"Integration ist eine One-Man-Show in Nordrhein-Westfalen", sagt Zülfiye Kaykin, die Antwort der Sozialdemokraten auf Armin Laschet. Kaykin wurde von der SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft in ihr "Zukunftsteam" geholt. "Herr Laschet hat zwar ein Herz für Migranten. Wenn Sie in Ihrer Parteibasis diese Denke aber nicht verankert haben, dann haben Sie ständig Probleme."
Bild vergrößern
Armin Laschet darf sich erster Integrationsminister Deutschlands nennen. (© Foto: dpa)
Anzeige
Probleme wie beispielsweise ausbleibende, nicht nur nach Kaykins Ansicht dringend nötige Reformen im Schulwesen. Probleme wie frustrierte Migrantenverbände, die auf kommunaler Ebene mehr Mitspracherechte fordern, diese aber nicht erhalten. Probleme wie ein zu schwieriges Einbürgerungsverfahren: "Wir dürfen den Menschen auf der einen Seite nicht Integration abverlangen und auf der anderen Seite auf allen Ebenen Erschwernisse zumuten", sagt Kaykin.
"Sie wurden ignoriert"
Dass jedoch nicht nur die CDU im Musterland Nordrhein-Westfalen Probleme hat, bei den Migranten Vertrauen für ihre Integrationspolitik zu wecken und die "Denke" in der eigenen Basis zu verankern, zeigt nicht zuletzt Haluk Yildiz. Der 42-Jährige ist der Gründer des Bündnisses für Innovation und Gerechtigkeit (BIG), der ersten Partei für Menschen mit Migrationshintergrund.
"60 Prozent unserer Mitglieder kommen aus etablierten Parteien: von der SPD, von den Grünen und von den Linken. Sie hatten dort versucht, sich einzubringen. Doch sie wurden ignoriert oder sind nicht weit gekommen", sagt Yildiz. Immer noch würden die Belange der Menschen mit Migrationshintergrund auch innerhalb der Parteien als marginal abgetan, was angesichts des großen Wählerpotentials nicht mehr stimme. Diesen Leuten eine Stimme zu geben, dafür trete BIG bei der Landtagswahl an.
Aufgrund des niedrigen Bekanntheitsgrades seiner Partei ist auch Yildiz nur vorsichtig optimistisch, über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen. Dennoch werde BIG "rapide" weiterwachsen, ist sich Yildiz sicher. Selbst über einen bayerischen Landesverband werde nachgedacht.
Inwiefern eine Migrantenpartei aber die alltäglichen Probleme im Zusammenleben zwischen Zuwanderern und Deutschen anpacken kann, ist fraglich. Denn zur Integration werden immer zwei Seiten gehören, sagt Kabarettist Somuncu. Zwei Seiten, die ihr Miteinander nicht aus dem Gesetzbuch ableiten. "Es ist leicht, Klischees zu bemühen, um ein Zerrbild zu zeichnen. Aber es ist schwer, auf den anderen zuzugehen und den anderen Teil seiner selbst werden zu lassen."
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Koalitionspoker in NRW Gabriel: Große Koalition nur unter SPD-Führung 17.05.2010
- Politik kompakt Längere Atomlaufzeiten - am Bundesrat vorbei 15.05.2010
- Vor dem Linken-Parteitag "Wir stehen in der Pflicht" 15.05.2010
- FDP in Nordrhein-Westfalen Pinkwart lehnt Ampel-Koalition endgültig ab 14.05.2010
- Fehlende Bundesratsmehrheit Guido lässt abspecken 12.05.2010
- FDP: Volten in NRW Andreas Pinkwart: Ein Chaos-Experte am Werk 11.05.2010
- Ypsilanti und Kraft Ein Rat unter Frauen 11.05.2010
(sueddeutsche.de/mcs)
Die Ärzte in München