und Frauen wählten unterschiedlich

Wie schon beim ersten Wahlgang zeigen sich klare Unterschiede zwischen Männern und Frauen. 60 Prozent der befragten Unterstützer des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer sind männlich. Frauen wählten hingegen öfter Alexander Van der Bellen, er erreichte unter ihnen 60 Prozent. Besonders junge Wählerinnen gaben dem unabhängigen Kandidaten ihre Stimme. Hofer konnte wiederum vor allem junge Männer von sich überzeugen.

Bildung hat starke Auswirkung auf Wahlentscheidung

67 Prozent der Befragten, die FPÖ-Kandidat Norbert Hofer unterstützen, verfügen maximal über eine abgeschlossene Ausbildung. Für seinen Widersacher Van der Bellen stimmten überdurchschnittlich viele Wähler mit Abitur oder einer höheren akademischen Ausbildung.

Starkes Stadt-Land-Gefälle

FPÖ-Kandidat Hofer konnte vor allem im ländlichen Raum punkten. In Kärnten erreichte er 60,1 Prozent, Van der Bellen lediglich 39,9 Prozent. Der unabhängige Kandidat war dafür besonders in den urbanen Ballungsräumen erfolgreich, er gewann acht Landeshauptstädte (mehr dazu hier).

Angst vor der Zukunft treibt Hofers Wähler um

Vor allem die Wähler des FPÖ-Kandidaten schauen ängstlich in die Zukunft. 67 Prozent der Befragten, die eine Verschlechterung der Lebensqualität in Österreich erwarten, haben Hofer gewählt. Eine knappe Mehrheit derer, die an eine Verbesserung glauben, gaben ihre Stimme Van der Bellen.

Die Lebensqualität wird sich ...

Hofer, der starke Mann fürs Volk

Die Wahlberechtigten wurden auch zu ihrer Motivation befragt, den FPÖ-Kandidaten Hofer beziehungsweise den Unabhängigen Van der Bellen zu wählen. Bei Letzterem sind ihnen vor allem politische Fähigkeiten wichtig. Verständnis und Sympathie schätzen vor allem die Wähler Hofers.

Was war bei der Wahlentscheidung wichtiger?

Die Aufgaben des Bundespräsidenten sind vor allem repräsentativer Natur - gleichzeitig hat er mehr Rechte als in Deutschland (mehr dazu hier). Vor allem die Unterstützer Hofers sind der Meinung, der Bundespräsident müsste mit mehr Macht ausgestattet werden. Der Wunsch nach einem starken Mann, der führt, scheint groß zu sein.

Österreich braucht einen starken Präsidenten. Ich ...

Es ging weniger um das Amt als um ein politisches Signal

Die Wahl hatte Strahlkraft über die Grenzen Österreichs hinaus. Im Falle eines Sieges des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer wäre das ein klares Signal an alle anderen Rechtspopulisten und Nationalisten in Europa. Es ging also um viel mehr als nur das Amt. So sahen es auch viele Wähler. 55 Prozent der Befragten erklärten, es handle sich vor allem um eine Richtungsentscheidung. Nur 38 Prozent betonten, im Mittelpunkt stehe lediglich die Besetzung des Amts des Bundespräsidenten. Aufgeteilt nach den Anhängern der jeweiligen Kandidaten, ergibt sich folgendes Bild:

Darüber hinaus ging es offenbar vielen Wählern darum, den jeweiligen Gegenkandidaten zu verhindern. Das ist besonders unter den Unterstützern von Van der Bellen der Fall. Fast die Hälfte der Befragten gab an, ihm lediglich ihre Stimme geben zu wollen, um seinen Widersacher zu schwächen.

Was war bei der Wahlentscheidung wichtiger?