Von Bernd Oswald

Obwohl die Sozialdemokraten mit empfindlichen Verlusten rechnen müssen, wird es wohl keine Regierung ohne sie geben - um so mehr, wenn die rechtsextreme NPD in den Landtag kommt.

Erstmals seit der Wiedervereingung fallen in Mecklenburg-Vorpommern Landtags- und Bundestagswahl nicht zusammen - ein Umstand, der sich nicht gerade förderlich auf die Wahlbeteiligung auswirken wird. Das gleiche gilt für die wirtschaftliche Ausgangslage vor der Wahl: 18,2 Prozent Arbeitslose, so viele wie nirgends sonst in Deutschland - auch ein Grund für die anhaltende Abwanderung gen Westen. Dabei hat das Flächenland ohnehin nur 1,7 Millionen Einwohner.

Bestimmen bald mehr als drei Parteien die Politik im Schweriner Schloss? (© Foto: dpa)

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Die Bilanz nach acht Jahren Rot-Rot ist also nicht besonders gut für SPD und Linkspartei. Und dennoch könnte es gut sein, dass das Land auch in den nächsten vier Jahren von diesen beiden Parteien regiert wird. Eine rechte Wechselstimmung gibt es nicht.

Chemie zwischen CDU und SPD besser geworden

Zwar wird die CDU wohl wieder ein paar Prozentpunkte zulegen, aber nicht weit über die 30 Prozent-Marke kommen. Die FDP muss froh sein, wenn sie erstmals seit 1990 wieder in den Landtag kommt. Für Schwarz-Gelb wird es also keinesfalls reichen.

Denkbar wäre eine große Koalition wie im Bund. Die dürfte es aber nur geben, wenn die SPD weiter stärkste Partei bleibt, was nicht gesagt ist, da sie sich in den Umfragen derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU liefert.

Sollten die Sozialdemokraten nur als Zweiter über die Ziellinie gehen, würden sie wohl eine Fortsetzung mit der Linkspartei.PDS bevorzugen, die mit deutlichen Gewinnen rechnen dürfen. 1998 sorgte die erste rot-rote Landesregierung für große Schlagzeilen, inzwischen ist das nichts Außergewöhnliches mehr.

Rot-rote Reibungen

Reibungslose Zusammenarbeit sieht aber anders aus, wie sich auch im heftigen Koalitionsstreit um die Verwaltungsreform im Land zeigte. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass beide Parteien ohne Koalitionsaussage und damit auch ohne den Wunsch nach einer weiteren Zusammenarbeit in die Wahl ziehen.

Falls die Linkspartei zu viel (Posten) von der SPD fordert, hätten die Sozialdemokraten die Alternative der großen Koalition. Mit dem neuen CDU-Spitzenkandidaten Jürgen Seidel kann Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) jedenfalls deutlich besser als mit dem in den Bundestag gewechselten früheren CDU-Landesvorsitzenden Eckhardt Rehberg.

Die Grünen werden wohl auch im fünften Anlauf an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und werden am Ende noch hinter der NPD liegen. Jüngsten Umfragen zufolge wird die rechtsradikale Partei den Sprung in den Landtag schaffen. Die vermeintlichen Protestwähler würden damit eine große Koalition wahrscheinlicher machen.

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(sueddeutsche.de)